UN-Klimakonferenz, Wirtschaft vs. Religion und zwei religiöse Fanatiker - Bürgerjournalismus weltweit

- So richtig modern sieht die ja nicht aus, die UN-Konsole. Screenshot via gadgets.boingboing.net
Enttäuscht nicht von den Ergebnissen der UN-Klimakonferenz sondern vor allem über die Platidüden, die die einzelnen Sprecher von sich gegeben hätten, ist Juliana Rotich, die bereits von der Konferenz gebloggt hatte. (Eine weitere Blogsammlung findet sich hier.) Obwohl sie erfreut war über die Installation eines Extra-Bloggerraums, sei es ärgerlich gewesen, die immergleichen Reden zu hören, in die die immergleichen Schlagworte eingefügt worden seien; die Autorin fühlt sich gar an das Hören einer defekten CD erinnert. Lediglich die Eröffnungsrede Ban Ki-Moons habe sich durch Verve und Überzeugungskraft abgehoben von der breiten Masse. Auf englisch kann man sie hier nachlesen. Der UN News Center hat zudem Videos der einzelnen Sitzungen online gestellt. Dass die UN offensichtlich noch herausfinden muss, wie mit Blogs umzugehen ist, lesen wir wiederum bei Joel Johnson, der in seinem Blog über das UN-Dilemma schreibt, dass man sehr wohl wünsche, dass die Botschaften über das Netz verbreitet würden, zugleich aber nicht wirklich an der Online-Diskussion teilnehmen wolle, sei es aus Zeitgründen oder aus Angst davor, dass die traditionellen Medien sich abwenden könnten.
Religion oder Wirtschaft?

- “Adams Bridge” zwischen Indien und Sri Lanka. Screenshot via Wikipedia
Ist die Adam’s Bridge zwischen Indien und Sri Lanka menschliches Werk oder göttlich? Diese Frage treibt Indiens Blogosphäre um, seitdem wegen eines Bauprojekts für einen Kanal die Brücke aus Korallenriffen, Sandbänken und Inseln zerstört werden soll. Das Ramayana weist darauf hin, dass die Brücke wegen göttlicher Intervention errichtet wurde – die Regierung behauptet das Gegenteil, die Blogger des Landes kommentieren vor allem die eidesstattliche Erklärung der Beamten, dass Ram nur eine mythische Figur gewesen sei. Doch auch der Grund für das Projekt – ganz unreligiöser infrastruktureller Art – ist Thema, zum Beispiel bei My Wierd Wired World.
Ramadan
Sehr alltägliche Einblicke in das höchste Islamische Fest, den Ramadan, bietet Arabeyes in ihrer Rundschau aus Blogs aus Palästina (Familie), Yemen (zuviel Essen, sowie die Fastenzeit gebrochen wird), Kuwait (wo habe ich mein Auto gelassen?), Jerusalem (abendliche Salutschüsse).
Zwei religiöse Fanatiker..
Stephane Mot wirft einen Blick auf die propagandistischen Kriegsvorbereitungen der USA gegen den Iran. Auf den ersten Blick, so schreibt er, sieht alles so ähnlich aus, wie seinerzeit in der Zeit vor dem Irakkrieg: Wieder sind Massenvernichtungswaffen im Spiel (diesmal Atomwaffen) und wieder wird der politische Führer als das Böse aufgebaut. Und auch die Gegenargumente sind die selben, wieder wird die Gefahr eines unmittelbar möglichen atomaren Angriffs von dem internationalen Amt, dass die Möglichkeit untersucht, verneint und wieder warnen die Experten vor den Folgen eines bewaffneten Konflikts für die gesamte Region und die Welt.
Doch Mot glaubt nicht, dass es um eines der diskutierten Dinge ginge, nicht mal der Kampf um Öl sei die Ursache für den anschwellenden Konflikt. Dieser Krieg, so er denn kommt, sei ein Religionskrieg, oder jedenfalls etwas ähnliches. Jene, denen am meisten daran gelegen sei, ihn zu beginnen, seien religiöse Eiferer, auf beiden Seiten: Islamische Fundamentalisten, die auf die Wiederkehr Mahdis warteten treffen auf christliche Fundamentalisten, die auf die Wiederkehr Christus hoffen. Eine militärische Eskalation des Konflikts, unter Einbeziehung Israels, würde für diese Fanatiker diese „freudvollen Ereignisse“ und das Reich des jeweiligen Gottes näher rücken lassen.
Und John und Jane Smith? Sitzen auf ihrem Sofa und sehen zu, wie die ‘Verrückten’ so tun als würden sie sich um die Länder, in denen sie gewählt wurden, kümmern, während beide, Ahmadinedschad wie Bush mit den gleichen Worten und aus ähnlichen Gründen das Blutbad fordern und wollen. Und, so fragt sich Mot, werden John und Jane Smith schuldig der Mittäterschaft sein oder werden sie dafür sorgen, dass die einzige Waffe, die das Grauen verhindern kann, eingesetzt wird: Die Amtsenthebung.
Protest gegen Rumsfeld
Der konservative Blogger „liberally conservative“ regt sich über Vorgänge an der Stanford University in Kalifornien auf: Dort regt sich Widerstand gegen die Einladung an Donald Rumsfeld als einjährigen Gaststipendiat. In einer von 2600 Studenten und Fakultätsmitgliedern unterschriebenen Petition heißt es, die Vereinbarung mit Rumsfeld sei inkompatibel mit den „ethischen Werten der Aufrichtigkeit, Toleranz, unvoreingenommener Forschung, Respekt vor nationalen und internationalen Gesetzen und der Achtsamkeit gegenüber Meinungen, Eigentum und Menschenleben.“
Für „liberally conservative“ ist dieser Protest ein deutliches Zeichen der Verschiebung von Toleranz zu Intoleranz die an us-amerikanischen Universitäten stattgefunden habe. Schuld daran seien jene Linken, die immer eine „Vielfältigkeit“ forderten, die in Wirklichkeit aber eine Konformität in sozialen und moralischen Themen bedeutet.
Metroblog
Eine der schönsten Seiten, um einfach einmal herumzustöbern in der Welt der Blogs ist sicherlich metroblogging.com, eine übersichtlich gestaltete Plattform vieler Placeblogs – eben all jener, die sich dem Gedanken „Think Global, Blog Local“ angeschlossen haben. Und weil OhmyNews zwar eine hervorragende Seite ist, aber sich heute an neuen Artikeln dort wieder nicht viel findet – außer vielleicht dem Artikel zu einer Kräutersammlerin aus Nepal – klicke ich auf den Metrobloggingknopf „Visit a random City“.
Ein wenig ist das so, wie wenn man früher ganz schnell den Globus drehte und irgendwo draufhielt… Ich lande in Tokio, wo James Hart ein spanisches Restaurant (La Taperia) entdeckt hat, das phantastische Paella macht und Martin bereits am 12. 9. denkt, dass der Friedenstag in der Stadt besonders schön zu werden verspricht, nachdem Premierminister Abe endlich seinen Rücktritt angekündigt hat. Ein zweiter Kurztripp führt mich nach Mumbai – Bombay, wo Viewer Photos eingestellt hat, die den Raubbau der Stadt an den umliegenden Feldern zeigt: Ein wahrer Betondschungel sei am entstehen.
(Marie Naumann & Martin Stahlke)










