Als Weblin unterwegs. Drei Interviews.

Ohne das Haus zu verlassen, machte sich die Autorin als €žWeblin€œ auf den Weg und interviewte andere Weblins. Unterwegs traf sie eine Mutter zweier Kinder, einen Banker und einen selbstständigen IT-Fachmann. Es mutete an wie im realen Leben. Außerdem sprach sie mit Christine Stumpf (Mitgründerin des Weblin). Das Interview lesen

mthie.jpg Ohne das Haus zu verlassen, machte sich die Autorin als €žWeblin€œ auf den Weg und interviewte andere Weblins. Unterwegs traf sie eine Mutter zweier Kinder, einen Banker und einen selbstständigen IT-Fachmann. Es mutete an wie im realen Leben. Außerdem sprach sie mit Christine Stumpf (Mitgründerin des Weblin). Das Interview lesen Sie hier.

Interview mit €žmthie€œ (IT-Fachmann)

AR: Hallo, darf ich Sie ansprechen? Ich bin Journalistin und müchte einpaar Fragen stellen.
mthie: Ja, bitte.
AR: Warum nutzen Sie dieses “niedliche” Feature hier im Netz?
mthie: Warum es die Leute benutzen, erfährt man natürlich nicht, in dem man direkt fragt, sondern die Leute einfach reden lässt. Ich benutze es, weil es eine interessante Technik ist, die da hinter steht.
AR: Was bringt Ihnen der Weblin für einen Nutzen?
mthie: Oh Sprechblasen? Nehmen Sie lieber das Chatfenster, das ist einfacher und der Chatlog auf Ihrem Rechner wird Ihnen da auch helfen. Nutzen? Eigentlich gar keinen… Es macht einfach nur Spaß damit unterwegs zu sein.
AR: Warum haben Sie dann mit einem Icon zu Ihrer Website verlinkt, wenn es keinen Nutzen bringt?
mthie: Weil ich einfach mal testen wollte, wie es ankommt.
AR: Haben Sie neue “soziale” Kontakte “geschlossen” durch den Weblin?
mthie: Puh, ob nun “sozial” oder nicht weiß ich nicht, aber inzwischen hab ich doch einige gute Kontakte geschlossen, ja.
AR: Ist es mit zunehmender Akzeptanz der Leute auch zunehmend schwierig ungestürt zu surfen?
mthie: Nein, ungestürt surfen kann man damit immer noch. Wenn man nicht gestürt werden müchte, kann man z.B. alle Weblin’s minimieren oder einfach den Raum, der hinter dieser Website steht verlassen. Man gewühnt sich auch einfach dran, die Sprechblasen zu ignorieren.
AR: Glauben Sie, dass sich dieser Weblin als fester Bestandteil im Web durchsetzen wird?
mthie: Na ja, einen Blick in die Glaskugel würde ich jetzt ungern werfen, aber ich denke schon, dass es einen interessanten Aspekt der Web-2.0-Welt darstellt.
AR: Ist Ihnen aufgefallen, dass schon jetzt in so junger Bestehenszeit, Missbrauch mit dem Weblin betrieben wird? (anrüchige Bilder, anrüchige Sprüche, Belästigungen etc)
mthie: Nein, so was hat es schon immer gegeben. Es begegnet uns doch im Offline- Leben auch häufiger, dass sich Menschen nicht zu benehmen wissen, und da schaffen wir es auch, entsprechend drauf zu reagieren. Warum sollte das bei Weblin anders sein? Außerdem haben wir mit Weblin noch einfacher die Müglichkeit, diese Leute zu ignorieren bzw. an Zweitgeist zu verpetzen, die dann entsprechende Maßnahmen einleiten.
AR: Ich habe einen Screenshot von Ihnen gemacht. Ist ja fast wie “im echten Leben”
mthie: Fast, ja.
AR: Müchten Sie das Foto *g* haben?
mthie: Och, nicht nütig… Ich warte auf den Artikel :)
ok ;-) ) Dann bedanke ich mich für das nette Interview und Ihre Zeit und “man sieht sich” bestimmt, im Web.

madlen.jpg Interview mit €žMadlen€œ (Mutter)


AR:
Hallo Madlen, darf ich eine Frage stellen? Ich bin Journalistin.
Madlen: Schieß einfach los.
AR: Kannst Du bitte auf eine andere Seite mit mir kommen, wo weniger los ist?
Madlen: Aha, ok, ich versuch es mal.
AR: Warum benutzt Du Weblin?
Madlen: Weil man mehr Menschen kennen lernen kann.
AR: Darf ich fragen wie alt du bist?
Madlen: Ich bin 24.
AR: Kannst du im “wahren Leben” keine Menschen kennen lernen?
Madlen: Doch, aber ich komm kaum dazu wegen meinen Kindern.
AR: Dürfen Deine Kinder auch im Netz surfen?
Madlen: Sie sind erst zwei Jahre und die andere drei Monate.
AR: Da bleibt wirklich wenig Zeit für soziale Kontakte. Aber hast du nicht Angst, an Betrüger zu geraten oder belästigt zu werden oder ähnliches?
Madlen: Nein, man kann Leute ablehnen, wo man merkt das sie verkehrt sind oder einem nicht passen.
AR: Du hast Dein Profil sehr offen, und man kann Deinen vollen Namen lesen. Ist das nicht gefährlich?
Madlen: Oh, na dann werde ich es mal ändern im laufe des Tages. Danke.
AR: Findest du das zu offen, wenn man alles lesen kann?
Madlen: Ja, nicht das einer mal vor der Tür steht. Am besten nur Abkürzungen.
AR: Bist du verheiratet? Darf ich das fragen?
Madlen: Nein, ich bin verlobt, aber wir haben vor zu heiraten.
AR: Was hält Dein Partner von Deinen Weblin- Ausflügen?
Madlen: Moment, mach schnell meine Tochter sauber.
AR: ok ;-)
Madlen: Er macht selber so was. Und er findet es schün neue Leute kennen zu lernen.
AR: Geht ihr denn auch mal aus? Habt ihr auch reale Freunde?
Madlen: Ja, wir haben reale Freunde und mit dem ausgehen, sehr schlecht wenn man Kinder hat.
AR: Wie “fühlt sich” das an, wenn man “seine Seele€œ so zu sagen “in€œ einen Weblin legt? Ist das anders als in einem “normalen Chatroom”?
Madlen: Nein, ich merke kein Unterschied. Das ist wie im normalen Chatroom, nur hier mit Figur bei Weblin. Ich künnte in einem anderen Chatroom chatten, aber der Nachteil ist, dort musst Du in dem Raum bleiben und bei Weblin kannst Du jede Internetseite besuchen und kannst trotzdem weiter schreiben.
AR: Beeinflusst Weblin Dein Surfverhalten oder gar Dein Leben?
Madlen: Nein, das tut es nicht.
AR: Ich bedanke mich für Deine Zeit und das Gespräch.

Thomas.jpg Interview mit €žThomas.Wf€œ (Banker)


AR:
Ich bin Journalistin und würde Dich gern über Deine Benutzung von Weblin interviewen. Hast du Zeit für ein paar Fragen?
Thomas.Wf : Ich konfiguriere einen PC neu aber ist das Dein Ernst? Willst Du einen Artikel schreiben?
AR: Das ist mein voller Ernst. Und ich habe einen Screenshot von “uns zwei” gemacht. Darf ich das verwenden für den Artikel?
Thomas.Wf :ne schon klar. Fang erst mal an. wir sehen dann weiter. Bild, OK.
AR: Wie oft hast Du gechattet auf Plattformen wie MSN oder ICQ, bevor es Weblin gab?
Thomas.Wf :Seit Juni 2007. Vorher nur über ICQ, aber eigentlich nur mit Bekannten. Hier sieht das, wie Du merkst, anders aus.
AR: Warum hast Du dir einen Weblin zugelegt?
Thomas.Wf :Ich hab einen Artikel über Weblin gelesen und einfach mal probiert. Mittlerweile bin ich mit 6 Weblin’s unterwegs aber ich will damit niemanden irgendwie schaden!!!!!!
AR: Dazu braucht man zwei Profile, der Sinn soll laut Zweitgeist doch sein, dass man die Realität abbildet, dann bist Du ja doch nicht Du?
Thomas.Wf : Warum kann man 3 Charaktere wählen, wenn man nur die Realität abbildet, dann braucht man doch nur einen, oder?
AR: Ok. Bist du sehr aktiv? Und wenn, kostet Dich das sehr viel Zeit, die Du sonst anders verwendet hast, vor Weblin?
Thomas.Wf : Stimmt, Suchtgefahr.
AR: Ganz speziell bei dir?
Thomas.Wf : Ne, ich glaub, hier gibt’s Weblin’s, die sind Tag und Nacht hier.
AR: Was bringt Dir Deine aufgewendete Zeit mit einem Deiner Weblin’s?
Thomas.Wf :Nix Materielles. Man lernt Leute kennen, unterhält sich, viele Dinge sind vüllig belanglos deshalb ziehe ich den privaten Chat vor.
AR: Ist das dem realen Leben ähnlich?
Thomas.Wf : Ich unterhalte mich gezielt und habe da mittlerweile 3 intensivere Kontakte, genau das ist es doch. Hier gibt es keine Hemmschwelle, jemanden anzusprechen und man redet mit den Leuten vüllig unabhängig von Aussehen, Hautfarbe, Nationalität, also ohne Vorurteile.
AR: Wie ist das dann aber, wenn die “Lust kommt” sich ganz real kennen zu lernen. Bleiben die Vorurteile weiter außen vor, auch wenn ein Avatar plützlich farbig ist, oder Buddhist, oder alt, oder was auch immer?
Thomas.Wf : Da zeigt sich dann jeweils der wahre Mensch.
Man sollte sich im Klaren sein, dass das Gegenüber gar nicht dem Bild entspricht, was man sich im Kopf macht. Dabei spielen die Avatare eine große Rolle.
AR: Welche Rolle spielen sie bei Dir?
Thomas.Wf : Man muss damit umgehen künnen, dass die Realität ganz anders aussieht, ich bin da nicht anders als alle anderen Menschen.
AR: Also bildet Weblin am Ende doch nicht das reale Kennlernverhalten ab, wie Zweitgeist das angedacht hat?
Thomas.Wf : Auf keinen Fall. Man macht sich nur positive Bilder von dem Gegenüber.
AR: Wärst Du enttäuscht, wenn Dein positives Bild im realen brückeln würde, beim Kennen lernen?
Thomas.Wf : Also zur Partnersuche ist Weblin sicher nicht geeignet, wer auf Frauen- oder Männerfang ist, der ist hier falsch.
AR: Welchen “gesellschaftlichen Nutzen” siehst Du in Weblin (kein Kommerz gemeint)?
Thomas.Wf : In erster Linie, wenn man das elende Gelaber weg lässt, in dem man sich gegenseitig hilft.
AR: Hilft wobei?
Thomas.Wf : egal, ich hab da schon einige Sachen erlebt. Steuern, oder gut zureden, wenn man an sich zweifelt oder Tipps geben im täglichen Leben, breites Feld.
AR: Also soziale Funktionen in dem Moment wo man allein am PC sitzt?
Thomas.Wf : Ja, kommt sicher auch auf den jeweiligen Typ an, da sind auch ganz €žFiese€œ unterwegs.
AR: Wird Weblin ein fester Bestandteil Deines sozialen Lebens im Netz werden?
Thomas.Wf: Zurzeit ja, aber auf Dauer, weiß ich noch nicht. Man kann sich da endlos verzetteln und kommt dann zu nix mehr.
AR: Glaubst Du es ist eher etwas für die “jungen Hüpfer” oder auch für jedes Alter?
Thomas.Wf: Egal, der schreiben und denken kann, für Alle.
AR: Letzte Frage: Was machst Du beruflich?
Thomas.Wf : Ich bin Banker.

AR: Ich bedanke mich für das Interview.

Screenshots: Autorin

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