Matt im Ring: Schachbox WM in Berlin – “Wunderbares Frustrationstraining”

Boxen und Schach zusammen in einer Disziplin – sicher eine der größten sportlichen Herausforderungen! Am Samstag kämpfen ein Deutscher und ein Amerikaner in Berlin um den Schachbox-Weltmeisterschaftstitel im Halbschwergewicht. Ich sprach mit Andreas Dilschneider, Pressesprecher der WTBO, Schachtrainer des CBC Berlin und selbst teinehmender Kämpfer der Schachbox-Europameisterschaften vor zwei Jahren.

dfsdfs.jpgBoxen und Schach zusammen in einer Disziplin – sicher eine der größten sportlichen Herausforderungen! Am Samstag kämpfen ein Deutscher und ein Amerikaner in Berlin um den Schachbox-Weltmeisterschaftstitel im Halbschwergewicht. Ich sprach mit Andreas Dilschneider, Pressesprecher der WTBO, Schachtrainer des CBC Berlin und selbst teinehmender Kämpfer der Schachbox-Europameisterschaften vor zwei Jahren.

RE: Sollte man als Schachboxer dem Gegner nicht immer auf die Augen schlagen, damit diese zuschwellen und er irgendwann das Schachbrett nicht mehr erkennen kann?

Dilschneider: Grundsätzlich ist es das Ziel im Boxen, den Gegner im Gesicht zu treffen. Da die Augen im Gesicht sind, trifft man eben auch auf die Augen. Allerdings muss man dazu sagen, dass wir mit 12 Unzen Boxhandschuhen arbeiten und nicht mit 10 Unzen Boxhandschuhen, die sind also ein bisschen weicher. Und wir boxen ja auch nach Amateurboxregeln, d.h. es wird nicht so lange geschlagen, bis einer der beiden Gegner am Boden ist, sondern da wird schon bei Schlagwirkung im Amateurboxen angezählt. Das heißt, bei uns wird es nicht dazu kommen, dass die Augen so stark zuschwellen, dass man das Schachbrett nicht mehr sieht.

RE: Wenn man so oft einen Faustschlag mitten ins Gesicht bekommt wie beide Kontrahenten, kann man dann überhaupt eine gute Schachpartie erwarten?

dsgdf.jpg

Dilschneider: Es ist definitiv so, dass die Qualität im Schach natürlich beeinträchtigt ist. Es ist aber nach wie vor ein sehr gutes Schach das gespielt wird. Die Partien kann man übrigens im Internet nachspielen unter wtbo.org stehen die Partien, teilweise auch kommentiert, online.

RE: Wie wird gewährleistet, dass der Trainer dem Schachboxer in der Ringecke nicht irgendeinen genialen Schachzug zuflüstern kann?

Dilschneider: Erstmal haben wir da sehr strenge Kriterien. Schachtrainer und Boxtrainer sind ganz klar voneinander getrennt. Zweitens haben die Kämpfer während den Schachrunden Headsets auf, wodurch auch sichergestellt ist, dass sie nichts von der Schachkommission hören und auch nichts von den Zuschauern. Und wir haben auch noch jeweils in den Ringecken Aufpasser, die darauf achten, dass in den Ringpausen sowohl vom Boxtrainer als auch vom Cutman nichts über Schach gesprochen wird.

RE: Würden Sie allen frustrierten Schachspielern raten sich beim Schachboxen anzumelden, um endlich einmal ihrem Gegner die geistige Überlegenheit heimzuzahlen?

Dilschneider: Grundsätzlich ist es so, dass Boxen ein wunderbares Frustrationstraining ist. Man kann wunderbar seine Hormone abbauen bei dem Sport. Insofern würde ich natürlich allen frustrierten Schachspielern raten, zum Schachboxen zu kommen. Sie müssten dann natürlich ihren Gegner mitbringen, gegen den sie verloren haben, um es ihm heimzuzahlen. Aber es geht beim Schachboxen um Kontrolle von Aggression und auch darum natürlich, die Aggression im Training rauszulassen. Insofern rufe ich gerne alle frustrierten Schachspieler auf, zu uns zu kommen.

RE: Was kommt häufiger vor, ein technisches KO oder ein Schachmatt im Ring?

Dilschneider: Bis jetzt wurden alle Schachboxmeisterschaften im Schach entschieden – entweder durch Zeitüberschreitung oder durch Schachmatt oder durch Aufgabe einer von beiden Gegnern. Ein Knockout gab es bis jetzt nicht.

RE: Wie sieht die typische Karriere eines Schachboxers aus – landen eher die schlechten Schachspieler beim Boxen oder die schlechten Boxer irgendwann beim Schach?

Dilschneider: Wir haben sowohl gute Schachspieler als auch gute Boxer. Nur als Beispiel: wie hatten bei dem Europameisterschaftskampf vor zwei Jahren schon Dovramadjiev im Ring, der immerhin schon Kasparow im Blitzschach besiegt hat. Unsere Boxer haben heutzutage im Schnitt ungefähr 30 bis 50 Amateurkämpfe hinter sich, das heißt von schlechten Boxern kann man da auch nicht sprechen und sie haben auch alle positive Bilanzen. Die typische Karriere sieht so aus, dass wir eigentlich in der Mehrzahl Leute haben, die aus dem Boxbereich zum Schachboxen kommen. Wir haben aber auch Leute, die keine von beiden Disziplinen bis jetzt gemacht haben und einfach die Kombination von beidem toll finden.

RE: Worauf kommt es beim Schachboxen besonders an?

fdgdfgd.jpg

Dilschneider: Beim Schachboxen kommt es besonders darauf an, den schnellen Wechsel von der extremen körperlichen Belastung hin zur absoluten mentalen Ruhe hinzubekommen. Wichtig ist: man kommt aus dem Boxen vor allem mit einem sehr hohen Adrenalinspiegel. Den muss man ins Schachspiel integrieren können.

RE: Wie viele Kämpfe muss man bestritten haben, damit man um die Weltmeisterschaft boxen darf?

Dilschneider: Die Anforderungen steigen immer mehr. Man hat, wie erwähnt, ungefähr 30 bis 50 Amateurkämpfe hinter sich und muss ein geschätztes ELO-Rating von ungefähr 1600 bis 1700 aufwärts vorweisen können (ELO-Zahl = Wertungssystem, das die Spielstärke von Schachspielern bestimmt, d. Red.).

RE: Wie hoch ist das Preisgeld?

Dilschneider: Das Preisgeld ist bei diesem Kampf am Samstag 500 Euro für den Sieger und 250 Euro für den Verlierer.

RE: Das kann man also nicht so richtig vergleichen mit der Höhe der Preisgelder im normalen Profiboxkampf, oder?

Dilschneider: Die normalen Profikämpfe, wo es um reine Rating-Kämpfe geht, also praktisch die Kämpfe, die Du nicht im Fernsehen siehst, die bekommen 800 Euro für einen Kampf. Also natürlich, mit den Millionenbörsen für die großen Weltmeisterschaftskämpfe wie etwa von Klitschko, ist das nicht vergleichbar. Ich habe aber schon Profiboxer getroffen, die gesagt haben, dann wechsel ich zum Schachboxen, da bekomme ich letzten Endes mehr.

RE: Wie beurteilen Sie die Chancen von Frank “Anti Terror” Stoldt für den Weltmeisterschaftskampf am Samstag?

Dilschneider: Er rechnet sich gute Chancen aus, ganz einfach weil er schon sehr erfahren ist, er hat schon drei Kämpfe gemacht, und er geht davon aus, dass er den Kampf gewinnt.

fddfgd.jpg

.

.

.

.

.

.

.

.

.

Interview: Felix Kubach

- – -

Zu den Kämpfern:

David Depto („DOUBLE D“)

Geburtsort: San Francisco
Alter: 30 Jahre
Gewicht: 85 Kg
Boxerfahrung: 30 Kämpfe
Schach-ELO Rating: 1850
Beruf: studierter Ökonom, Manager eines großen Industriekonzerns aus dem Pharmaziebereich

„ANTI TERROR“ Frank Stoldt

Geburtsort: Berlin
Alter: 36 Jahre
Gewicht: 84,5 Kg
Boxerfahrung: 25 Kämpfe, Berliner Kickboxmeister
Schach-ELO Rating: 2000
Beruf: Polizist, zur Zeit Ausbilder Polizeikräften im Kosovo im Auftrag der Vereinten Nationen

Quelle: www.cbcberlin.de

Spielregeln:

“Ein Schachboxkampf sieht elf Runden vor, sechs vierminütige Runden für eine Blitzschachpartie, bei der jeder Spieler insgesamt zwölf Minuten Bedenkzeit hat, und fünf zweiminütige Boxrunden. Dabei wechseln sich Schach und Boxen regelmäßig ab, jeweils unterbrochen von einer 60-sekündigen Pause zum Umziehen. Der Wettkampf kann durch einen technischen Knockout oder Schachmatt bzw. Ablauf der Schachzeit beendet werden, bei einem Unentschieden entscheiden die Punktrichter. Endet auch der Boxkampf unentschieden, so gewinnt der jenige, der beim Schach mit den schwarzen Steinen gespielt hat.”

Quelle: wikipedia

Der Kampf findet am Samstag, dem 3. November um 20.00 Uhr, nach zwei Vorkämpfen in den Lagerhallen des Tape (Heidestrasse 14, Berlin) statt. Es gibt noch Stehplatzkarten an der Abendkasse (15 Euro).

Mehr Info:

www.cbcberlin.de

www.wcbo.org

- – -

Photo 2 und 3 Quelle/ Copyright: Sascha Pohflepp, cc creative commons, Namensnennung, (via flickr)

Photo 4 Quelle/ Copyright: wikipedia.org (GNU Free Documentation License, Version 1.2)

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.