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Vermischtes

Aidsblogs. Bürgerjournalismus weltweit

Donnerstag, den 18. Oktober 2007 um 17:47 Uhr von Marie Naumann

Aidsschleife. Abbildung: Gary v. d. Merwe

Etwa 2.000 Menschen infizieren sich in Deutschland pro Jahr mit HIV, 47.000 Männer, 8.500 Frauen und ca. 400 Kinder sind hierzulande mit dem Virus infiziert; bei 8.700 davon ist die Krankheit ausgebrochen. Lange Zeit war diese Rate stabil, doch seit 2006 steigt sie wieder – in dem letzten Jahr wurden 2.711 neue Infizierte gezählt, und das Robert Koch Institut vermeldete bereits in den ersten 6 Monaten von 2005 20% mehr HIV-Infektionen als in der gleichen Zeit des Vorjahrs. Die Gründe für diesen Anstieg sind unklar und zugleich extrem besorgniserregend – Wikipedia nennt z.B. die mangelnde Aufklärung insbesondere unter Jugendlichen und eine Verharmlosung der Gefahren, die gar zu bewusst risikoreichen Verhalten führe. Vielleicht kommt dazu auch die Tatsache, dass in Deutschland pro Jahr „nur“ 600 Menschen an AIDS sterben – das Interesse an der Krankheit sinkt, und sie erscheint weniger bedrohlich, zumal in Deutschland eine vergleichsweise hervorragende medizinische Versorgung gewährleistet ist.

Die Aufklärung über die Krankheit ist wesentlich – hierzulande, doch vor allem auch in Afrika, wo südlich der Sahara bis zu 50 Prozent der Bevölkerung HIV-positiv ist.
Dort tut Hilfe Not – und schon drei Leute können viel bewegen und nicht zuletzt Hoffnung geben, dass man die Welt ändern und für viele einzelne verbessern kann. Auch durch das Internet. Ein großartiges Beispiel dafür bietet der Nata Village Blog, das Blog eines 5.000-Einwohner Dorfes mitten im Nichts im Westen Botswanas, der heute auf Global Voices vorgestellt wird. Es entstand, als ein Tourist, Jon Rawlinson, in dem eigentlich wenig attraktiven Dorf Nata auf eine Mitarbeiterin des Friedenscorps stieß, Melody Jenkins. Eine kleine Bilderserie zum dortigen Alltag gibt es hier.

Jenkins arbeitet in Nata im Rahmen der dortigen Aidshilfe – sie kümmert sich um Aufklärung, Versorgung und medizinischen Beistand in dem Dorf, in dem etwa die Hälfte aller schwangeren Frauen mit dem Virus infiziert ist - zur Zeit leben etwa 400 Aidswaisen in dem kleinen Ort. Jenkins und Rawlinson taten sich zusammen und gründeten den Nata-Blog mit der finanziellen Unterstützung durch Seloma Tiro, der den beiden seinen Laptop lieh, den Zugang zum Server zur Verfügung stellte und alle Telefonkosten übernahm.

Bewusststein schärfen

Das erklärte Ziel des Blogs ist es, das Bewusstsein für HIV/Aids zu schärfen, jenen zu helfen, die mit dem Virus leben müssen und nicht zuletzt für Spenden zu sorgen, um die Waisen mit Kleidung, Nahrung und Schulutensilien zu unterstützen. Langfristig soll gar ein Tagesheim und ein Aids-Hilfezentrum gebaut werden.

Beeindruckend ist der Blog jedoch nicht allein wegen des Themas sondern auch wegen der Vielfalt, mit der sich die Betreiber bemühen, einen Einblick in das Leben in Nata zu geben. So wird in einem Video-Beitrag der Alltag der Nata-Klinik erzählt und auch für kleine Erfolgsgeschichten, wie zum Beispiel die neue Brille einer Bewohnerin des Dorfes, ist Platz. Ohne Spenden hätte sie sich nicht leisten können und sie sieht tatsächlich sehr glücklich aus! Und sie kann jetzt vielleicht sogar das Internet nutzen – gestern wurde ein Zugang für die Klinik von Nata ermöglicht.

Aidsblogs weltweit

Das Nata Village Blog ist nicht das einzige mit diesem Ziel – es gibt viele Blogs, die sich mit dem, in deutschen Medien fast in Vergessenheit geratenen Thema AIDS beschäftigen. So zum Beispiel die AIDS Combat Zone, ein Blog, das Nachrichten zu der Krankheit sammelt und eine umfassende Linksammlung bietet, unter anderem zum offenen Blog to End Aids, wo bislang 10 Teilnehmer bloggen und dessen jüngster Post sich mit Barack Obamas HIV-Programm auseinandersetzt. Auch auf das Kunstprojekt „VisualAids“ wird von der Combat Zone hingewiesen, eine Organisation, die HIV-positive Künstler unterstützt und durch Ausstellungen versucht, die Öffentlichkeit nicht vergessen zu lassen, dass es immer noch heißt „AIDS IS NOT OVER“.

Der „Dreamer“, ein Vietnam-Veteran, dem „die Kriegsereignisse die Augen öffneten“ und der ein langzeit HIV-Infizierter ist, wird das nicht vergessen: Nightmare Hall – Willkommen in meinem Alptraum heißt sein Blog, in dem er aus seinem täglichen Leben erzählt. Seit 22 Jahren ist er HIV-positiv, er weiß, dass „in das Leben ein Selbstzerstörungsmechanismus integriert ist“. Seine Einträge schildern das Leben mit HIV, die Reaktionen der Umwelt, und kommentieren Medienberichte zum Thema. Besonders bewegend und lesenswert ist sein Post vom 8. September - über den Tod und das Leben im allgemeinen und über die letzten Monate seines Lebensgefährten Paul, der an Krebs starb.

Aus Kanada postet Kenn Chaplin in seinem Blog My Journey with Aids; sein Blog verfügt zudem über eine gutsortierte Blogroll, die auch zu dem Blog einer Kenianischen Frau verlinkt, deren Blog ganz ähnlich heißt: HIV/AIDS: My Journey. Die Bloggerin hat erst vor wenigen Monaten erfahren, dass sie positiv ist. Ihr Tagebuch ist der Bericht eines Lebens, das aus den Fugen gerät – und mit viel Mut weitergelebt wird:
„Es ist mir nie in den Sinn gekommen, dass ich damit umgehen müsste, aber nun ist es da. Es ist in mir. Ich habe gerade erfahren, dass es hier, genau in meinem Leben ist. Jetzt befinde ich mich auf einer Reise.“

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