“4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage” – ein Film von Cristian Mungiu

Freundschaft und Unterstützung sind sehr kostbare Dinge in unserem normalen täglichen Leben. In einer repressiven Umgebung, in der ein Fehltritt Gefängnisaufenthalt oder schlimmeres verursachen kann, ist das häufig der einzige Weg, um zu überleben. “4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage”, Gewinner der goldenen Palme in Cannes, handelt von einem solchen

mungiu.jpgFreundschaft und Unterstützung sind sehr kostbare Dinge in unserem normalen täglichen Leben. In einer repressiven Umgebung, in der ein Fehltritt Gefängnisaufenthalt oder schlimmeres verursachen kann, ist das häufig der einzige Weg, um zu überleben. “4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage”, Gewinner der goldenen Palme in Cannes, handelt von einem solchen Band zwischen zwei jungen rumänischen Studentinnen, die in Momenten der Krise füreinander da sind – in diesem Fall eine illegale Abtreibung, in aller Heimlichkeit durchgeführt, wo Gefahr zu jeder Zeit eine heimtückische Präsenz hat, eine Warnung an all jene in unserem eigenen Land, die sich wünschen Roe vs. Wade zu kippen.

An den Stil der Dardenne-Brüder mit seinen Nahaufnahmen und handgeführten Kameras erinnernd, ist der Film meistens unaufdringlich und Schlüsselereignisse vollziehen sich abseits der Kamera (mit einer krassen Ausnahme); dennoch ist es ein sehr anspruchsvoller Film, kraftvoll gespielt und vollkommen überzeugend, so kompromisslos wie kein anderer Film, den ich kürzlich gesehen habe.

Versetzt in das Rumänien im Jahr 1987 während der letzten Tage des Ceausescu-Regimes, vermittelt “4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage” eine durchdringende Düsterkeit, die die Sterilität des Lebens in Osteuropa zu dieser Zeit noch unterstreicht. Falls es dort im Rumänien der späten 80er eine heitere und glückliche Seite des Lebens gegeben haben sollte, hier wird man sie nicht finden.

In den ersten 30 Minuten wird von zwei Studentinnen in einem Wohnheim in Bukarest, das aussieht wie das Innere eines Hotels, das für den Abriss vorgesehen ist, Vorbereitungen für ein nicht näher erläutertes Event getroffen. Gabita (Laura Vasiliu), eine der Mitbewohnerinnen, schickt eine weitere namens Otilla (Anamaria Marinca) los, um Dinge, wie Zigaretten, Seife und Pflegeprodukte zu besorgen und sich Geld von Freunden zu borgen, wir erfahren jedoch nicht wofür dieses Geld bestimmt ist.

Diese zwei Frauen sind sehr verschieden.

Gabita ist passiv, fast schon hilflos, während Otilla mehr selbstbewusst und extrovertiert ist, obwohl sie ebenso zurückhaltend ist, wenn es darum geht ihre Gefühle zu zeigen.

Mungiu zeigt uns die Welt, in der die Mädchen leben nicht, ebensowenig wie die Umstände, die Gabita zu dieser drastischen Entscheidung einer Abtreibung brachten. Es wird einfach vorgegeben. Als sich offenbarte, das Gabita schwanger ist und nach einer Abtreibung verlangt, ist es die aggressivere Otilla, die die Arrangements trifft. Als sie versucht ein Zimmer in einem der vorgeschlagenen Hotels zu buchen, wird Otilla durch kalte, bürokratische Beamte, die handeln als kämen sie gerade aus eine Krankenhaus, in dem sie Lazarescu erwarteten, vereitelt. Gabitas Fehlschlag die Hotelreservierungen zu bestätigen bedeutet, dass sich Otilla nun um ein drittes Zimmer, das nicht auf der Liste steht bemühen muss. Als sie auf Bebe (Vlad Ivanov), den illegalen Engelmacher trifft, ist dieser beunruhigt, dass sie anstelle von Gabita kommt und noch verzweifelter als er erfährt, dass keines der beiden Hotels, das er vorgeschlagen hatte, gebucht worden ist.

Eine Szene außerhalb eines Gebäudes in welcher Bebe seine betagte Mutter beschimpft, verursacht in Otilla noch mehr Unbehagen, und das anschließende Treffen zwischen den beiden Frauen und dem Abtreiber ist voll von Bedrohungen, tyrannischen Taktiken und Fragen nach mehr Geld. Als der schmierige Abteiber entdeckt, dass Gabita keine zwei Monate schwanger ist, obwohl sie das sagte, sondern dass sie bereits im vierten Monat, drei Wochen und zwei Tagen ist, erhüht er den Einsatz. Zynisch zitierend, welche Risiken er eingeht und das diese in einem langen Gefängnisaufenhalt enden künnten, wenn er das tut, erklärt sich Bebe nur damit einverstanden die Abtreibung vorzunehmen, nachdem beide Frauen zügerlich zustimmten Sex mit ihm zu haben.

Während in ihr das Gefühl von Unruhe hochsteigt, lässt Otilla Gabita allein in ihrem Hotelzimmer zurück gestützt durch zwei Kissen, unfähig sich zu bewegen, um ein Versprechen an ihren Freund Adi (Alex Potocean) einzulüsen und die Geburtstagsparty von dessen Mutter zu besuchen. Otilla ist missmutig und unkommunikativ und die Konversation unter den Familienmitgliedern geht weiter und weiter und lässt sie sich mehr und mehr isoliert fühlen. Ein Verwandter kritisiert ihre Frage nach einer Zigarette und verfällt in eine Rede über die Verfehlungen der jüngeren Generation als Otilla nach einem Grund sucht, um zu verschwinden.

Als der Film sich zu einem spannenden Ausgang wendet, hat die fast unerträgliche Spannung viele in der ausverkauften Vorführung aufgewühlt und unbequem in ihren Sitzen zurückgelassen. Obschon “4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage” die gewaltsame Natur des sozialen Systems und seiner Gesetze schildert, wendet er sich nicht polemisch gegen den Kommunismus oder illegale Abtreibungen; es geht mehr um die Würde zweier Frauen, Freundinnen, die willig sind Risiken einzugehen und sich füreinander aufzuopfern ohne dafür eine Belohnung oder nur ein Dankeschün zu erwarten.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf OhmyNews. Die Übersetzung und Verüffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von OhmyNews.

Hier ein Ausschnitt des Films mit einer der Schlüsselszenen (englischer Untertitel):

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