Benazir’s Heimkehr

Benazir Bhutto ist nach achtjährigem Exil in London und Dubai nach Pakistan zurückgekehrt. Um ihr Land zu retten ? Ihre Ankunft hat über hundert Menschen das Leben gekostet. Die Selbstmürder haben sie schon erwartet. Quo vadis, Pakistan ? Benazir Bhutto, ein “hartgesottenes” Urgestein aus der Lava der politischen Eruptionen, welche

vxyvx.jpgBenazir Bhutto ist nach achtjährigem Exil in London und Dubai nach Pakistan zurückgekehrt. Um ihr Land zu retten ? Ihre Ankunft hat über hundert Menschen das Leben gekostet. Die Selbstmürder haben sie schon erwartet.

Quo vadis, Pakistan ?

Benazir Bhutto, ein “hartgesottenes” Urgestein aus der Lava der politischen Eruptionen, welche die Genesis des künstlichen Staates Pakistan markieren, ist zurückgekehrt. Nach achtjährigem Exil in London und Dubai will sie es nun den Herren zeigen, jenen Separatisten und Extremisten, die ihr Land, das sie einst wegen massiver Korruptionsvorwürfe vorsorglich verlassen hatte, in Schutt und Asche zu legen trachten.

Pakistan war einst der islamische Teil Indiens, der heute, abgetrennt von seinem unlieben Bruder, ein Stück Un-Welt generiert, welche alle Rotationen Richtung Vernunft, Demokratie und Frieden zum Stillstand bringen müchte. Der unheilige Geist eines militanten und von einem Weltreich halluzinierenden Islamismus schuf im ganzen Land eine Fülle von Zellen, in denen ein düsteres Brüten sein optimales Nest gefunden hat.

Präsident Musharraf, im Spannungsfeld zwischen den Optionen Militärdiktatur, Demokratie oder Gottesstaat, zeigt sich zügerlich beim Ausräucherungsversuch jener rabiaten Zellen, an denen außer Desastrüses nichts anderes zu erkennen ist. Lange hat es gedauert, bis er seine Kräfte schließlich gegen den Aufstand in der Roten Moschee mobilisierte, einem Herzstück der Kaderschmieden des Djihad. Musharraf, trotz seiner Generalsuniform ein “Mann der Demokratie”, findet die Orientierung in seinem politischen Zwitterlabyrinth Gott&Welt nicht und gerät selbst in den Verdacht des eunuchischen Führertums. In dieses Vakuum pflanzt der radikal-islamische Fundamentalismus sein Wurzelwerk und wuchert bereits deutlich über die Landesgrenzen hinaus.

Benazir – eine Führerin ?

Zweimal hatte Benazir das Regierungsamt als Premierministerin inne, einmal von 1988-1990, sowie in den Jahren 1993-1996. In dieser Zeit, so der Vorwurf, hätten sie und ihr Clan sich um 1 Milliarde USD bereichert. Ihr Gatte wanderte ins Gefängnis, Benazir ins schützende Ausland ab. Nun ist sie wieder da. Im Londoner Exil konnte sie ihre Volkspartei (PPP) stärken, wo sie sich inzwischen auch als “Parteiführerin auf Lebenszeit” ausrufen ließ. Dennoch verkündet sie ihren Landsleuten, die “Moderne” bringen zu wollen. Bildung, Kommunikation und Technik seien die Entwicklungspfeiler der Demokratie, die ihrem Land die einzige Überlebenschance biete.

Musharraf betrachtet Bhuttos Rückkehr mit Misstrauen, doch mit Blick auf die Wahlen im Jänner sagt er sich, dass eine eventuelle Kooperation mit ihr gar nicht so unvernünftig sei. Musharraf ist inzwischen erheblich geschwächt, nicht nur, weil er auf die eigendynamische Transformation seines Landes Richtung Demokratie zu sehr vertaut hat, sondern erkennen muss, dass Transformationsvertrauen allein nicht ausreicht, um einen heillos zerrütteten Staat von 160 Millionen Bürgern vor dem Zerfall zu bewahren. Unbeliebt, sowohl bei den Demokraten als auch bei den religiüsen Fundamentalisten, trägt für Pervez Musharraf heute das Erscheinen Benazir Bhuttos beinahe den Nimbus eines deus ex machina.

Pakistan – ein gefährliches Puzzle

Das durch und durch gespaltene und nur in seiner zerrütteten Rückständigkeit einige Land schreit nach einer Lüsungsperspektive. Militär und Religion waren noch nie brauchbare Architekten einer prosperierenden Gesellschaft. Beiden ist, wegen ihres rücksichtslosen Impetus der Machtmaximierung, das Bürgertum kein Anliegen. Das typische Dritte-Welt-Syndrom ist in Pakstan ersichtlicher denn je : Eine kleine, superreiche und mächtige Clan-Elitenschaft, der Rest ist Armut ohne Perspektive. Ein Bürgertum dazwischen existiert so gut wie überhaupt nicht.

Bhutto künnte es zwar gelingen, das säkulare Clanwesen in Pakistan zu stärken, aber für eine effiziente Mobilisierung zur Lüsung des gewaltigen Problempotenzials im Land wird das nicht reichen, weil es zudem noch nie im Interesse der Superclans gelegen ist, den Menschen im Land zu dienen. Eine Allianz Musharraf-Bhutto (= Militär und Super-Clanwirtschaft) würde sich gegen die radikalen Islamisten nur so lange behaupten künnen, als es ihre gelänge, der Armut und Perspektivenlosigkeit tatkräftig und mittels eines kompetenten Masterplans den Kampf anzusagen.

Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass derlei nicht einmal ansatzweise stattfinden würde. Schließlich haben beide, Militär und Superclans, die Armut und Persepektivenlosigkeit ihrer Landsleute mitverursacht – und grüßten Nutzen daraus gezogen. Die Antwort auf diese unheilvollen Zustände kommt nun aus den Lüchern eines halluzinierenden Chaos, wo es zwar nichts zu verlieren, jedoch eines zu gewinnen gäbe : Die Implementation eines zornigen Imperiums über die Ausbeuter und Kriegsgewinnler. Man droht mit dem einzigen, das man auf seiner Seite glaubt, und das die säkularen Machthaber schon immer am meisten gefürchtet haben – man droht mit Gott und dessen “Gerechtigkeit”.

Der Krebs im Inneren

Eine eigenständige Existenz scheint in Pakistan seit jeher der Geheimdienst zu führen. In der Wirrnis der schwer korrupten Strukturen des staatlichen Machtgefüges gelang ihm schon früh die Bildung eines Staates im Staat, und vor allem das eigennützige Management der Ungeschicke des Landes wie z.B. die Talibanschwemme, Terroristen-Ausbildungscamps, die Nuklear-Aagenda, die Mobilmachung gegen jegliche Versuche rechtsstaatlichen Reglements, Drogenhandel, etc… Neben Militär, Superclans und militantem Klerikalimperialismus stellt der Geheimdienst die vierte “staatstragende” Kraft in Pakistan.

Dass es bei Benazirs gestriger Ankunft in Karachi mehrmals mürderisch gekracht hat und über hundert schuldlose Menschen ihr Leben lassen mussten, dass selbst eine umjubelte Heimkehr Blut mit sich bringen würde, mag den pakistanischen Machtstreitern vielleicht gar kein Zeichen mehr sein. Ihre Sorge bleibt die profitable Verteilung der Pfründe in einem Land, das de facto längst ins Lazarett gehürt. Das Rad der Macht wird in Ländern wie Pakistan stets von den selben Spielern gedreht, in einen circulus vitiosus, den die schüne Zirkusprinzessin Benazir auch nicht mehr aufzuhalten vermag. Gelegenheit hierzu hätte sie früher schon ausreichend gehabt.

Photo: wikipedia.org / GNU Free Documentation License

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