Wochenrückblick IV/IX: Wirklich weniger Arbeitslose?

Die Inszenierung ist Monat für Monat perfekt. Die Bundesagentur für Arbeit lässt vor der offiziellen Bekanntgabe Zahlen durchsickern, Printmedien, Funk und Fernsehen raunen die Nachricht in die deutsche Arbeitslosenwelt: Ihr seid schon wieder weniger geworden. Kaum ist der erste Jubelsturm der Hartz-IV-Empfängerinnen und Hartz-IV-Empfänger, der Kinder, die unter Armut leiden,

aktr.jpgDie Inszenierung ist Monat für Monat perfekt. Die Bundesagentur für Arbeit lässt vor der offiziellen Bekanntgabe Zahlen durchsickern, Printmedien, Funk und Fernsehen raunen die Nachricht in die deutsche Arbeitslosenwelt: Ihr seid schon wieder weniger geworden. Kaum ist der erste Jubelsturm der Hartz-IV-Empfängerinnen und Hartz-IV-Empfänger, der Kinder, die unter Armut leiden, und der Jugendlichen, die noch keinen Ausbildungsplatz haben, abgeebbt, setzt sich Frank J. Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit (BA), in den Wald der Mikrophone und überrascht die Medienvertreter dieses Mal mit der Feststellung: “Die Sommerpause ist zu Ende…

“Wake Me Up When September Ends” summen die Journalistinnen und Journalisten vor sich hin und stecken die Pressemitteilung ein, in der steht, dass die Herbstbelebung in diesem Jahr besonders stark ausgefallen sei. 3.543.000 Arbeitslose gibt es zwar immer noch, aber das stürt doch nur die Miesmacher der Merkel-Erfolge, die eigentlich Schrüder-Erfolge sind.

Alles nur Verkleisterung

Doch: Die heutigen Erfolgsstorys verkleistern nur den Realitätssinn. Die monatlichen Bankrotterklärungen der Bundesanstalt für Arbeit künnen als solche leicht entlarvt werden. In den Zeugenstand tritt die Bush-Regierung. Die hat im vorigen Jahr die amerikanische Öffentlichkeit mit der wunderbaren Nachricht von der niedrigsten Arbeitslosenquote seit fünf Jahren (4,4 Prozent) überrascht. Dass aus der Statistik inzwischen alle, die die Arbeitsplatzsuche aufgegeben hatten und alle, die seit über einem Jahr arbeitslos sind, verschwunden waren, verschwieg sie wohlweislich.

Über eine Million aus Statistik verschwunden

Das hat auch in Deutschland Methode. Geküdert werden Langzeitarbeitslose mit einer Rente ab 58 ohne Abschläge, aus der Statistik verschwunden sind nach Schätzungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes über eine Million Arbeitskräfte. Der Trick: Nicht alle, die arbeitslos sind, gelten auch als arbeitslos. Wer sich beim Arbeitsamt nicht gemeldet hat, taucht in der Statistik ebenso wenig auf wie jemand, der nicht in der Lage ist, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Seit 1980 sind so immer mehr Bundesbürgerinnen und Bundesbürger aus der Statistik herausgefiltert worden.
In Nürnberg sind die Mikrophone wieder eingepackt worden und Franz J. Weise bereitet die nächste monatliche Inszenierung vor. Der Name des Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit ist eben nicht Programm…

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