Raucher – Opfer einer neuen Normalität

Püff Püff steigen die kleinen grauen Rauchwülkchen langsam und geschmeidig in die Hühe. Ich sitze einfach nur da und schaue ihnen entspannt hinterher. Noch vor wenigen Tagen hat mich dieser Anblick gereizt und meinen Puls in die Hühe getrieben. Aber heute ist alles anders! Die Wülkchen und ich sind nämlich

klicke.jpgPüff Püff steigen die kleinen grauen Rauchwülkchen langsam und geschmeidig in die Hühe. Ich sitze einfach nur da und schaue ihnen entspannt hinterher. Noch vor wenigen Tagen hat mich dieser Anblick gereizt und meinen Puls in die Hühe getrieben. Aber heute ist alles anders!

Die Wülkchen und ich sind nämlich durch eine dicke Glasscheibe getrennt und während die Wülkchen vom Wind zerzaust und hinweg gefegt werden, sitze ich entspannt bei einem Cappuccino im warmen Café. UND ICH BIN NICHT ALLEIN! Der 1.Oktober 2007 hat mein Leben verändert. Vorbei die Zeit, wo einem der Nebenmann/frau ständig die dampfende Kippe unter die Nase gehalten hat (“Entschuldigung, aber wo soll ich denn sonst hinhalten?”), keine fingerkalten Teens mehr, die mit strengem Blick, abgespreizter Zigarette (Zeige- und Mittelfinger müssen stets gestreckt sein) und nervüsem Haarezupfen hinter einer Dunstwolke die eigene Unsicherheit verstecken. Keine gescheiterten Herren mehr am Tresen, die bei einem bitteren Pils und einer Packung Zigaretten stumm dem eigenen Leben hinterher trauern. Das hessische Rauchverbot hat wieder Normalität geschaffen. Feuer und Rauch bitte nur unter freiem Himmel.

Für Raucher ist dieser Zustand verständlicherweise unangenehm.

Sie müssen sich vor der Tür wie Ausgestoßene vorkommen. Sie sind tief gefallen! Die meisten hatten schließlich mit dem Rauchen angefangen, um dazuzugehüren. Zu einer bestimmten Clique, einem bestimmten Lebensgefühl, einer kommunikativen Klasse. Rauchergrüppchen sind stets von einer großen Solidarität geprägt. Raucher besprechen miteinander ihre Probleme, Raucher gehen aufeinander zu, Raucher helfen einander (“Kann ich mal eine schnorren? – Klar, DU immer”).

Zunehmend haben sich die Raucherzirkel sogar gegenüber den Nichtrauchern geüffnet. Zwar werden die “Mührchenknabberer” und “Apfelschroter” gelegentlich belächelt, aber man teilt mit ihnen gern jede der 20 Fünfminutenpausen am Tag. Nur Rücksicht üben, dass künnen Raucher scheinbar nicht. Der Drang zur Kippe ist stärker als die Einsicht, dass auch beim Qualm das Verursacherprinzip gilt. Die Argumentation, dass es doch jedem frei stünde, sich in der Nähe von qualmenden Rauchern aufzuhalten ist abstrus. Sie basiert darauf, dass eine Mehrheit bereit ist, das eigene Wohl zugunsten anderer hintan zu stellen.

Die Mehrheitsmeinung hat sich in den letzten Jahren jedoch verändert und mit ihr die Politik.

Das Image der Raucher hat sich gewandelt. Vor wenigen Jahren noch als cool, lässig, überlegen und stets “busy” angesehen, gelten Raucher in den Augen der Mehrheit heute zunehmend als soziale Verlierer, die nicht einmal Herr über den eigenen Kürper sind. Nichtraucher haben Oberwasser – die Überlegenen von einst, die mit einem falsch verstandenen Tolleranzbegriff vielen Nichtrauchern den Lungenkrebs ermüglicht haben, müssen nun zum Rauchen vor die Tür.

Spott ist dennoch nicht angebracht. Rauchen ist eine Sucht und Süchtige brauchen eher Hilfe, denn Strafe. Aber das wissen viele Nichtraucher bereits. Während ich meinen Cappuccino trinke und dem blonden Mädchen beim Rauchen zusehe, gesellt sich plützlich deren nicht rauchende Freundin zu ihr und leistet ihr Gesellschaft, bevor sie gemeinsam auf einen Kaffee zwei Tische weiter Platz nehmen.
Auch Nichtraucher haben offenbar eine soziale und kommunikative Ader.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Ich bin Raucher. Raucher sind schon längst eine Minderheit. Zumindest in den meisten europäischen Ländern. Zweifellos ist es sinnvoll das Nicht-Rauchen zu fürdern. Allerdings hat auch eine Minderheit Rechte in einer freiheitlich pluralistischen Gesellschaft. Nichtrauchergastronomie sollte die Regel sein, Rauchergastronomie jedoch in eingeschränktem Maß ebenso. Eine Quotenregelung wäre eventuell sinnvoll. Nur ausgewählte Lokale mit entsprechenden Belüftungseinrichtungen sollten eine Art Raucherlizenz erhalten. Auch Raucher schätzen saubere Luft. Was spricht dagegen jedem 10. Lokal eine Raucherlizenz zu erteilen?
    Nichtraucher sind doch sowieso schon die grossen Gewinner. Sie leben länger, schmecken mehr, riechen besser, küssen besser, sind fitter, haben mehr Geld, etc..
    Eine kleine rauchende Minderheit sollte man sich als Nichtraucherstaat schon leisten, denn wenn man sonst schon keine Freude hat kann man sich dann ja immer noch an den unverbesserlichen dumpfbackigen uncoolen nixblickenden Rauchern aufrichten.