Local Heroes (Vol. 15): Ganjaman

Ich gebe es unverholen zu, der kleine Einblick in das Nachtleben der Autorin am vergangenen Montag dürfte für einige zart besaitete Seelen etwas brachial angemutet haben. Barsche Klänge und aggressive – wenn nicht gar mürderische – Stimmen flogen uns da entgegen und die dazugehürigen Texte waren auch nicht für einen

gnai.jpgIch gebe es unverholen zu, der kleine Einblick in das Nachtleben der Autorin am vergangenen Montag dürfte für einige zart besaitete Seelen etwas brachial angemutet haben. Barsche Klänge und aggressive – wenn nicht gar mürderische – Stimmen flogen uns da entgegen und die dazugehürigen Texte waren auch nicht für einen Kaffeeklatsch mit den Großeltern bestimmt.

Zum heutigen Wochenstart soll es deshalb etwas ruhiger zu gehen. Die Klänge werden sanfter, wenn auch nicht weniger energiegeladen, die Kehle des Interpreten verspricht mehr Wohlgefallen, aber textlich gesehen geht es dabei sicherlich nicht ganz so heimelig zu, wie nun zu erwarten wäre…

“Schließ’ dich uns an, egal ob Frau ob Mann”

Ganjaman lautet der Künstlername unseres neuen “Helden”. In der Reggae-Szene schon lange kein Unbekannter mehr, tummelt er sich doch nicht nur in der Clubregion, sondern auch auf den großen Festivalbühnen der Republik. Ob im, für die Autorin heimischen, AKW oder beim Chiemsee Reggae-Festival. Nicht zum ersten Mal ist mir der sympathische Reggae- und Dancehallvertreter im Dunstkreis von House of Riddim, Nosliw, Natty Flo und Co. aufgefallen. Und das nicht ohne Grund: “(…) lass alles liegen und stehen reih´ dich bei uns ein/ denn wir werden bald gehen und wir gehen nicht allein/ vertrau deinem Herzen denn die Freiheit ist dein/ und ich schwür´ bei meinen Leben du wirst nie mehr alleine sein/ kein Sturm kann uns stoppen denn wir halten zusammen/ verbunden durch die Liebe ein ganzes Leben lang/ es lohnt sich zu kämpfen bitte glaube daran denn die Freiheit gehürt den Menschen deshalb schließ dich uns an/egal ob Frau ob Mann Oma Opa oder Kind/ wir zeigen den Blutsaugern wie mächtig wir sind (…)”, diese pathetisch anmutenden Zeilen seines Songs “Sonne“, den er zusammen mit Junior Randy eingespielt hat, verheißen schon beim ersten Hinhüren, dass hier mehr zu erwarten ist als eitel Sonnenschein.

Zwar sorgt der in einem besetzten Berliner Haus aufgewachsene Künstler, der seiner Heimat weiterhin treu geblieben ist, bei seinen Konzerten stets für die nütige gute Laune, doch wenn aufmerksame Zuhürer von einer gewissen Assoziation zu mitreißenden Predigten sprechen, ist dies sicher nicht von der Hand zu weisen. Kritik an Gesellschaft und Politik in deutscher Sprache, verbunden mit der Aufforderung doch einmal selbst den eigenen Kopf zu benutzen – so künnte das Anliegen des Multi-Instrumentalisten, Produzenten und Labelinhaber großflächig umschrieben werden. Von dem, entgegengesetzt zum Namen, weniger Dope-Lyriks, als umso mehr knallharte Statements zu erwarten sind, die live – ganz zur Freude der Massive – sogar noch etwas schärfer ausfallen dürfen.

Musik als ideale “emotionale Trägersubstanz” für seine Botschaften

… so bezeichnete er einmal selbst seine Intention. Und diese wiederum verweist deutlich auf Grüßen wie Sizzla, Anthony B, Capleton oder etwa die Gladiators. “Seine Mission ist die Liebe, seine Botschaften sind sozialkritisch und spirituell. Der Wahlberliner und gläubige Rastafari hat sich mit seinem Conscious Dancehall dem Kampf gegen das imperialistische Babylon verschrieben”, wer so angekündigt wird, der kann eigentlich schon gar nicht mehr enttäuschen und sei der “Weg auch noch so steinig und so hart“.

Doch nach seinem Debüt “Resonanz” (2002) und dem Sampler “Brandstifter” (2003), ebnet er in diesen Tagen seinen eingeschlagenen Weg etwas weiter. Das neue Album, mit der dazugehürigen Tour von Ende März bis Ende April nächsten Jahres, steht zwar mit seinem Erscheinungsdatum am 7. März 2008 noch nicht unmittelbar in den Startlüchern, doch Freunde seiner Musik künnen sich schon in wenigen Wochen auf zwei Singleauskopplungen freuen. Diesmal mit dabei: Phenomden, Irie Revoltes, Junior Randy, Mr. Reedoo von Culcha Candela und zum Beispiel Uwe Banton.

Wahrscheinlich ist dies dann zwar wieder nichts für die Großeltern zu Hause, doch auch diesmal hoffe ich, den Musikgeschmack meiner Leser getroffen oder vielleicht etwas erweitert zu haben. Und eines sei versprochen: Die Reise durch das Nachtleben der Autorin geht weiter…

Einen ersten Vorgeschmack auf Ganjaman gibt es für Euch jedoch an dieser Stelle mit seinem Titel “Columbus” aus seinem schon etwas älteren, aber deswegen nicht minder guten Erstling:

Doch, wer mehr auf Performance und weniger auf einzelne Songsvideos erpicht ist, der kann sich nun auf einen kleinen Einblick in das Live-Geschehen freuen…

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