Ein Possenspiel mit ernstem Hintergrund ereignete sich dieses Wochenende in St. Petersburg. Bei einer gegen Rassenhass und Faschismus gerichteten Demonstration kam es zu kleineren Konflikten mit Nationalisten sowie einer Gruppe von Unterstützern der Kreml-Partei “Einiges Russland” * “Ð•Ð´Ð¸Ð½Ð°Ñ Ð Ð¾ÑÑиє. Eine Beschreibung des Geschehenen liefert tiefe Einblicke in die gegenwärtige Misere der außerparlamentarischen Opposition in Russland.
Der “Marsch gegen den Hass” war dem Gedenken an den 2004 ermordeten Menschenrechtler und Ethnologen Nikolai Girenko * Ðиколай Гиренко gewidmet, der aktiv gegen Rassismus, Xenophobie und Faschismus auftrat. Nach unterschiedlichen Medienberichten nahmen daran zwischen 800 und 1.500 Personen teil. Organisiert worden war der Demonstrationszug von der Partei Jabloko * Яблоко und einer Antirassismus-Bewegung. Aber auch andere liberale und oppositionelle Gruppen von der SPS * CПC über Kasparows Bürgerfront * Объединённый гражданÑкий фронт bis hin zu einem Block Anarchisten nahmen daran teil.
Zur Verwunderung der Organisatoren stieß bei der Auftaktkundgebung auch eine etwa 200 Küpfe zählende Gruppe der “Jungen Garde”, der Jugendorganisation der Kreml-Partei “Einiges Russland” hinzu.
Die Kreml-Jugend wurde von den Organisatoren als ungeladene Gäste betrachtet. Daher zügerte man nicht lange und bat die Ordnungsmacht jene, als “Eindringlinge aus einer extremistischen Organisation” bezeichnete Gruppierung aus den Reihen der Demonstration zu entfernen. Die Miliz handelte tatsächlich dementsprechend und gestattete den Putin-Anhängern lediglich dem Ende des Demonstrationszuges ohne Flaggen und Transparente zu folgen. Auch ein versuchter Angriff durch etwa 15 aggressiv gestimmte Jugendliche auf den Demonstrationszug wurde durch die mitziehenden Polizeieinheiten unterbunden.
Provokateure verteilten währenddessen unter den Demonstranten gefälschte SPS-Werbezettel, in die Präservative eingelegt waren, eine Anspielung auf die unterstellten homosexuellen Neigungen des SPS-Führers Nikita Bjelych * Ðикита Белых . Anlass für diese Art der niveaulosen Provokation war eine Reise des verheirateten, dreifachen Vaters zur Gay-Parade in Amsterdam. Danach kam es noch zu vereinzelten Stürungen durch Nationalisten, welche mit russisch-imperialen Fahnen wedelnd den “Ruhm Russlands” begrühlten.
Bei der Abschlusskundgebung bezeichneten Vertreter von Jabloko und SPS die wachsende Fremdenfeindlichkeit als Teil des “Putin-Plans” und forderten die Teilnehmer auf, bei den Duma-Wahlen für ihre Parteien und gegen Putin zu stimmen – was wiederum in den Reihen der radikalen Antifa-Aktivisten auf Protest stieß. Diese skandierten lautstark die Losung des Tages: “Wählt oder wählt nicht – es ändert sich nichts!” Mit diesem Schlusswort lüste sich die Versammlung auf und man ist geneigt zusammenzufassen, dass jedes Volk wohl auch die Opposition hat, die es verdient.
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Photo Quelle/ Copyright: fontanka.ru (screenshot)
Wenn Parteien wirklich etwas bewirken würden -
hätte man sie längst verboten.
(Alter Sponti-Spruch)
Wie das mit der NPD zusammenpaßt, wo bekanntlich jeder siebte Leitungsfunktioner einer vom Verfassungsschutz ist und fleißig für mediale Action sorgt, vor Wahlen hier oder im befreundeten Ausland, das weiß ich leider auch nicht. Den Reisebussen der NPD-Neo-Nazi-Darsteller wünsche ich weiterhin gut vom VS-bezahlte Inspektionen, damit sie überall, wo Kameras sind, ihre Trommeln schaurig schlagen künnen, die immer gleichen – vor immer gleichen privaten TV-Kameras…