“Selma – in Sehnsucht eingehüllt”, so der Titel eines Projekts des Schweizer Musikers David Klein, das Gedichte des jüdischen Mädchens Selma Meerbaum Eisinger mit bekannten deutschen Künstlern vertont hat, träumerisch, sanft, anmutig, aufwühlend. Hartmut Engler von PUR erklärt RE im Rahmen der Blogtour, was es ihm bedeutet, an dem Projekt teilgenommen zu haben.
Ein junges Mädchen träumt von der Liebe. Sie verehrt Heine, Rilke und schreibt selbst Gedichte. Eine unbeschwerte Jugend, so scheint es. Doch sie ist Jüdin und lebt im rumänischen Czernowitz (heute Bukowina/ Ukraine), in der Zeit des Zweiten Weltkrieges eine von Gebietsansprüchen und Judenverfolgungen zerfressene Stadt. Ihre Heimat wird für sie und ihre Familie zum Ghetto – ein tragisches Schicksal. Nur wenig später stirbt Selma, gerade achtzehnjährig 1942 in einem deutschen Arbeitslager.
Poem
Ich müchte leben.
Ich müchte lachen und Lasten heben
und müchte kämpfen und lieben und hassen
und müchte den Himmel mit Händen fassen
und müchte frei sein und atmen und schrein.
Ich will nicht sterben. Nein.
Nein…
RE: Inwieweit fühlst du Dich von Selmas Geschichte berührt, findest Du vielleicht sogar ein Stück von Dir selbst in den Texten von Selma wieder?
Engler: Ich denke jeder findet sich selbst in ihren Gedichten wieder, aber für mich ist es vor allem ein Zugang zur Verzweiflung junger Menschen in jener Zeit. Wir wissen ja, dass Selma am Ende das Glück nicht mehr erlebte. Doch jetzt haben wir die Müglichkeit, dass durch unsere Interpretationen ihrer Gedichte etwas von ihrem Glück – welches sie ja auch erlebt hat – wieder sichtbar wird. Wir leben in einer konstanten Reizüberflutung und verlieren manchmal aus den Augen, wie gut es den Meisten von uns eigentlich geht. Glück zeigt sich ja oft auch im Kleinen und ich glaube, Selmas Texte helfen uns, das Glück zu erkennen, wenn es uns begegnet.
RE: David Klein hat die Texte von Selma kompositorisch den teilnehmenden Interpreten regelrecht “auf den Leib geschrieben” – erkennst Du dich in seiner Komposition wieder?
Engler: Das Lied hat mir von Anfang an extrem gut gefallen. Die Melodie führt durch viele geschmackvolle Akkordwendungen und hat eine äußerst raffinierte Melodie, was meinem Gesangstil sehr liegt. Ungewühnlich war die tiefe Stimmlage, was aber auch eine Herausforderung war. Ich weiß nicht, ob David schon beim Komponieren wusste, wer das Gedicht interpretieren wird, aber er hat die Interpreten so geschickt ausgewählt, dass jeder seine Stärken voll ausspielen konnte.
RE: Inwiefern hat David Klein generell Einfluss auf die Musiker (speziell auf Dich) ausgeübt?
Engler: Er hat mich für das Thema begeistert. Am Mikrophon, im Studio unglaublich motiviert und er weiß welch wohltuende Wirkung Lob hat. Aber er hat jetzt keine Vorschläge gemacht, nach dem Motto: sing das doch mal so oder so. Ich war im Studio vüllig frei, meine ganz eigene Interpretation für meinen Song zu gestalten. Diese Freiheit war ihm, denke ich, sehr wichtig. Er wollte alle Interpreten wirklich in ihrer Essenz festhalten.
RE: Musste erst ein Schweizer daher kommen, Deutschen das Erinnern wieder beizubringen?
Engler: Für mich ist das Erinnern seit den ersten Gesprächen mit meinen Eltern über die Nazi-Zeit und dem Schulunterricht Geschichte etwas das mich ständig begleitet. Leider sagen ja heute viele Leute, auch Jugendliche: €žLasst uns mit dem Nazikram, mit der ganzen Zeit doch endlich in Ruhe, das geht uns doch alles nichts mehr an.€œ. Das finde ich natürlich sehr bedenklich und ich bin altmodisch genug, notfalls auch mal anzumahnen, dass Jugendliche die Vergangenheit kennen müssen, um sie nicht zu wiederholen. Allerdings ist die Sicht eines Schweizers – das heißt von außen – sicher objektiver und unbelastet.
RE: Warum engagierst Du dich so für das Projekt, was ist Dir daran wichtig / Willst Du selbst mit deiner Art der Interpretation den Hürern etwas mitgeben?
Engler: Neben den oben genannten Gründen, geht es bei €žSelma€œ auch um Toleranz im Allgemeinen. Es geht für mich auch darum, offene Ohren für andere Texte, andere Musik zu ermüglichen.
RE: Thomas D sagt über die Interpreten: “Jeder zeigt sich von einer sehr persünlichen und unglaublich tiefen Seite.” War es für Dich anders, das Lied zu singen als ein eigenes mit Pur?
Engler: Es war anders, kein eigenes Lied zu singen, sondern der Idee eines anderen zu folgen: Für mich eine gute Erfahrung.
RE: Die CD soll in ein Schulprojekt (STEP 21) eingebunden und mit anderem Lehrmaterial bundesweit vertrieben werden. Was, denkst Du, kann die Musik bewirken?
Engler: Allen Schülern, die gerne Musik der beteiligten Künstler hüren, klar zu machen, dass Musik auch anders klingen kann, als gängige Popmusik und sie kann helfen, Inhalte zu vermitteln, die durch die Musik eine neue emotionale Tiefe bekommen. Ich glaube, Jugendliche gehen dadurch auch etwas unbelasteter an dieses immer noch sehr schwierige Thema heran. Ich denke, da kann die Lyrik eines jungen Mädchens, das vor über 60 Jahren lebte, sehr viel bewegen. Ich engagiere mich ja auch seit Jahren mit PUR für Kinder und Jugendliche. So konnten wir anlässlich unseres Konzerts auf Schalke im September 50 000 Euro an SOS Kinderdürfer überweisen.
RE: Wie findest Du die Idee, das Projekt zusätzlich innerhalb einer Blogtour im Internet zu präsentieren?
Engler: Das Internet ist heute ein wichtiger Bereich der Kommunikation und natürlich sollte man auch diesen Weg nutzen, Selmas Geschichte in die Küpfe und Herzen der Menschen zu bringen. Bei einer Blogtour bin ich das erste Mal dabei und bin sehr gespannt auf die Reaktionen. Die Idee ist auf jeden Fall gut!
Interview: Felix Kubach
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Mehr Informationen zum Projekt Selma:
www.myspace.com/selmameerbaumeisinger
Making of:
[youtube u6pzbLQl3Ao&eurl]
Selma-Konzert in Berlin am 08.09.2007 in der Synagoge in der Rykestrasse in Berlin (Schwyzerdütsch):
[youtube cD3TEF0IDuc&eurl]
Stefanie Kloß auf Basic Thinking Blog
David Klein bei Bernd Rüthlingshüfer
So gehts weiter mit der Blogtour:
Joy Denalane auf Mc Winkels weBlog
Live Interview mit David Klein von Fans auf VM People Blog
Volkan Baydar auf Musik Magazin Blog
Thomas D bei Werbeblogger
(für Infos auf Flyer klicken):

Ich finde es sehr seht wichtig und gut was David Klein mit diesem Projekt bewirkt. Die Lieder sind alle toll. Sehr schün durch die einzelnen Künstler interpretiert. Gerade wenn ichmal wieder in unserer hektischen zeit Ruhe finden muss und mich auf die Wesentlichen Dinge konzentrieren will dann ist diese CD bei mir Erste Wahl.
Auch ich bin der Meinung das diese Zeit nicht vergessen werden darf, das unsere Kinder wissen müssen was damals geschah. Um zu sehen, zu erkennen wenn um sie herum die Stimmung wieder umschlägt, um zu erkennen wann sie den FALSCHEN zu hüren.
Ich denke oft das in unserer Zeit die Gefahr das sich so etwas oder ähnliches Wiederholen künnte relativ groß ist. Davor habe ich persünlich große Angst. nur Aufklärung und das wir alle zusammenhalten gegen Rechtsradikalisum kann uns davor bewahren.
Und natürlich gute Musik, Musik die uns die Gedanken und Gefühle der Mmenschen die damals dabei wahren, die es am eigenen Leib erfahren haben wiedergibt.
Ich unterstütze das selma Projekt wo ichkann auch wenn meine Mittel gering sind.
Ich wünsche allen beteilgten Künstlern und vor allem David, Tim und Hartmut weiterhin viel Erfolg.
Ihr tut das Richtige, wie ich finde.
Liebe Grüße Sarah