Tausend Stimmen zur Umwelt - Bürgerjournalismus weltweit
Gestern war Blog Action Day – der Tag, an dem sich Blogs aus aller Welt einzig dem Thema Umweltschutz widmeten. Auf dem American Chronicle schreibt Kevin Stirtz in einer Würdigung des Projekts: „Die Kraft hier liegt in der Unterschiedlichkeit, der Leidenschaft und der Energie […] Die meisten Blogger, die hier schreiben, sind keine Umweltaktivisten oder Journalisten. Also werden wir, wieder einmal, eine neue Perspektive in die Diskussion bringen können, wie wir die Umwelt schützen können.“ Weshalb es so wichtig ist, dass wir, also jeder einzelne, sich um Umweltschutz bemüht, schreibt Eish und fragt: „Blog Action Day – Sollen wir uns darum kümmern?“
Fast 20.000 Blogs
19.974 Blogs haben sich registriert für dieses weltweite Umweltprojekt, darunter auch Riesen wie Google Blogs und der YouTube Blog, mit vielen grünen Videos - zum Beispiel auch diese verträumte Animation:
Aus Afrika
Unmöglich ist es, alle Blogs zu sichten. Juliana Rotich hat einige der afrikanischen auf Global Voices zusammengetragen. So gibt sie Beispiele aus Kenia, wo Afrigadget zu Kunst und Müll postet, es auf der Kenya environment news einen Beitrag zu Umweltschutz und Armut gibt, und Rob zum Zusammenhang zwischen der Darfur-Krise und dem Klimawandel schreibt. Eine Serie kündigt Roy von Carbon Copy an, bis Freitag wird er „grün“ schreiben, Turbosprout bietet eine Zusammenfassung von grünen Blogs an, es gibt Seiten mit Tipps (Flint.za) und einfach auch Schwärmereien über die Natur Südafrikas und der Bitte, sie so zu erhalten.
„Meine Stimme unter Tausenden“ schreibt aus Nigeria Ornodudu:
„Wir verlangen, dass die Ölgesellschaften in dem Nigerdelta von Nigeria unser Land und unsere Leute mit Respekt behandeln“. Dem kann man zustimmen und das gepostete Photo lässt nachdenklich werden.
Und aus dem Rest der Welt…
Über die Schäden, die der Klimawandel auf Vögel hat, postet auf dem Migrations-Blog der Ornithologe Dan von der Cornell Universität, über das illegale Abholzen von Wäldern wiederum blue dreamer.
Verschiedene Tipps, wie wir unseren Planeten schützen können, gibt JobMob, darunter über eine sinnvolle Gestaltung des Arbeitsplatzes, (nutzen Sie z.B. natürliches Licht!), nutzen Sie Akku-Betriebene Elektrogeräte und eine solarbetriebene Jacke, mit der Handy und I-Pod aufgeladen werden. Wenn man Dinge dann wegwerfen möchte – dann sollte man erst mal auf die Seite von dumb little man gucken, dort findet sich eine Liste von Dingen, die man recyclen kann… Teppiche zum Beispiel. Auf Agoravox schreibt BusinessKnowsMoreMedia, der zwar stolz ist zu recyceln und auch sonst angibt ein umweltbewusstes Leben zu führen, dass er oft mit seiner Ideologie an den Preisen scheitert – zehn Dollar für eine kleine Flasche Saft sind ja auch wirklich viel. Und diese heftigen Preise führten letztendlich, so betont er, zu Aktionen, die vermutlich nicht im Sinne des Käufers sind: So sei die Kette Bodyshop, die sich dem fairen Handel und der Umweltbewussten Produktion verschrieben hat, vor Kurzem an L’Oreal verkauft worden – die unter anderem nicht auf Tierversuche verzichten können.
Nicht Tiere, aber dafür den Himmel adoptieren (je eine Quadratmeile) kann man auf AdopttheSky.org, wo man dann auf dem eigenen kleinen Himmelsfleck seine Meinung über saubere Luft kundtun kann.
Stand up and Speak out!
Die Liste der Blogs zum Action Day ist lang – nicht alle haben gepostet, doch die Verschiedenheit der Posts, die von einem Bild von Mülltonnen in Prag reichen über Tipps zum grünen Reisen in Neuseeland und Überlegungen einer Bloggerin, die sich dem Stricken, Spinnen und anderen Textilien verschrieben hat und jetzt überlegt, wie man die Umwelt schützen kann, machen vor allen Dingen eines: Spaß, sie sich anzugucken – und zu entdecken, dass es so etwas wie eine „grüne“ Gemeinschaft geben kann.
Und es folgt gleich der nächste – allerdings webfernere - Aktionstag: Heute und morgen Abend heißt es „Steht auf!“ gegen Armut.












Marc Scheloske
Umfassender Artikel, der einen guten Überblick über die vielen verschiedenen Beteiligten und die vertretene Bandbreite gibt. Und die Feststellung, daß die je individuelle Akzentsetzung der Postings der eigentliche Wert der Aktion ist, ist sicher zutreffend.
Auffallend ist freilich, daß die Resonanz im deutschsprachigen Raum recht minimal war. Ich habe mir selbst dazu einige Gedanken gemacht und erlaube mir hier den Linkverweis.
Umweltschutz, Kampf gegen Armut, Menschenrechte… » Strategien der Mobilisierung und die Inflation medialer Good-Will-Kampagnen | Werkstattnotiz XVII | Wissenswerkstatt
[…] Thomas Pleil hat sich ebenfalls an einem Vergleich der beiden Aktionen versucht… nachzulesen hier. [↩]Einen guten Überblick über die verschiedenen Varianten der Beteiligung gibt u.a. Marie Naumann hier in der ReadersEdition. [↩]Die kaum verwunderliche Kritik an der Aktion ist ebenfalls in Birgits Blog gut nachzulesen; hier äußert sich "creezy" folgenderweise: "Ehrlich gesagt packen mich solche Aktionen genau nicht, weil sie rein gar nichts bewirken. Mitmachen kann jeder, der Spaß daran hat. Nichtmitmachen kann jeder, der darin wenig Sinn sieht. Warum soll ich ausgerechnet zum 15.10. zum Thema Umwelt bloggen? Nur weil mich einer zum Schaf einer ganzen Herde machen will?" [↩]Der heutige Aktionstag fand im Rahmen der übergreifenden "Milleniumsaktion" der UN statt. [↩]Darüberhinaus ließe sich auch fragen, ob man für den aktuellen Aktionstag nicht den Verweis auf den G8-Gipfel hätte rausschneiden können. [↩]Und auch am heutigen Aktionstag sind Blogposts, die sich mit der Kampagne befassen oder zum Mitmachen aufrufen, so gut wie nicht zu finden. Ausnahmen sind hier und hier nachzulesen. Und ein kritischer Kommentar steht hier. [↩]Aber es wäre vermutlich einmal zuviel um die Ecke gedacht, wenn man die These aufstellt, daß das offensichtlich dilettantische Vorgehen dadurch zu verstehen ist, daß man die Blogszene eben nicht "belästigen" wollte? [↩] […]