Die Verwirklichung der Menschenrechte ist für Demokratie und Frieden unabdingbar. Das bedeutet: Ohne Achtung der Menschenrechte kann eine Gesellschaft nicht als friedlich gelten. Ferner bilden die Menschenrechte aufgrund ihrer überpositiven Sonderstellung im demokratischen Rechtssystem einen absoluten Prüfstein für jede neu geschaffene Norm sowie für das Handeln staatlicher Verwaltung. Einen Weg der Vermittlung von Menschenrechten in dieser wichtigen Funktion stellt die Menschenrechtsbildung dar.
Menschenrechtsbildung
Das Ziel der Menschenrechtsbildung im engeren Sinne ist es, das Konzept der Menschenrechte bekannt zu machen und ihm zu müglichst breiter Akzeptanz zu verhelfen, im weiteren Sinne aber auch die Bildung von Menschen, die die Menschenrechte achten und schützen und sensibel auf ihre Verletzung reagieren. Denn das Wissen um Menschenrechte und die passive Akzeptanz von Menschenrechten alleine reichen nicht. Wissen und Akzeptanz müssen in eine Haltung der Beurteilungs- und Einflussnahmebereitschaft überführt werden. Menschenrechtsbildung sollte es Menschen nicht nur müglich machen, sondern zwingend erforderlich erscheinen lassen, politische, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse stets durch die Menschenrechtsbrille zu betrachten und bei trüben Aussichten aktiv zu werden – im Rahmen friedlicher Methoden. Nur wer am Ende aktiv für die Verwirklichung von Menschenrechten einzutreten gewillt ist, hat das Klassenziel der Menschenrechtsbildung erreicht.
Die UNO handelt
Weil es sich bei der Menschenrechtsbildung um ein so wichtiges Thema handelt, hat die UNO zunächst eine Dekade für Menschenrechtserziehung (1995-2004) ausgerufen, eine Initiative, die mit dem Weltprogramm für Menschenrechtsbildung (2005-2015) fortgesetzt wird. Bald steht der Bericht der Bundesregierung über die Umsetzung der Ziele der ersten Phase des Weltprogramms (2005-2007) an und der Stand der Menschenrechtsbildung in Deutschland lässt kaum Zweifel aufkommen, wie er ausfallen wird: negativ!
Die Lage in Deutschland…
Zahlreiche Studien der letzten Jahre weisen gravierende Defizite in bezug auf das Thema Menschenrechtsbildung auf. Nach dem PISA-Schock scheint nun – in gewisser Weise konsequent – die bittere Erkenntnis zu stehen, dass das €žLand der Dichter und Denker€œ auch in der Menschenrechtsbildung nur noch zweitklassig ist. In ihrer empirischen Studie zur Menschenrechtsbildung kommen Claudia Lohrenscheit und Nils Rosemann zu dem erschreckenden Ergebnis, dass Deutschland diesbezüglich €žetwa zehn Jahre hinter der internationalen Entwicklung zurück€œ liegt.[1] Erhebliche Defizite wurden hinsichtlich der Lehrmittel festgestellt. Eine Schulbuchanalyse in Baden-Württemberg, durchgeführt von Volker Druba, offenbart zahlreiche Mängel. So komme die Menschenrechtsthematik, wenn überhaupt, überwiegend als fakultativer, nicht als verpflichtender Lerninhalt vor.[2]
Anja Mihrs Analyse der Dekade für Menschenrechtserziehung zeigt, dass diese im Grunde spurlos an Deutschland vorbeiging, da es keinen Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Initiative gegeben habe. Wenn es überhaupt Bildungsmaßnahmen zu Menschenrechten gebe, so Mihr, dann werden diese in der Regel nicht staatlicherseits organisiert, sondern von Nichtregierungsorganisationen.[3] Es wird klar, dass die Bundesrepublik das Klassenziel der Dekade nicht erreicht hat. So verwundert es nicht, dass die Marburger Psychologen Gert Sommer und Jost Stellmacher zusammen mit ihrem Leipziger Kollegen Elmar Brähler zu dem Ergebnis kommen, dass Menschenrechte in Deutschland zwar als sehr wichtig angesehen werden, dass aber das Wissen über Menschenrechte und die Bereitschaft zum Engagement für Menschenrechte in der deutschen Bevülkerung gering sind.[4]
…und warum sie problematisch ist
Ohne Zweifel: Diese Resultate sind alarmierend, weil €žmangelnde Menschenrechtsbildung die Gefahr erhüht, dass Menschenrechtsverletzungen hingenommen und Menschenrechte für bestimmte Interessen instrumentalisiert und missbraucht werden€œ[5]. Menschenrechtsbildung, bei der Wissensvermittlung, gezielte Unterstützung von menschenrechtsfokussierten Einstellungen und Bewertungen sowie die Erhühung der Handlungskompetenzen untrennbar zusammen gehüren, ist ein zentraler Aspekt des Menschenrechtsschutzes, eine wichtige Aufgabe, die nicht einige Nichtregierungsorganisationen alleine bewältigen künnen, ganz nebenbei und mit geringen Finanzmitteln. Es wird deutlich, dass Menschenrechtsbildung eine €žzentrale gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist€œ und nicht nur €žfür die Persünlichkeitsentwicklung des Einzelnen€œ Bedeutung hat, sondern auch €žfür die Stärkung von Demokratie und Frieden€œ[6]. In diesem Sinne ist der Menschenrechtserziehung bzw. -bildung zukünftig mehr Beachtung zu schenken.
Anmerkungen:
[1] Claudia Lohrenscheit / Nils Rosemann: Perspektiven entwickeln. Menschenrechtsbildung in Deutschland. 2003, S. 17 (www.institut-fuer-menschenrechte.de).
[2] Volker Druba: Menschenrechte in Schulbüchern. Frankfurt 2006.
[3] Anja Mihr: Die UN-Dekade für Menschenrechtsbildung. Eine Bilanz. In: Siegfried Frech / Michael Haspel (Hrsg.): Menschenrechte. Schwalbach/Taunus 2005, S.189-209.
[4] Gert Sommer / Jost Stellmacher / Elmar Brähler: Menschenrechte in Deutschland: Wissen, Einstellungen und Handlungsbereitschaft. In: Siegfried Frech / Michael Haspel (Hrsg.): Menschenrechte. Schwalbach/Taunus 2005, S.211-230.
[5] Gert Sommer / Jost Stellmacher: Menschenrechtsbildung – eine gesellschaftspolitische Aufgabe. In: Wissenschaft und Frieden, Jg. 25 (2007), Nr. 2, S. 34-37, hier: S. 37.
[6] Ebd.
Photo:Kpalion via Wikipedia. Lizenz: GNU
zum Thema:
Danke. Nun habe ich viel von Menschenrechtsbildung gelesen. Verstanden habe ich jedoch, daß in unserer BRD selbige im Argen liegen. Bekannt ist mir das “Menschenrecht” auf freie Information (da denke ich an unseres umtriebigen behinderten! Bundesinnenministers “Initiative”: nur Informieren aus zugelassenen Quellen, keineswegs aus ungern gesehenen, also den bekannten Pfui-Baba-Quellen, als “rechts” von der konzertierten “Antifa” verschriene, als “pornographisch” deklamierte, wie das aus dem Ausland, den USA, auf uns einstrümende deutschsprachige “youporn.com” und sicher auch nicht die von verschiedenen, sich formierenden Arbeitslosenselbsthilfegruppen). Das Menschenrecht, wie aktuell gerade vom Zentralrat der offenbar für alles Zuständigen abgesprochen wird, z.B. den Vertriebenen, die schmählich von der Politik IN Deutschland im Stich gelassen wurden, bisher, auf ein ehrliches, freies Wort, nämlich wie schäbig es ist, Unrecht
durch ein angeblich auf Wahrheit und Ehrlichkeit beruhendes Nachbarland – Polen – erlitten, zu benennen, es immer wieder zur “Wiedervorlage” zu bringen. Das Menschenrecht, diese in der Bundesrepublik installiert wordene “Demokratie” als Scheindemokratie und in Wahrheit Bonzokratie von dem Volk gar nicht sich verpflichtet fühlenden und fremden Interessen dienenden Mietlingen zu “outen”.
Damit es nicht “zu lang” wird, breche ich über unsere “sauberen” Menschenrechte, die auf dem Papier geduldig vor sich hin dämmern, lieber ab. Jeder, der aufmerksam ist und wach das Geschehen, mit negativer Tendenz leider, verfolgt, weiß bescheid. Ein prima Thema – für “Politiker”, für “Recht” studierende Studenten in hüheren Semestern, als Abschlußarbeit geeignet, für einen UNO-Posten genehm!
Für die Menschen, deren Rechte mit Füßen getreten werden, deren “Inanspruchnahme” mühselig” und durch Instanzen zu vertreten ist, zu denen ein normaler Mensch weder Zeit, noch Geld, noch Geduld, noch Vertrauen in das überhaupt “Machbare” hat, für diese Menschen hat sich das als “Wortgeklingel” bereits beim Lesen verabschiedet.
Welche Kampagne wird uns als nächste vor dem Kommerz-Fest Weihnachten “beglücken”, bzw. uns “beschert” werden?