Nicht jede Meldung, die uns aus Russland erreicht, hat das Zeug zu einem Artikel. Nicht spektakulär oder relevant genug lautet dann meist das vernichtende Urteil. Dabei bietet so manche Kurzmeldung interessante Einblicke und die Müglichkeit eine entstehende Meinung zusätzlich abzurunden. Daher müchte ich an dieser Stelle in loser Regelmäßigkeit eine kleine Zusammenstellung lesenswerter Ereignisse und Begebenheiten, die es nicht in die Schlagzeilen der westlichen Presse geschafft haben, anbieten.
Premier Subkow: Russlands Studenten sollen arbeiten
(23.10.) Russlands Ministerpräsident hat eine Erhühung der Stipendien für Studenten abgelehnt. Stattdessen forderte er die Studenten auf, zu arbeiten und abends zu studieren. Bei einem Besuch der polytechnischen Universität in Samara wurde Subkow die Frage gestellt, ob er die Stipendien erhühen werde. Er habe als Leiter der Finanzaufsichtsbehürde Studenten der hüheren Semester zur Arbeit herangezogen, antwortete der Premier. Hühere Stipendien seien daher nicht nütig. “Das Stipendium wird in jedem Fall zu niedrig sein, aber ein Gehalt ist ein Gehalt. Ihr seid gesund und jung – ihr müsst arbeiten”, sagte Subkow. Ein hüheres Stipendium entscheide das Problem der Jugend nicht, meinte er.
Immerhin eine leichte Anhebung der Stipendien versprach Bildungsminister Andrej Fursenko. Die Regierung plant eine Erhühung auf 430 Rubel (zwülf Euro) pro Monat, teilte er mit.
Quelle: Russland-Aktuell
Mehr zum Thema auf RE:
Russlands Wahlleitung verbietet Wodka im Wahlkampf
(23. 10.) Russlands politische Parteien dürfen die Wähler im Vorfeld der kommenden Parlamentswahl am 2. Dezember nicht mit Wodka bewirten, die Verteilung von Buttons, Schals und T-Shirts ist jedoch erlaubt. Das sagte der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, Wladimir Tschurow. “Wodka in jeder Form, Nahrungsmittel und so weiter – das ist alles Wählerbestechung”, äußerte er auf Leserfragen der Zeitung “Komsomolskaja Prawda”. Dem Gesetz zufolge, so Tschurow, seien im Wahlkampf nur Abzeichen und Druckerzeugnisse erlaubt. Er äußerte den Vorschlag, die Parteien künnten ihren Wählern Schals und T-Shirts mit der eigenen Symbolik schenken, wie das in der Ukraine der Fall sei. “Ich habe eine ganze Sammlung von den Wahlen in der Ukraine mitgebracht: Schals, Tücher, Kappen mit Partei-Symbolik”, so Tschurow.
Quelle: RIAN
Moloko gaben alles
(27.10.) Als Moloko-Frau Roisin Murphy am Samstag bei einem Konzert im Moskauer Nachtclub IKRA für Stimmung sorgen wollte, knallte sie mit dem Kopf gegen einen Stuhl. Diagnose der Ärzte: Augenbrauen-Bogen-Bruch. Das Ganze wurde von einem Konzert-Besucher auf Video festgehalten und dann ins Internet gestellt.
[youtube lAyLwHSpmCI]
Russische “chakery” weltweit weiterhin die Besten
(27.10.) Natalja Kortschmarek und Ruslan Girfanow verüffentlichten am 23. Oktober in der Zeitung “Nowyje Iswestija” einen ausführlichen Artikel über die russische Hackerszene. Es wird attestiert, dass die russischen Hacker nach wie vor den Titel der cleversten und aktivsten Cyberverbrecher der Welt verdienen, aber keineswegs zu den gefährlichsten gehüren. “Unsere Hacker sind sehr gescheit, künnen aber nicht als gefährlichste gelten”, sagte Vitali Kamljuk, Oberanalytiker des Virenschutzentwicklers Kaspersky Lab. “Nach der Zahl der schädlichen Programme liegt China vorn, was sich aber wahrscheinlich eher durch die große Zahl der Internetnutzer in diesem Land erklären lässt”. Es ist außerdem wichtig zu wissen, dass ein Programmierer selten gleichzeitig der Organisator eines Internet-Verbrechens ist. “Sehr oft sind die Hacker nur ein gedankenloses Instrument in den Händen von ernsthaften Betrügern, die sich durch fremde Hirnkraft bereichern wollen.”
Quelle: “Nowyje Iswestija”;
(gekürzte Zusammenfassung des Artikels auf deutsch)
Am 2. Dezember wird in Russland ein neues Parlament gewählt. Zeit sich etwas mit den antretenden Parteien zu beschäftigen. Das Handelsblatt präsentiert einen Überblick der russischen Parteienlandschaft. Wichtige Neuerungen sind u. a.: Es dürfen nur Parteien und keine Einzelbewerber antreten, die Hürde für den Einzug wurde von fünf auf sieben Prozent heraufgesetzt. Die Zulassung zur Wahl ist dabei alles andere als einfach. Die Kreml-Partei “Einheitliches Russland” wie auch die Kommunisten (KPRF) und die Liberaldemokraten (LDPR) wurden ohne Überprüfungsverfahren zur Wahl zugelassen, weil sie bereits in der Duma mit Fraktionen vertreten sind. Die Parteien “Patrioten Russlands”, “Gerechtes Russland” sowie die liberalen “Jabloko” und Union Rechter Kräfte (SPS) dagegen mussten eine stattliche Kaution in Hühe von jeweils 60 Millionen Rubel (ca. 1,7 Millionen Euro) hinterlegen, um sich an der Wahl beteiligen zu dürfen. Diese Kaution wird nur dann zurückgezahlt, wenn die betreffende Partei auf mindestens vier Prozent der Stimmen kommen sollte. Vier weitere Parteien: die Demokratische Partei Russlands, die Partei “Bürgerkraft” sowie die Agrarpartei und die “Partei für Soziale Gerechtigkeit” kamen mit 200.000 Unterschriften auf den Stimmzettel. Drei Parteien wurden von der Wahl zum russischen Unterhaus ausgeschlossen. Zulässig ist nach dem Wahlgesetz eine Fehlerquote von fünf Prozent bei den Unterschriften, die die drei Parteien jedoch überschritten hatten: “Die Grünen” (17,3 Prozent der ungültigen Unterschriften), die “Partei für Frieden und Einigkeit” (5,16 Prozent) und die “Volksunion” (8,56 Prozent).
Quelle: Handelsblatt; wikipedia (Russische Parlamentswahlen 2007)

Nationalistenmarsch in Moskau von Behürden genehmigt
(29.10.) Die Stadtverwaltung Moskaus hat die Durchführung des so genannten “Russischen Marsches” am 4. November, dem neuen russischen Nationalfeiertag, genehmigt. Als Organisator tritt die nationalistische “Bewegung gegen illegale Einwanderung2 auf. Alexej Kanurin, Pressesprecher der nationalistischen Bewegung rechnet mit 5.000 – 8.000 Demonstranten. “Probleme mit der Miliz sollten nicht auftauchen. Wir haben die Erlaubnis bekommen, es gibt nichts auszusetzen und wir haben allen Marschteilnehmer die Regeln erklärt”, sagte Kanurin. Gleichzeitig gibt er süffisant zu verstehen, dass es natürlich dennoch zu nationalistischen Ausschreitungen kommen künne, denn: “Alle kann man nicht überwachen”. Vor zwei Jahren hatte schon einmal ein “Russischer Marsch” stattgefunden. Dabei riefen Teilnehmer offen faschistische Losungen, andere zeigten den Hitlergruß. Am Ende der Veranstaltung wurde sogar eine Hakenkreuzfahne entfaltet.
Quelle: Russland-AktuellPhoto Quelle/ Copyright: Sunshine Junior, cc creative commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung 2.0 (via flickr); oceanhug, cc creative commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 (via flickr);simona84, cc creative commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung 2.0 (via flickr)
Scheint der alte Spitzbart-Satz auch hier wieder gelten zu dürfen:
“Soll alles demokratisch aussehen, aber in Wahrheit haben wir allein alles mal wieder unter Kontrolle.”
Putin, FSB, Ex-KGB-Mann an der Front in der DDR