Die Quoten von Johannes B. Kerners Talkrunde am gestrigen Abend waren nicht von schlechten Eltern. Denn schon im Vorfeld sorgte der angekündigte Gast für einigen Wirbel. Die Ex-Tagesschau-Sprecherin Eva Herman wurde aufgrund ihrer umstrittenen Aussagen zu ihrem neuen Buch “Das Prinzip Arche Noah” am 11. September erst aus- und jetzt wieder eingeladen.
Gestern Abend sollte sie ihre Chance auf Rehabilitation erhalten – so versuchte es zumindest Johannes B. Kerner im Verlauf seiner Sendung zum Thema “Rollenverteilung von Mann und Frau” immer wieder darzustellen. Ausführlich sollte sie Stellung beziehen künnen. Ausreden lassen wollte man sie diesmal. Und, das schien am wichtigsten: Eindeutige Aussagen sollten her, ein Eingeständnis wurde eingefordert, hüren wollte man von Frau Herman, dass sie mit ihrer viel beachteten Aussage zu der Familienpolitik im Dritten Reich einen Fehler begangen habe.
Fliegende Fetzen wurden also schon erwartet
Gebannt saß der Zuschauer deshalb ab 22.45 Uhr vor seinem Fernsehgerät und harrte der Dinge, die schon kurz zuvor durch die Presse ratterten: “Johannes B. Kerner schließt Eva Herman aus seiner Sendung aus”. So wird also ein mittlerer Eklat angekündigt. Was sich dann jedoch im Studio abspielte, glich eher einer schlechten Comedy-Sendung, als einer ernsthaften Auseinandersetzung. Die Gäste waren wohl kalkuliert und die vermeintliche Intention dieser Sendung, Eva Herman zu Wort kommen zu lassen und sich zu erklären, damit von vorneherein in Frage gestellt.
Konnte sie einer solchen Übermacht überhaupt Paroli bieten? Ganz gleich, wie der geneigte Zuschauer über ihren Hang zum Konservativen oder aber über ihre unüberlegte Verwendung stigmatisierter Begriffe denken mag, ganz fair ging es am gestrigen Abend nicht zu.
Welt.de brachte deshalb heute morgen auf den Punkt, was viele Zuschauer empfanden: “Die Talkshow (hatte) den Charakter einer üffentlichen Hinrichtung“. Die Redaktion habe die Spielregeln der Fairness über Bord geworfen. Antje Hildebrandt stellt in ihrem Artikel zu Recht folgende Fragen. “Hat ein Moderator im üffentlich-rechtlichen Fernsehen das Recht, einen Gast aus der laufenden Sendung zu werfen, weil ihm dessen politische Gesinnung nicht passt?” Oder als Gegenfrage formuliert: “Hat Johannes B. Kerner verantwortungsvoll gehandelt, wenn er Eva Herman nach 50 Minuten davor bewahrte, sich noch tiefer in das Dickicht ihrer wirren Thesen um das Ideal der Mutter als Milchkuh zu verstricken?”
Denn da sitzt nun ein Moderator, gut bekannt mit Eva Herman und wissend, dass sich diese durch ihr Engagement gegen Rechts schon seit Jahren hervor tut. Johannes B. Kerner sollte sich auch vollends bewusst sein, dass Herman bereits rechtliche Schritte gegen ihre Bejubelung von Rechts eingeleitet hatte. Dennoch lässt er nicht davon ab, die Ausführungen seiner Ex-Kollegin ständig zu unterbrechen. So wird auch hartnäckig nachlegt, wenn die Diskussion einen Konsens zu erreichen droht. Zum Beispiel mit einem Alfred Rosenberg-Zitat, NS-Chefideologe, das frappierende Ähnlichkeiten mit ihren Äußerungen aufzuweisen scheint. Und da sind noch weitere Gäste an Bord, die durch ihr Gebaren während des knapp 50-minütigen Auftritts der stets gefassten Blonden, den Eindruck erweckten, dass es ganz gleich sei, was Frau Herman zum Besten gibt – eine Meinung schien schon vorher zurechtgelegt.
Ob Schauspielerin Senta Berger oder gar Comedy-Sternchen Mario Barth an diesem Abend zum Gelingen der Runde beitrugen, scheint mehr als nur fraglich.
Erstere gab zumindest unverhohlen zu, die Hermanschen Bücher nicht gelesen zu haben. Was sie jedoch nicht daran hinderte umso nachdrücklicher jegliche Aussagen der Autorin mit knappen Statements ins Lächerliche zu ziehen und jedwede These durch eigene Erfahrungen aus ihrem Leben in der Zeit um 68 oder eigene Beobachtungen der heutigen Situation in Deutschland zu untermauern. Doch solch mangelnder Respekt ihrem Gegenüber, verbunden mit der Drohung, die Sendung zu verlassen, zeugen nicht gerade von gutem Stil. Da ist es irrelevant, ob das Publikum ihre Ansichten teilt oder eben nicht.
Mario Barth gab keine bessere Figur ab. Seine Erzählungen über seine mit Sicherheit glückliche Mutter, die insgesamt sechs Sühne groß zog und in der väterlichen Gastronomie mit einsprang, trugen wenig zur anhaltenden Diskussion bei. Wie stand es aber mit der Dritten im Bunde? Margarethe Schreinemakers, selbst diplomierte Soziologin und ebenfalls medial gebeutelt, versuchte wenigstens zeitweise hinter die teils zugegebenermaßen unglücklich gewählten Aussagen zum Thema “Mütter zu Hause” von Eva Herman zu blicken. Doch stellt sie dann
zum Beispiel nüchtern fest, dass etwa der Deutsche Hausfrauenbund bereits 1978 ein Gehalt für Hausfrauen forderte. Da müsse nicht erst Eva kommen. Aber auch sie ließ sich im Laufe der Sendung vom politisch korrekten Pathos anstecken und verfiel schließlich in wilde Entrüstung, als Herman erneut einen nicht ganz sauberen Vergleich zu deutschen Autobahnen zum Besten gab. “Das ist unerträglich!” Wie kann sie nur, so der einmütige Tonus. Immer wieder Aufschreie – Gejohle aus dem Publikum.
Wie wäre es hier mit vernünftigen Argumenten und respektvollem Umgang gewesen? Auch der eingeladene Berliner Historiker Professor Wolfgang Wippermann konnte die Situation nicht mehr retten. Zwar gab er recht fundierte Einblicke in das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, ließ jedoch Hermans Argument, ihre Aussagen wären aus dem Zusammenhang gerissen worden und die Interpretation derselben beruhten deshalb auf einem Missverständnis, nicht gelten. Er brüstete sich jedoch damit, Hermans Zitate zu den Familienwerten im Dritten Reich gerne auch mal als Examensfragen heranzuziehen.
Nach fast einstündiger Schlacht muss sich die Moderatorin geschlagen geben.
Mit den Worten “Ich entscheide mich für die anderen drei Gäste und verabschiede mich von Eva Herman”, verwies Kerner sie aus dem Studio. Die Fronten blieben verhärtet und Teile der Medienlandschaft sehen sich heute morgen dazu veranlasst, erneut das vorherrschende Bild einer Frau zu festigen, die vor 2,65 Millionen Fernsehzuschauern nicht einmal eine Chance bekam sich zu verteidigen. Doch eines wurde zumindest erreicht. Die Gesprächsrunde verzeichnete absoluten Quotenrekord. 18,1 Prozent Marktanteil. Immerhin die hüchste Einschaltquote des laufenden Jahres. Die Diskussion in den kommenden Tagen wird zeigen, wie Fernsehdeutschland über solche Gebaren denkt.
Eva Herman jedenfalls konnte von vorneherein dieser Übermacht weder emotional noch intellektuell viel entgegenhalten. Die Sendung erweckte damit den Eindruck einer geplanten Inszenierung und Herzrasen hat diese deshalb nicht nur bei Margarethe Schreinemakers hinterlassen. Vielleicht künnte an dieser Stelle am besten mit einem Zitat von Karl Kraus geschlossen werden, das schon spiegel.de in seiner heutigen Auseinandersetzung mit diesem “programmierten Eklat” verwendete: “Was trifft, trifft auch zu.”
- Deutschland in 2000 Jahren – Ein Kommentar
- Hurra, Hurra, Eklat!
- Marktgängige Moral – Eva Herman fliegt
- Eva Herman: Die NPD hat eine neue Heldin
- NDR-Moderatorin Eva Herman: Anmerkungen zu einer Entlassung
- Und es geht doch: Selbstbewusste berufstätige Frauen
Hier hat die ZENSUR gefuhrwerkt!
Josef Stalin, wir grüßen Dich!
Sobald ein Kommentar der oberen Führung nicht gefällt,
wird offensichtlich “genullt”.
Immerhin, die “Buergerzeitung” hat noch wenig Erfahrung damit,
wie man das “durchziehen” muß, damit es nicht auffällt.
Aber, bald wird sie SPIEGEL- und Stern-nivea haben,
wie alle lizenzierten und IN der BRd zugelassenen sonstigen Medien auch.
Schalom allerseits, und ein herzliches bon tov dazu.
Turbo