In Leipzigs Untergrund wird auch gemalt und nicht nur in Neo Rauchs HGB. Und vielleicht sogar hin und wieder frischer und lebendiger, als in der Konsumistenschlacht. Deshalb traf Volly Tanner JPS zu Cappu und Gespräch in der Leipziger Moritzbastei.
VT: Hallo, JPS – unter diesem Namen firmierst Du ja schon einige Jahre literarisch, sprechend und malend. Was bedeutet denn, verdammt noch mal, JPS?
JPS: Das J steht für meinen Vornamen: Jeannette
Als P wie Pietrowski bin ich geboren
Und das S wie Siefke ist der Name meines Vaters, der mich mit vier Jahren adoptiert hat.
VT: Nun bist Du ja auch, nach deinem schriftstellerischen Schaffen (witzig waren Deine Pocket books) im Malerischen angekommen. Was treibt Dich dahin?
JPS: Ich dachte immer, dass ich nicht malen kann und wenn ich etwas nicht kann, will ich es erst recht künnen…na und dann habe ich mir das versucht selbst beizubringen, man lernt zwar nie aus, aber dafür ist man ja (noch) jung. So war das: vom Wort zum Bild. Außerdem wollte ich auch “schüne Bilder” in meiner Wohnung haben und nicht diese billige Baumarktgeschichte. Jetzt habe ich keine einzige leere Wand mehr.
VT: Was sind das denn für Bilder?
JPS: Hauptsächlich sind es Portraits, angefangen habe ich mit einem Porträt von Nadja Auermann, welches am ehesten zum Genre des Pop-Art zu zählen ist, weitere Porträts im gleichen Stil habe ich von Liza Minelli, Bjürk, Madonna, Friederike Lippold (NRJ Sachsen) und Bert Callenbach (Conferencier) angefertigt. Außerdem habe ich eine kleine Sammlung meiner Lieblingsbilder, d.h. Bilder meiner Lieblingsmalerin Tamara de Lempicka, als Hommage an sie reproduziert, diese sind vom Stil her eher Art Deco und leicht kubistisch angehaucht. Aber es gibt inzwischen auch Privatanfragen für Portraits, grundsätzlich kann man alles malen wofür man nicht unbedingt ein Modell bezahlen muss das ständig (verständlicherweise) rumzappelt…
VT: Was machst Du denn neben Deiner Arbeit am Bilde so?
JPS: Ich stübere in Büchereien und seit kurzem auch im Internet nach Ideen und Bildern, nach Kunstepochen und -stilen, nach Malern und Malerinnen…treibe mich auf fremden Ausstellungen herum und gebe nebenher Malkurse wenn ich nicht gerade am Kinderschminken bin.
VT: Genau, Kinderschminken – wir trafen uns ja letztens bei Carolin Okons Kleine-Stars-Aktion. Worum gehts denn da?
JPS: Es ist eine Aktion gegen mediale Gewalt, eine Aktion für Kinder. So ähnlich wie “Schau hin was Deine Kinder sehen”, ohne es zu wollen künnen Eltern ihre Kinder nicht mehr vor dem Einfluss medialer Gewalt beschützen, allerorts sieht man auf max. 90 cm Hühe Nachrichtenfluten, schreckliche Bilder von Unfällen oder verschwundenen Kindern, spätestens wenn die Kids lesen künnen und endlich voller Freude ihre Lesekunst ausprobieren wollen, dann bekommen sie so etwas zu sehen. Furchtbar, oder?
VT: Das denke ich auch – was kann aber KLEINE STARS dagegen tun?
JPS: Das Ganze ist ja kein Einfall, der aus meinem Gehirn zuerst spross, also kann ich nur mutmaßen und darstellen warum ich bei diesem Projekt mitmachen wollte und es auch tue. Mich selbst hat es, als ich das erste Mal davon erfuhr, aufgerüttelt. Ich selbst bin zwar normalwüchsig aber doch so anderthalb Meter, das kommt einem jungen Mädchen noch ganz nahe…so von wegen Augenhühe. Jedenfalls fiel mir, seit ich aufgrund des Projektes geschultere Augen darauf richte, auf, dass es verdammt viele Dinge gibt, die es so nicht geben müsste. Ich habe als Kind doch auch alles gelesen und wenn es nur das HO Schild oder das Angebot beim Bäcker war. In erster Linie geht es also darum in jedem selbst die Wahrnehmung zu schulen, mit anderen ins Gespräch zu kommen, das Projekt bekannt zu machen und zu hoffen, dass es ein Selbstläufer werden müge, Du hast mich immerhin darauf angesprochen. Wieder ein Schritt weiter…
VT: Zurück zu Deiner Malerei. Da gibt es ja jetzt eine Ausstellung – wie solls weiter gehen?
JPS: Wie es weitergehen soll? Ich werde auf den Erfolg meiner Ausstellung am 09.November hoffen und ich denke ich werde ihn haben. Die Vernissage zur Ausstellung im Café Luise in Leipzig wird sowohl von einer Modenschau als auch von einem wunderbaren Musikduo gekrünt sein. Die Resonanz auf meine Bilder ist schon jetzt sehr hoch. Weg von diesen postsozialistischen Tübke- oder Mattheuer Bildern, weit entfernt von Weischer oder Fischer-Art und wieder hin zum Dekor, hin zu Schünheit im realistischen Sinne. Mal- und Zeichenkurse werde ich weiterhin geben, ebenso interessiert mich die großformatige Wandmalerei. Ein Projekt in der Villa, einem soziokulturellen Zentrum in Leipzig, gab es schon im letzten Jahr, einen weiteren Auftrag, für die Rekonstruktion eines antiken Wandbildes, in einem gerade zu sanierenden Wohnhaus gibt es bereits.
VT: Das klingt doch gut. Auch in Deiner schriftstellerischen Arbeit war ja ein gewisser Hang zu den “goldenen Zwanzigern” bei Dir zu spüren. Gibt es da Affinitäten?
JPS: Schon komisch, das war und ist nicht beabsichtigt, allerdings scheint da schon etwas dran zu sein. Die haben damals wohl einfach nur gefetzt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Man spielte eben gern mit dem was man hatte, viel war es ja damals nicht, obwohl (fast) alles im Aufschwung war. Vielleicht liegt da der Hase begraben…
VT: Gibt es denn noch Ideen, die von Dir so grandios bereiteten JanDl-Abende wieder aufzunehmen?
JPS: Ideen gibts tausende… naja vielleicht hunderte, im November vielleicht sogar schon Verhandlungen mit einer neuen Location, darüber darf ich aber noch nichts verraten. Nur soviel: man darf auch weiterhin gespannt sein. Allerdings gilt die Vorrangstellung immer noch der Malerei.
VT: Wie kann der interessierte Kunstenthusiast Dich den erreichen?
JPS: Momentan ist das mit einer eigenen Homepage so eine Sache…allerdings kann man mich gerne täglich über meine Emailadresse JPS_LEIPZIGKULTUR@web.de kontaktieren.
VT: Danke, für das kurze Gespräch und natürlich toitoitoi – wir trinken dann am 09.11.07 einen kleinen Sekt auf die Bilder.
STADTNEUROTIK - SEIN ODER DESIGN
JPS ZEIGT IHRE ARBEITEN DEM VOLKE!
WANN: Datum: 09.11.07; 22.00 Uhr
WO: Cafe Luise, Leipzig
TITEL: “STADTNEUROTIK – Sein oder Design”
Facharbeit JPS
Fachoberschule Gestaltung; Gutenbergschule Leipzig; 2jährig)
Abidurchschnitt 1,5
WER: JPS
WAS: Portraitmalerei
WEN: Bert Callenbach, Madonna, Audrey Hepburn, Audrey Toutou (Amelie), Liza Minelli, Nadja Auermann, Nina Hagen, Bjürk, Freddy (Lippold)
UND: Hommagen an die Malerin Tamara de Lempicka im Pop Art Stil
WAS NOCH: J.B. und Wiebke Wilms geben ELVIS zum Besten
WAS SONST NOCH: Jacqueline Klemm stellt ihre Facharbeit “Sein oder Design” während ihrer selbst inszenierten Modenschau aus (Mode)
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