Krieg in Rio, Anna Politowskaja und das Aus für britische Neuwahlen – Bürgerjournalismus weltweit

Cidade de Deus, ein Film, der das tägliche Leben in einem Slum von Rio und den ungeheuren Einfluss der Drogenmafia auf die ärmsten Bewohner Brasiliens thematisierte, war weltweit ein riesiger Erfolg – und zugleich schockierend durch seine Bilder roher Gewalt. €žTropa de Elite€œ oder €žElite Squad€œ behandelt das gleiche Thema,

hfjg.jpgCidade de Deus, ein Film, der das tägliche Leben in einem Slum von Rio und den ungeheuren Einfluss der Drogenmafia auf die ärmsten Bewohner Brasiliens thematisierte, war weltweit ein riesiger Erfolg – und zugleich schockierend durch seine Bilder roher Gewalt. €žTropa de Elite€œ oder €žElite Squad€œ behandelt das gleiche Thema, jedoch aus dem Blickwinkel eines Polizisten der €žBOPE€œ, einer Spezialeinheit der brasilianischen Militärpolizei. Deren freundliches Logo (s. Bild) spricht Bände, und dass diese Polizisten nicht gerade sanft vorgehen, lässt sich auch unten erkennen. Bloggerin €žGringa in Rio€œ hat einige Videos mit echten Reportagen eingestellt. Ein Einblick in den Krieg von Rio.

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In Brasiliens Blogs hat der Film €žElite Squad€œ bereits vor seiner Premiere für Diskussionen gesorgt, zumal eine Version (unautorisiert) im Internet einsehbar ist, wie José Murilo Junior auf Global Voices schreibt. Streit gäbe es nicht allein wegen der gewalttätigen Szenen und der Darstellung der Polizei (angeblich habe das Militär versucht, den Film zu verbieten), sondern auch wegen der Aussage des Films, dass es vor allem die Schuld der reichen Drogenkäufer sei, die den Drogenkrieg anheizten. Pedro Dória vertritt in seinem Blog dagegen die These, dass man nicht einer einzelnen Gruppe die Schuld geben künne, sondern es sich um einen Kreislauf handle. Er zieht eine interessante Parallele zu der Verbreitung des Films selbst im Netz: Wertvolle Informationen würden, wie Drogen, immer einen Weg finden, um in der Gesellschaft verbreitet zu werden. Eines steht fest: €žElite Squad€œ ist ohne Frage ein heiß diskutierter Film – und das vor seiner Verüffentlichung.

Streik und Repressionen im Iran

Während der gängigste staatliche Slogan im Iran derzeit heißt €žNuklearenergie ist unser absolutes Recht!€œ, skandierten um die 5.000 Arbeiter zweier Zuckerfabriken desselben Landes: €žUnser Lohn ist unser absolutes Recht!€œ. Wie in Hamid Tehranis Überblick über die iranische Blogosphäre deutlich wird, geht es keineswegs um Luxusgüter; hungrig seien die unbezahlten Arbeiter, denen seit Monaten von der Regierung leere Versprechen gemacht würden. Doch damit nicht genug: Blogger Kaargar berichtet von Übergriffen auf die Demonstranten und der Verhinderung von Kundgebungen und €žEcho der Gefangenen€œ bloggt, dass es inzwischen auch zu Repressionen und Druck durch den Geheimdienst gekommen sei. Es sei Zeit, so liest sich weiter, dass die Internationale Arbeitsorganisation einschreite.

Jahrestag der Ermordung von Anna Politowskaja

Zum Jahrestag des Mordes an der Journalistin Anna Politowskaja schreibt auf OhmyNews Ludwig de Braeckeler. Er berichtet von der russischen Zeitung Novaja Gaseta, wo man inzwischen offenbar wisse, wer der Mürder ist – der Auftraggeber bleibt jedoch unbekannt. Der Autor gibt einen Überblick über das Hin-und-Her, dem die Journalisten Russlands in diesem Fall ausgesetzt worden seien; so habe beispielsweise die Novaja Gaseta selbst unter starken Druck gestanden, zu berichten, dass Boris Beresowski der Auftraggeber gewesen sei – eine Behauptung, die von den Redakteuren, zu denen Anna Politowskaja gehürt hatte, stark angezweifelt wurde. Anna Politowskaja war die dritte Journalistin der Novaja Gazeta, die ermordet wurde.

Verliert der englische Fußball seine Seele?

fragt besorgt John Patrick Boland, und zitiert damit Roy Keane, den früheren Mittelfeldspieler von Manchester United, der nie um ein Wort verlegen ist – und immer viel von sich reden macht. Heute ist er Trainer des inzwischen erfolgreichen FC Sunderland – eigentlich kein Indiz für eine seelische Schwäche des Sports. Doch die Finanzen sie seien es, die dazu führten, dass Fußball zu einem Business degeneriert würde und Fans zu €žKunden€œ. Wenn Geld zum Antrieb für den Sport würde, dürfe man sich nicht wundern, wenn Fans abspringen. Schließlich künne man vieles kaufen, die wahre Liebe jedoch nicht.

Agoravox

Keine Neuwahlen in Großbritannien in diesem Jahr

Der englische Premierminister Gordon Brown gab am vergangenen Wochenende bekannt, dass er keine Neuwahlen in diesem Jahr abhalten lassen wollte. Darüber war, aufgrund seiner Übernahme des Amtes von Vorgänger Tony Blair in der Mitte der Legislaturperiode, im Vorfeld dieser Entscheidung eifrig spekuliert worden. Die Reaktion auf die Entscheidung war äußerst heftig, die konservative Oppositionspartei der Torys versuchte natürlich aus diesem Umstand politisches Kapital zu schlagen. Der englische Blogger The Nosemonkey fragt sich darauf hin, mit welcher Berechtigung dies geschieht. Dass der Premierminister in der Mitte einer Amtszeit wechselt ist nichts ungewühnliches, alleine sieben Fälle dieser Art in den letzten sechzig Jahren kann The Nosemonkey aufzählen – und auch da gab es keine Neuwahlen. Wenn denn überhaupt Neuwahlen zur Bestätigung Browns Mandats nütig waren, so wäre der richtige Zeitpunkt direkt nach der Amtsübergabe gewesen. Aber auch da waren die Neuwahlen nicht nütig, so The Nosemonkey, schießlich wurde die Labour Party vor zwei Jahren ja bereits unter dem Wissen, dass der Amtsinhaber nach Mitte der Legislaturperiode wechseln würde, gewählt. Von einer €žgroßen Schwäche und Unentschlossenheit€œ und dem Vorwurf, Brown habe einen €žerniedrigenden Rückzug€œ vollzogen, den der Parteichef der Konservativen, David Cameron, dem Amtsinhaber Brown macht, will The Nosemonkey nichts wissen.

Londons U-Bahn die Beste?

Annie Mole berichtet davon, dass Londons Öffentlicher Nahverkehr zum €žweltbesten€œ gewählt worden ist. Eine große Reise-Community namens TripAdvisor habe dazu eine Umfrage gestartet. Allerdings gibt Mole zu bedenken, dass die Menge von 800 Befragten nicht gerade repräsentativ sei. London räumt dabei den ersten Platz in den Kategorien Bestes Öffentliches Verkehrssystem, Sicherstes Öffentliches Verkehrssystem, Beste U-Bahn und Beste Taxis ab. Nur die Kategorie Sauberstes Öffentliches Verkehrssystem gewinnt Washington D.C. Mole scheint nicht wirklich einverstanden zu sein. Dass London nebenbei auch das teuerste Nahverkehrsystem habe, sei ja vielleicht, so es denn wirklich das beste sei, noch vertretbar. Ihr Gesamteindruck ist aber ein anderer: €žEin überbevülkertes, verspätetes, dringend reparaturbedürftiges, heißes und streikfreundliches Verkehrssystem, so weit es die Tube betrifft.€œ

Marie Naumann & Martin Stahlke