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Klimawandel

Wanted: Wachsender Gletscher!

Mittwoch, den 17. Oktober 2007 um 16:07 Uhr von Georg Hoffmann
Das McCarty-Gletscher nach knapp 100 Jahren. Photo: Wikipedia. Lizenz: GNU

Es ist allgemein bekannt: Gletscher sind Paradebeispiele des ablaufenden Klimawandels. Ihr globaler Rückgang unterstreicht augenfällig, was Thermometer nur trocken messen. Das World Glacier Monitoring Programm der Universität Zürich ist ein guter Startpunkt, um das Ausmaß dieses Rückgangs abschätzen zu können. Gletscher haben nämlich über das Augenfällige hinaus auch einige reale Vorteile als Indikator des Klimawandels. Gletscher, die gut ausgewählt sind und somit nicht zu groß (somit zu träge) und nicht zu klein sind (also zu schnell), reagieren auf Zeitskalen, die für den anstehenden Klimawandel relevant sind, nämlich auf ca. einer dekadischen Zeitskala.

Gletscher liegen häufig in Regionen, in denen es keine anderen Temperaturbeobachtungen gibt, und füllen somit wichtige Lücken im globalen Beobachtungsnetz. Sie lassen bei ihren Vorstößen Moränen zurück, die mit unterschiedlichen Methoden datiert werden können. So arbeite ich mit dem Geographen Vincent Jomelli zusammen, der mittels 100.000ender von Messungen an Flechten bestimmt, wie alt die verschiedenen Moränen eines Gletschers sind. In dem Moment, in dem der Gletscher die vorher unter ihm begrabenen Steine freigibt, beginnen die Flechten zu wachsen und ihre Größe steht somit in Beziehung zum Alter der Moräne. Mit solchen und ähnlichen Methoden kann man also auch einen Eindruck von vergangener Klimadynamik und ihres Einflusses auf die Gletscher erhalten.


Figur 1:
Die hier gezeigten Lychen auf einem Grabstein, können benutzt werden um das Wachstum der Flechten zu eichen. So kann man dann schließen, dass Flechten, die auf Moränen wachsen und die eine ähnliche Größenverteilung wie die auf dem Grabstein haben, zu ungefähr demselben Zeitpunkt (hier 1906) ihr Wachstum begonnen haben. Eine neue und sehr interessante Methode um Moränen zu datieren.

Zwei Argumente gegen klimabedingten Gletscherschwund

Sei es wie es sei, wir leben also in einer Zeit verschwindender Gletscher. Von Skeptikern des Klimawandels werden in diesem Zusammenhang immer zwei Argumente vorgebracht. 1) Der Beginn des Gletscherrückgangs ist nicht identisch mit dem Beginn industrieller CO2 Emissionen und, wenn der Beginn nichts damit zu tun habe, habe der jetzige Rückgang eben auch nichts damit zu tun. 2) Es gibt aber den Gletscher xyz in Dondestan, der gerade im Wachsen begriffen ist.
Zu 1) lässt sich eigentlich nicht viel sagen, außer eines klaren: Doch. Es ist ein Zufall der Geschichte, daß der Beginn der industriellen Revolution ungefähr mit dem Ende der sog. Kleinen Eißeit zusammenfiel. Die Erwärmung in der ersten Hälfte wird von der Wissenschaft weitestgehend natürlichem Forcing (ansteigende solare Aktivität und sehr wenige Vulkanerruptionen) zugerechnet. Gletscher reagieren besonders empfindlich auf Temperaturschwankungen, wenn sie weit in die Täler vorgestoßen sind. Bei solchen Gletschern bringen kleine Temperaturschwankungen schnell eine große Gletscherfläche außer Gleichgewicht und zeigen in den Gletscherlängenkurven einen starken Einfluss. Doch der Gletscherrückgang geht in der zweiten Hälfte des 20ten Jahrhunderts unvermindert weiter, nun aber wesentlich von der weitergehenden und menschgemachten Erwärmung erzwungen. Hierbei ist der Zusammenhang eigentlich nie einfach: Temperatur hoch = Gletscher weg. Immer gibt es komplizierte Wechselwirkungen mit lokalem Klima und/oder mit der Gletscheroberfläche, die das ursprüngliche Signal verstärken oder dämmen. Zur Gletschermassenbilanz gehören natürlich insbesondere der latente Wärmefluß (sprich Sublimation) und die Akkumulation (sprich Niederschlagshäufigkeit und -menge) im sogenannten Nährgebiet des Gletschers. Es gibt auch über die regionale/globale Erwärmung hinaus andere Faktoren menschlichen Einflusses, die auf die Gletscher einwirken können. So liegen die Alpen seit über 100 Jahren inmitten der größten Industrieansammlung der Welt und Asche-geladene Niederschläge mögen sehr wohl die Albedo der Gletscher verringert und so Einfluss auf die Energiebilanz des Gletschers genommen haben

Kommen wir jetzt also zu Frage 2 und dem eigentlichen Anlass des Postings. Zuerst einmal ist klar, dass die klare Mehrheit aller Gletscher weltweit zurückgeht und dass das Argument gegen die Realität des ablaufenden Klimawandels an sich (“aber es gibt doch noch den Gletscher …”) genauso unfundiert ist, wie der Verweis auf irgendeine Temperaturmessreihe irgendwo in der Welt, die eben gerade nicht ansteigt. Trotzdem:

Wie viele Gletscher xyz in Dondestan, die trotz globaler Erwärmung vorstoßen, gibt es eigentlich noch?

Da es eine ganze Reihe anderer Faktoren (s.o.) gibt, die einen Gletscher beeinflussen können, ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass einige Gletscher noch weiter vorstoßen. Aber wie viele und wo? Die meisten dieser Ausnahmen sind Gletscher unter starkem marinen Einfluss und mit hohen Akkumulationsraten (deutlich mehr als 1 Meter). Hier können schon kleine Zirkulationsänderungen die Akkumulation schwanken lassen und jeden möglichen Anstieg der Abschmelzraten kompensieren.

Figur 2:

Zeitlicher Verlauf der Gletscherlängen einiger Gletscher aus Jan Oerlemans Science Paper 2005. Im Paper wurden insgesamt 169 Gletscher betrachtet und in einem vereinfachenden Ansatz zur Temperatur in Verbindung gesetzt. Hier sind einige Beispiele mehr aus dem IPCC TAR. Realclimate hat ebenfalls einen Artikel zum Thema globaler Gletscherrückgang veröffentlicht.

Zwei Beispiele zeigt Figur 2 aus einem Paper von Jan Oerlemans, welches in erster Linie versuchte, weltweit verteilte Gletscher zu nutzen, um den Temperaturverlauf der letzten ungefähr 200 Jahre zu rekonstruieren. Man kann in der Tat zwei Gletscher (den Franz Joseph Gletscher in Neuseeland und vielleicht den Nigardsbreen in Norwegen) erkennen, die entweder ihren Rückgang Ende des 20ten Jahrhunderts gebremst haben oder sogar vorgestoßen sind. In beiden Fällen wurden Niederschlagsvariationen dafür verantwortlich gemacht. Aber wie sieht es eigentlich weltweit aus? Wer kennt noch vorstoßende Gletscher und kann einen Link (am besten natürlich ein wissenschaftliches Paper, alles andere gilt aber auch) liefern, der diesen Vorstoß dokumentiert? Hier ist die offizielle Ausschreibung: Tod oder Lebendig – Vorstoßende Gletscher in den Zeiten der globalen Erwärmung. Reward: Namentliche Nennung auf Primaklima!

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Eine Reaktion zu “Wanted: Wachsender Gletscher!”

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  1. Arno Koehler

    am 22. Oktober 2007 um 14:33 Uhr | Link | Kommentar melden

    Schon bei Blog-Autor Gerhard Wisnewski und bei Broeckers las ich dazu.

    Wichtigster Punkt war dort bereits, daß CO-2 und Klimaschwankung mit einem zeitlichen Verzug zueinander genau umgekehrt proportional in der Geschichte waren, als von Al Gore, anderen windigen Katastrophen-Panik-Bereitern und der hiesigen Umwelt-Schickeria zugegeben.

    Tiefenbohrkerne aus Grönland und Antarktika belegen die unverantwortbare Panikmache, zulasten des Polit-Sprengstoffpreisträgers Al Gore. Windeier, wohin man schaut.

    Es fehlt noch: - mal wieder - eine Ozonlochkampagne, dumm, das die dies Jahr ausfällt, wie die geostationären und polaren Bahnen folgenden “Wetter”-Beobachtungssatelliten jüngst aufdecken.

    Weiterhin vermisse ich “the german: ‘Le Waldsterben’ “. In welchem “schwarzen Loch” ist das Verschwindibust worden?

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