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BEST OF READERS EDITION - eine Wochenbilanz

Freitag, den 28. September 2007 um 16:02 Uhr von Redaktion Readers Edition
Live und in Farbe - Diskussionen über die Freiheit; Photo: Toni_V

Da Kollegin Oppelt schwer krank daniederliegt und mit Kräften versucht zu genesen, bin ich aufgefordert ihre wöchentliche Zusammenfassung vom Besten der Woche zu übernehmen. Nun, dann versuche ich mal den hohen Anspruch der an diesen Wochen-Überblick gestellt wird, zu genügen und präsentiere die Highlights der vergangenen Woche:

Mit einem engagierten Plädoyer für den Rechtsstaat und der Warnung vor fahrlässigen Eingriffen in denselben meldet sich Rolf Ehlers zum Wochenende zu Wort. In seinem Artikel „Berliner Trias vergreift sich am Rechtsstaat. Ein Kommentar“ skizziert er kompetent die Anstrengungen von Schäuble, Jung und Merkel den bestehenden Rechtsstaat aufzuweichen. Es gehe ihr um nichts Geringeres als das geforderte „Bürgeropfer“, also „die moralische Pflicht jedes Bürgers in der wehrhaften Demokratie im Kampf gegen islamistischen Terror seine eigentlich unveräußerlichen Grundrechte, letztlich auch die Menschenwürde und das blanke Recht auf Leben fahren zu lassen“. So eindringlich die Warnung des Autor vor diesen und ähnlichen Tendenzen auch ist, so beruhigend mutet dann sein Schluss an. Da die Justiz in Deutschland unabhängig sei und es „in der Frage der Bewahrung der Menschenrechte und des Schutzes des Rechtsstaates vor den Übergriffen der Exekutive keine Kompromisse“ gibt, müsse man sich keine allzu große Sorgen hierum machen. Ein Fazit über das unter anderem in den Kommentaren eifrig diskutiert wurde.

Ehlers Artikel und ein darin vorkommendes Zitat der Kanzlerin, dass „es in Deutschland keinen Ort geben dürfe, in den der Staat keine Einsicht hätte“ in Erinnerung, lässt den ausgezeichneten Artikel von Björn Märtin über die Graffiti- und Steet Art-Szene mit geschärften Sinnen lesen. In „Graffiti - Writing my Name” beschreibt der Autor kenntnisreich diese Kunstform, welche sich seit Jahrzehnten in der Grauzone von Eigentums- und Öffentlichkeitsrechten bewegt. Märtin lässt sich aber weniger zu dem Thema Rechtmäßigkeit und Akzeptanz von Graffiti im öffentlichen Raum aus, sondern beschäftigt sich vielmehr mit der Unterscheidung der, noch jungen, Street-Art-Bewegung von der Graffitiszene. Der Autor beschreibt dies unter anderem so: „Benutzen das klassische Graffiti und Street Art auch den öffentlichen Raum als gemeinsamen Distributionskanal für Botschaften und Namen, so sind die Bewegungen doch unterschiedlich gelagert. Die Street Art-Bewegung hat sich vor allem von den strengen Gestaltungsvorschriften des Graffitis losgesagt.“ Und obwohl „Street Art und klassisches Graffiti in ihren Erscheinungsformen teils stark voneinander unterschieden, so lässt sich dennoch festhalten, dass Street Art strukturell auch eine Fortsetzung der Guerilla-Taktiken des Graffitis mit zeitgemäßen Mitteln bedeutet.“ Anhand zahlreicher Beispiele, welche auch in einer Fotostrecke bewundert werden können, schildert Märtin anschaulich wie sich die Berührungspunkte zwischen institutionalisierter Kunst und Street Art in letzter Zeit rasend schnell entwickeln.

Wenige Tage nach Ehlers Ausführungen zu der bestehenden Neigung führender Bundespolitiker, den Rechtsstaat zu umgehen, veröffentlicht Roland Schäfer eine philosophische Unterfütterung dieser Problematik. In „Sicherheit als ausgewogene Freiheit“ geht er dezidiert dem Verhältnis von Sicherheit und Freiheit in einer, von den Ereignissen des 11. September geprägten, Gegenwart nach. Einen bedeutungsschweren Umstand sieht der Autor in dem Umstand, dass der Sicherheitsbegriff in den letzten Jahren allzu oft missbraucht wird. Der Erweiterungsanspruch des Sicherheitsbegriffes läge nun nicht mehr im unmittelbaren Interesse des einzelnen Bürgers, sondern vielmehr in dem über den Staat vermittelten Interesse des Bürgers. „Der Bürger wird nicht mehr vor dem Staat geschützt, sondern der Staat schützt nunmehr den Bürger.“ Nach einer kurzen Revue der Gedanken und Thesen der Aufklärung zu den Grundlagen der Freiheit resümiert Schäfer schlussendlich, dass „bei der Schaffung neuer rechtlicher Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung die Freiheit des Einzelnen Grundlage und Idee ist. Die Maßnahmen müssen immer unter diesem Blickpunkt betrachtet werden.“

Mit „Hasta la dictadura-siempre“ reichte Sidney Gennies eine, in düsteren Farben gehaltene, Analyse der gegenwärtigen Situation in Venezuela ein. Der äußerst kontrovers diskutierte Artikel beschreibt die aktuelle Lage als grenzenlos diktatorisch - die Aussicht auf akzeptable, demokratische Verhältnisse sei aussichtslos. Und wenn man von Diktatur spricht, darf selbstredend auch der obligatorische Vergleich auf Hitler und seinen Staatsaufbau nicht fehlen. Nicht allein aufgrund dieser historisch dann doch recht fragwürdigen Gegenüberstellung entwickelt sich recht bald eine rege Diskussion über den Stand der Dinge in Venezuela. Die Meinungen gehen hier offensichtlich weit auseinander und verdienen mit Sicherheit in Zukunft einer ausführlicheren Betrachtung.

Mit einem ganz anderen Thema und zwar dem sogenannten PageRank, jener wohl bekannteste und zugleich auch undurchsichtigste Bewertungsmaßstab im Netz, beschäftigt sich eine ausführliche Serie von Josef Willkommer. Der erste Teil geht hauptsächlich den grundlegenden Fragen nach und beschreibt zunächst was der PageRank eigentlich ist und wie er arbeitet. Der zweite und dritte Teil schließen nahtlos daran an und arbeiten aus, welche Faktoren ihn genau beeinflussen. Der vierte Teil fasst schließlich alles noch einmal zusammen und rundet das zuvor Erfahrene ab.

Ihre Redaktion Readers Edition

Photo Quelle/ Copyright: Toni_V, cc creative commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 (via flickr)

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