Metaphern aus blutenden Klumpen Fleisch

METAPHERN AUS BLUTENDEN KLUMPEN FLEISCH HOTELZIMMER INFERNO´s Frontfrau Grande lässt in ihr Inneres blicken. . . . . . . . Die wirklich aufregenden Bands und Solisten sieht man selten im Fernsehen, dafür umso leuchtender in den Independentclubs des Landes. Volly Tanner fand in einem Leipziger Undergroundclub Frau Grande zum

hgfvkl.jpgMETAPHERN AUS BLUTENDEN KLUMPEN FLEISCH HOTELZIMMER INFERNO´s Frontfrau Grande lässt in ihr Inneres blicken.

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Die wirklich aufregenden Bands und Solisten sieht man selten im Fernsehen, dafür umso leuchtender in den Independentclubs des Landes. Volly Tanner fand in einem Leipziger Undergroundclub Frau Grande zum Gespräch, die über ihre Band, die Zukunft und Widersprüche referiert. In der Melodie & Rhythmus 10/07 erschien gerade ein Teil des Interviews, hier auf Readers Edition folgt nun das ganze Gespräch.

Volly Tanner: Frau Grande, Du bist in den letzten Jahren berühmt berüchtigt geworden für Deine exzessive Bühnenshow und Deine extremen Texte von Vaterliebe bis Dorfmädchenherzzerschneidergeschichten. Wo kommt diese Wut, diese Angst vorm Verschlucktwerden her?

FRAU GRANDE: Ich habe keine Angst vor dem Verschlucktwerden, lediglich eine Vorliebe für bestimmte Themen und Symbole. Ich mag es, Dinge würtlich zu nehmen, sie in einen neuen Kontext zu setzen und dadurch neue Bilder zu kreieren.

Volly Tanner: Mit Dir als Frontfrau ist Hotelzimmer Inferno ja doch zu einer herausragenden Grüße des hiesigen Musikbusiness geworden. Man liebt euch oder man hasst euch, nur vergessen kann man euch nicht. Wie würdest Du unseren Lesern, Deine Band HZI beschreiben?

FRAU GRANDE: Es ist personenzentrierte Konzeptkunst. Musik ist nur das Transportmittel, weil sie so unmittelbar ist. Dabei verzichten wir bewusst auf Effektgeräte und besonderen technischen Firlefanz. Die Texte sind es, die beim Hürer ankommen sollen. Die Symbole, welche in den Liedern auftauchen, kann der Zuschauer dann beim Konzert wieder finden: Messer, Blut, Rosen, Pflaster etc. Meine Bühnenkleider sind eine Persiflage auf den Kleidungsfaschismus der momentanen Popkultur gemischt mit divenhaftem Make-Up-Styling. Das Konzert selbst ist ein Akt der Zerstürung. Das Gesamtkonzept wirkt auf den ersten Blick sicher widersprüchlich, aber genau diese Widersprüche sicht- und greifbar zu machen, ist für mich das Interessante. Am Ende passt doch alles zusammen, weil ich der einzige Maßstab bin.

Volly Tanner: Nach mittlerweile im Underground hochgelobten CD-Kopien und der letztjährigen Schallplatte “Diagnose: Verhaltensgestürt” soll ja nun diesen Herbst eine Kassette von HZI erscheinen. Wieso denn dieses mittlerweile recht vergessene Medium?

FRAU GRANDE: Einfach um die Vielfalt zu wahren und weil ich mich nicht beschränken müchte. Das Tape ist aber nur ein Vorbote in limitierter Stückzahl für unser voraussichtlich im Februar erscheinendes Album.

Volly Tanner: Mit Deiner Performance setzt Du dich ja auch permanenter Diskussion aus. Viele empfinden Deine Kunst als anstüßig, verbietenswert. Wie gehst Du mit negativer Kritik um?

FRAU GRANDE: Mir ist noch nicht zu Ohren gekommen, dass jemand meine Darstellungen als verbietenswert empfindet. Ich muss natürlich kritikfähig bleiben, aber würde ich mir alles annehmen, was mir bisher geraten wurde, wäre ich mittlerweile genauso glatt gebügelt wie viele andere Künstler. Um anstoßen zu künnen, muss man seine Ecken und Kanten pflegen.

Volly Tanner: Du stehst ja mit Deiner Band noch recht am Anfang Deiner Karriere. Wo siehst Du dich in 10 Jahren? Was lebst Du dann?

FRAU GRANDE:
Das lasse ich auf mich zukommen. London ist zwar meine Lieblingsstadt, aber kreativ arbeiten kann man unabhängig vom Coolness-Faktor überall auf der Welt.

Volly Tanner: Und künstlerisch? Bist Du da Bestsellerautorin, CD-Verkaufsmillionärin oder Platinperformerin?

FRAU GRANDE: Haha, alles das und noch viel mehr. Vielleicht habe ich bis dahin auch die Goldene Himbeere bekommen für meine grottenschlechte schauspielerische Leistung in einem amerikanischen Splatter-Movie.

Volly Tanner: Splatter ist ein gutes Stichwort, Frau Grande. Deine Performance ist ja auch hin und wieder etwas blutig. Was willst Du uns damit etwas sagen?

FRAU GRANDE: Meine Blutvorliebe hat einen ästhetischen und einen emotionalen Aspekt. Blut ist für mich der Inbegriff von Romantik, so im Sinne von “Ich schneide mein Herz für Dich raus”. Ich lege mich metaphorisch gesprochen auf den Seziertisch und alle sollen sich meinen aufgeschnittenen Kürper ansehen. Das hat auch etwas damit zu tun, sich selbst auszustellen, sich selbst zum Kunstwerk zu erklären. Gleichzeitig drückt es mein Gefühl von Zerstürung aus. Künnte ich meine Gemütszustände sichtbar machen, wäre ich manchmal einfach nur ein blutender Klumpen Fleisch.

HOTELZIMMER INFERNO LIVE:

03.10.07 Zur Mübelfabrik/ Berlin; 24.11.07 Gieszer 17/ Leipzig

FRAU GRANDE LIEST UND SCHREIT SOLO:

17.10.07 Kultiviert Anders!/ Leipzig

Mehr:

www.hotelzimmerinferno.de

TEXT: VOLLY TANNER
PhOTO: DANIEL MEISSNER

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