Ehemalige Heimkinder klagen an

Zehn ehemalige Heimkinder will die Aachener Staatsanwaltschaft vor Gericht stellen, die Anklageschrift stammt vom 30. November 2006, der Vorwurf lautet: Betrug. Die Anschuldigungen, die von Hermine S. (Jahrgang 1956), Carola K. (Jahrgang 1961), Wilhelm K. (Jahrgang 1951), Friedrich S. (Jahrgang 1951), Siegfried K. (Jahrgang 1952), Peter K. (Jahrgang 1956), Herbert

herm1.jpgZehn ehemalige Heimkinder will die Aachener Staatsanwaltschaft vor Gericht stellen, die Anklageschrift stammt vom 30. November 2006, der Vorwurf lautet: Betrug. Die Anschuldigungen, die von Hermine S. (Jahrgang 1956), Carola K. (Jahrgang 1961), Wilhelm K. (Jahrgang 1951), Friedrich S. (Jahrgang 1951), Siegfried K. (Jahrgang 1952), Peter K. (Jahrgang 1956), Herbert K. (Jahrgang 1953), Franco K. (Jahrgang 1964), Franz Josef K. (Jahrgang 1953) und Gisela E. (Jahrgang 1952) erhoben werden, seien aus der Luft gegriffen. Es stimme nicht, dass die Angeschuldigten zwischen 1956 und 1971 im Eschweiler Kinderheim Sankt Josef von Ordensschwestern und Zivildienstleistenden geschlagen und gequält worden seien. Deswegen hätten sich diese zehn ehemaligen Heimkinder auch nicht an das Versorgungsamt in Aachen wenden dürfen, um Entschädigungen nach dem Opferentschädigungsgesetz zu beantragen.

Dazu der Staatsanwalt: “Tatsächlich wussten die Angeschuldigten bei Antragstellung, dass es im Kinderheim St. Josef in den Jahren 1956 bis zum Jahr 1971 nicht zu schweren oder systematischen Misshandlungen zu ihrem Nachteil gekommen war.” Damit hätten sich die in der Anklageschrift Genannten des “versuchten Betrugs gemäss § 263 Abs. 1, Absatz 2, 22, 23 Strafgesetzbuch (STGB) schuldig gemacht.

DVD als Beweismittel

Für seine Sache benennt der Staatsanwalt 28 Zeuginnen und Zeugen, listet 15 Urkunden auf und weist das Gericht auch auf die DVD “Hermines Liste” hin.

Bei “Hermines Liste” handelt es sich um einen Dokumentarfilm von Uli Veith, im Jahre 2005 produziert im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks (WDR), von 3sat und von der Filmstiftung des Landes Nordrhein-Westfalen. Zum Inhalt heißt es: “Der Film erzählt die Geschichte der zweigeschlechtlich geborenen Landwirtin und Radiotechnikerin Hermine Schneider, die Misshandlungen und Missbrauch in einem katholischen Kinderheim in Eschweiler vor 35 Jahren beweisen will. Dazu hat sie Menschen gesucht, die damals mit ihr im Heim aufgewachsen sind, hat deren Erlebnisse protokolliert und begonnen, üffentlich Anklage zu erheben…”

Anklage erhebt Hermine Schneider auch heute noch im Internet und bei üffentlichen Auftritten, auf den Prozess wartet sie gespannt.

WDR strahlt im November Film aus

Das Schicksal von Heimkindern ist auch das Thema eines Films, den der Westdeutsche Rundfunk am 11. November 2007 um 16.25 Uhr ausstrahlt. Die Filmemacherin Beatrix Wilmes berichtet über Regina Eppert, die 1960 als 17-Jährige in das Erziehungsheim der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vincenz von Paul eingewiesen worden ist und dort unter Strafandrohung zu Gebet, Arbeit und Schweigen gezwungen wurde, und über Wolfgang Focke, der acht Jahre lang in verschiedenen Heimen lebte, verprügelt, vergewaltigt und eingesperrt wurde.

Auch diese beiden wollen nicht mehr schweigen, wie die zehn Angeschuldigten in Aachen, von denen eine die Anklageschrift des Aachener Staatsanwaltes ins Netz gestellt hat und dafür jetzt einen Strafbefehl über 600 Euro bekam, weil solche Verüffentlichungen in einem schwebenden Verfahren nicht zulässig seien.

Stübert man im Netz, findet man viele “Opferseiten”, genannt seien:

www.emak.org
www.exheim.de

www.heimkind-heinzschreyer.de
www.heimkinder-ueberlebende.org
www.hermine-schneider.de

www.kirisk.de/overleve/index.php
www.misshandelte-zukunft.de/autor.html
www.runwalt.de/pippin.html

www.vehev.org
www.willi-kappes.de

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