Studium: Campus of Excellence

Exkursionen nach Budapest, Warschau und Moskau. Prominenz aus Wirtschaft und Politik. Abschluss-Symposium und Flying Dinner im Vorstandscasino der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt. Events dieser Art sind für einen normalen Durchschnittsstudenten durchaus beeindruckend – so auch für mich. Im Frühling dieses Jahres entdeckte ich an meiner Hochschule ein Plakat der Initiative “Campus

JanaExkursionen nach Budapest, Warschau und Moskau. Prominenz aus Wirtschaft und Politik. Abschluss-Symposium und Flying Dinner im Vorstandscasino der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt. Events dieser Art sind für einen normalen Durchschnittsstudenten durchaus beeindruckend – so auch für mich. Im Frühling dieses Jahres entdeckte ich an meiner Hochschule ein Plakat der Initiative “Campus of Excellence“. Die Bewerbungsfrist lief noch genau einen Tag und es wurde mit einem kleinen Goldfisch (Student = Goldfisch) geworben. Da ich in meiner Studentenbude selbst ein Aquarium mit vier vorwitzigen Fischen stehen habe, war mein Interesse geweckt und die Bewerbung am nächsten Tag eingereicht.

Ich bin exzellent!

“Herzlichen Glückwunsch – Sie wurden zur Teilnahme an der “summer school” des Campus of Excellence zugelassen.” Unverhofft kommt oft und ich freute mich sehr über die Zusage. Wer ist schließlich nicht gerne exzellent? Es galt sich zunächst ein wenig intensiver mit dem Projekt auseinander zu setzen, denn bisher kannte ich eigentlich nur die Bewerbungsseite der Excellence-Initiative. Nach Durchsicht der Internetseiten war ich ein wenig schlauer: das Projekt wird von mehr als 50 Partnern aus Wissenschaft, Forschung, Politik, Medien, Verbänden und der Wirtschaft gefürdert und soll den Wissenstransfer zwischen Hochschulen, Forschung und Wirtschaft beschleunigen. Primäres Ziel des Campus of Excellence ist es, Unternehmen und junge Menschen mit hohem Entwicklungspotenzial zusammenzuführen. Neben der “summer school” gibt es noch eine “praxis academy”, die eine Art projektbezogenes Praktikum zum Inhalt hat. Aber was war der Sinn des Campus? Reines Recruiting? Wissenschaftliche Hühenflüge zu unseren Leitthemen Wissen, Werte und Arbeit? Bezahlter Urlaub? Networking?

Hof, Budapest und Frankfurt

Ohne eine genaue Vorstellung darüber, was mich in den neun Tagen der “summer school” erwarten würde, packte ich meinen Koffer. Das vorgelegte Programm mit Opernbesuch, Schnupper-Golfen und Empfang in der Hofer Bürgergesellschaft verlangte meiner Business-Ausstattung wirklich alles ab: Nadelstreifen-Anzug, Jacketts, Blusen, Perlenkette und, für den Empfang in der deutschen Botschaft in Budapest, das Kleine Schwarze. Somit sind zwei Stationen meiner Reise schon genannt: die Einführungstage fanden für alle exzellente Studenten/innen gemeinsam im oberfränkischen Hof an der Saale statt. Danach trennten sich die Wege: Die Arbeitsgruppe “Wissen” flog nach Moskau, die Vertreter der “Wertethematik” führte die Exkursion nach Warschau und für mich und meine Kollegen/Kolleginnen des Themengebiets “Arbeit” war ein exzellentes Hotel in Budapest gebucht. Nach dem dreitägigen Besuch unserer osteuropäischen Nachbarn kamen alle Teilnehmer/innen wieder in Frankfurt zu den Abschlussveranstaltungen zusammen.

Inhaltlich war die Aufgabenstellung klar definiert: €žIm Mittelpunkt der inhaltlichen Diskussion der summer school stehen die Leitthemen Wissen, Werte und Arbeit, die unter dem Aspekt ihrer Zukunftsfähigkeit bearbeitet werden. Dabei sollen die Themen nicht nur auf der Basis bekannter Lüsungsstrategien diskutiert, sondern auch unkonventionelle Wege sollen identifiziert und verfolgt werden. Kreativität ist gefragt, und das Loslassen von bekannten Lüsungsansätzen stellt eine Herausforderung für die Teilnehmer dar.€œ
In der Realität hieß das: Vorträge, Vorträge, Vorträge, Werksbesichtigungen, persünliche Gespräche, kultureller Austausch und Hintergundreferate zur sozio-politischen Lage Ungarns. Die Flut der gesammelten Informationen zu den Problemfeldern demographischer Wandel, klaffende Schere zwischen Hoch- und Geringqualifizierten und Globalisierung wurde in Kleingruppen geordnet, diskutiert und beim Abschlusssymposium in Frankfurt in einer schauspielerischen und mit viel Beifall bedachten Zukunftsvision aufgearbeitet.

Die Mischung macht´s

Neben uns Studenten/innen waren auch junge Führungskräfte aus überwiegend mittelständischen Unternehmen und Journalisten (regional und bundesweit) eingeladen. Dies erweckte bei mir am Anfang den Eindruck eines üffentlich zur Schau gestellten Recruiting-Marathons. “Am besten kopiere ich meinen Lebenslauf 50 Mal und habe ihn immer griffbereit!” dachte ich in der Vorbereitung entnervt. Doch es sollte anders kommen: Die Mischung verschiedener Generationen, Hintergründe, Lebensläufe und Interessen entfaltete eine spannende Eigendynamik. Insbesondere die jungen Führungskräfte meiner Gruppe waren nicht nur an uns Studenten als potenzielle Arbeitnehmer interessiert, man spürte ein echtes Interesse an der Arbeits-Thematik: zukunftsweisende Visionen für die Arbeitswelt von morgen. Aber auch für mich war der Erkenntnisgewinn immens. In ungezwungener Atmosphäre sprach man über Zukunftschancen, tauschte Visitenkarten aus, philosophierte über die Zukunft des Radsports oder konnte hinter die Kulissen der offiziellen Recruiting-Welt blicken. Und dies auf einer sehr freundschaftlichen, gleich gelagerten Ebene, egal ob das Gegenüber nun Student, Promovierender oder Vorstandsvorsitzender bzw. ehemaliger Bundestagsabgeordneter war.

AlleWas wirklich dahinter steckte..

Reines Recruiting? Nein.
Die teilnehmenden Unternehmen investieren beträchtliche Summen für eine Entsendung ihrer Mitarbeiter zum Campus of Excellence. Sie haben Einblick in alle Bewerberakten und Recruiting spielt sicher eine Rolle – was aus Studentensicht auch nicht verfänglich ist. Allerdings macht der Ton die Musik und ich würde das Recruiting in den neun Tagen der “summer school” als beiläufige Chillout-Moods bezeichnen. Als ohrenbetäubende Heavy Metal-Werbung wird mir jedoch die Region Oberfranken und das eine oder andere lokale Premiumprodukt in Erinnerung bleiben.

Wissenschaftliche Hühenflüge zu unseren Leitthemen Wissen, Werte und Arbeit? Ja.
Von mir in diesem Umfang nicht erwartet, ergaben sich sehr interessante Diskussionen in unserer €žArbeits€œgemeinschaft, aber auch interdisziplinär mit den anderen Gruppen und deren Leitthemen: Wir diskutieren beispielsweise kontrovers den Sinn von Werten, die Auswirkungen des demographischen Wandels inklusive müglicher Lüsungsansätz sowie die Bedeutung des Wissensmanagements in der Zukunft.

Bezahlter Urlaub? Ein definitives Nein.
Ich habe selten so wenig geschlafen und gleichzeitig soviel Input in Form von Vorträgen, Einzelgesprächen, interessanten Persünlichkeiten und €žschreienden Italienern€œ (O-Ton eines Teilnehmers zur Oper in Hof) erhalten. Das ist der Preis der Exzellenz – und es hat trotzdem sehr viel Spaß gemacht

Networking? Ja.
Ich muss mir nun endlich einen Vistenkartenständer zulegen..

Stimmen zur “summer school”:

Carolin Fratzscher (Studentin, Universität Ilmenau): €žDer Campus hat mir neue Sichtweisen vermittelt und mich dazu angeregt gründlicher über Dinge nachzudenken, die ich sonst als gegeben hinnehme und über die ich mir keine Gedanken mache. Daneben habe ich auch noch ein paar sehr nette Leute kennengelernt.€œ

Jan Meinen (Doktorand, Universität Heidelberg): “Das Spannendste an der Summer School war das Zusammentreffen von Menschen mit unterschiedlichster Ausbildung und damit teilweise gegensätzlichen Denk- und Arbeitsweisen. Aufgrund des hohen Zeitdrucks war keine Zeit für Prinzipienkämpfe. Jeder der Teilnehmer hat, bewußt oder unbewußt, unmittelbar verstanden, dass er nur den Kern seines Wissen einbringen kann und sich in allen anderen Bereichen unterordnen muss. Das erstaunlichste und vielleicht auch wertvollste Ergebnis dieser intensiven Woche ist vielleicht, dass diese äußerst heterogene Gruppe in der Kürze der Zeit ein so hochwertiges Ergebnis (AdR: die Abschlusspräsentation) geliefert hat. Das ist eine Erfahrung, die im Alltag selten vorkommt, und die wir deswegen um so mehr in unserer Erinnerung behalten sollten.”

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