Unzufriedenheit in Südkorea, Verhaftungen in Chile und Ausladungen in Ägypten – Bürgerjournalismus weltweit

Die deutsche Berichterstattung über das Treffen des südkoreanischen Präsidenten Roo Moo Hyun und des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il ist durch die Bank weg positiv. Allein die Tatsache, dass es damit zu einem zweiten Gipfeltreffen innerhalb der letzten 54 Jahren der beiden sich offiziell noch im Kriegszustand befindlichen Länder gekommen

nordkoreaDie deutsche Berichterstattung über das Treffen des südkoreanischen Präsidenten Roo Moo Hyun und des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il ist durch die Bank weg positiv. Allein die Tatsache, dass es damit zu einem zweiten Gipfeltreffen innerhalb der letzten 54 Jahren der beiden sich offiziell noch im Kriegszustand befindlichen Länder gekommen ist, sorgt schon für ein freundliches Echo. Anders sieht das wohl in den heimatlichen Medien aus, so jedenfalls berichtet die südkoreanische Blogosphäre, zusammengefasst von Hyejin Kim auf GlobalVoices. Ein Blogger berichtet davon, eine der führenden Zeitungen Südkoreas würde mit der Schlagzeile “Keine Gesichtsregung und keine Umarmung” aufwarten und merkt dazu an, dass er nichts dagegen hätte, wenn man sich anschließend kritisch mit dem Erreichten auseinander setzen würde, bezweifelt aber, dass es sinnvoll wäre, das Treffen von vorne herein so “mit kaltem Wasser zu übergießen”. “Flüche und Vorwürfe” muss der Blogger Sandman in Südkoreas meistverkaufter Zeitung lesen und auch er hat dafür kein Verständnis.

Andere Blogger behaupten, dass drei große Zeitungen gar ausländische Berichterstattungen fälschen, um deren positives Echo nicht wiedergeben zu müssen. Allerdings macht sich die südkoreanische Blogosphäre auch Gedanken über mügliche Folgen einer potentiellen Wiedervereinigung. Die enormen Kosten, die auf die südliche Hälfte des Landes zukommen würden, bereiten Sorgen: “Sollte es eine Wiedervereinigung geben, so müssen wir für die Kosten dafür aufkommen. Das wird bedeuten, dass unsere Wirtschaft nicht stabil sein wird. Sicher, auf lange Sicht ist die Wiedervereinigung wichtig für uns. Aber es fällt schwer zu verleugnen, dass ‘Wirtschaft’ eine hühere Priorität als ‘Frieden’ hat.”

Späte Genugtuung in Chile

Die Chilenen hatten schon fast geglaubt, der Fall Pinochet wäre endgültig zu den Akten gelegt worden, so schreibt Marcelo Mackinnon auf OhmyNews. Doch gestern früh wurden 23 Personen aus dem direkten Umfeld des im Dezember letzten Jahres verstorbenen ehemaligen Diktators verhaftet. Darunter die 87-jährige Ehefrau Lucia Hiriart und die fünf Kinder Pinochets. Unter den anderen Verhafteten befinden sich viele ehemalige Generäle sowie Personen aus dem persünlichen Umfeld Pinochets, wie sein Finanzberater und seine persünliche Assistentin. Grund für die Verhaftungen, so der zuständige Richter Cerda, sind massive Beweise dafür, dass ungefähr 8,3 Millionen US-Dollar veruntreut wurden. Dazu wurde offenbar eine staatliche Institution namens “Casa Militar” genutzt, die dafür zuständig war, Gelder an militärisches Personal weiterzuleiten, das im Ausland tätig war. Richter Cerda ist auch zuständig für die Untersuchung eines Bankkontos auf dem sich 28 Millionen US-Dollar befinden, das 2002 bei einer Bank in Washington gefunden wurde. Grund genug, so Mackinnon, darüber zu spekulieren, ob dies mit dem aktuellen Fall zusammen hängen künne. Alles in allem müglicherweise ein kleiner Trost für jene Chilenen, die bis heute bedauern, dass Diktator Pinochet nie für seine massiven Verbrechen verurteilt wurde.

Isaelischer Film ausgeladen

Der preisgekrünte israelische Film “The Band’s Visit” (deutscher Titel: “Die Band von Nebenan”) erzählt von einer interessanten Begegnung: Ein kleines ägyptisches Polizeiorchester ist unterwegs zu einem Auftritt in Israel, leider jedoch kommen sie dabei vom Weg ab und verirren sich in dem ihnen fremden Land und landen schließlich in einer Stadt, in der sie niemand erwartet. Das Ganze ist so charmant dargestellt, dass der Film nicht nur auf diversen Festivals Preise gewann, sondern inzwischen auch für den Oskar für den besten ausländischen Film von Israel ins Rennen geschickt wird. Allerdings sind, so erzählt der Blogger The Sandmonkey auf Agoravox, nicht alle so begeistert. Das Cairo International Film Festival jedenfalls, das nächsten Februar stattfinden wird, hat den Film ausgeladen. Nachdem die Organisatoren des Festivals den Film angesehen hatten, beschlossen sie, den Film nicht zu zeigen. Zwei Gründe wurden dafür genannt: Es gibt eine – kaum erkennbare – Sex Szene zwischen einem der ägyptischen Musiker und einer Israelin. Dies wäre “schockierend und würde sicher nicht gut ankommen”, so das Festivalkomitee. Der andere Grund allerdings klingt noch wirrer: “Diesen Film zu zeigen, wäre ein Zeichen der Normalisierung” zwischen Israel und Ägypten. Wenn das mal kein Grund ist…

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