Krise an den Finanzmärkten, Irak, Iran, Einwanderung – die Amerikaner stehen vor vielen und großen Herausforderungen. Dementsprechend birgt auch der US-Präsidentschaftswahlkampf eine Menge Zündstoff. Ganz oben auf der Agenda findet sich aber bei nahezu allen Kandidaten noch ein weiteres Thema: Klimawandel. Vor allem die Demokraten überschlagen sich mit immer neuen Vorschlägen, was gegen den globalen Temperaturanstieg zu tun sei.
Der aktuelle Springinsfeld aus der illustren Reihe der Kandidaten ist John Edwards. Edwards, jung, telegen und bereits vor vier Jahren für die Demokraten angetreten, bezeichnete die Erderwärmung am Samstag ganz pathetisch als “einen großen moralischen Test.”
“Warum haben wir den Klimawandel bislang nicht bekämpft?”, so der 54-Jährige auf einer Wahlkampfveranstaltung in New Orleans. “Ich kann euch sagen warum, ganz klar: Es sind die Öl-, Gas-, Energieunternehmen und die Lobbyisten in Washington D.C. Wir brauchen einen Präsidenten, der es mit diesen Leuten aufnimmt.”
Riesiger Rückstand auf Clinton
Angesichts des laut Umfragen riesigen Rückstandes aller demokratischen Anwärter auf Hillary Rodham Clinton dürften auch derart populistische Appelle Edwards Kampagne nicht mehr retten. Am Dienstag hatte dieser Rodham Clinton bereits scharf attackiert und gesagt, sie “verteidigt in Washington ein kaputtes, korruptes System.”
Auch die ehemalige First Lady mahnt Anstrengungen im Bereich der erneuerbaren Energien und eine größere Energieeffizienz von Autos an, befürwortet außerdem die Etablierung eines nationalen Emissionshandels. Im Vergleich zu einigen ihrer demokratischen Konkurrenten erscheint sie aber eher als moderat.
Die liberale Graswurzel-Bewegung MoveOn.org, in den USA aufgrund ihres starken Linksdralls höchst umstritten, hat sich daher bereits die Mühe gemacht, eine Übersicht über die Standpunkte aller Kandidaten in punkto Klimawandel zusamenzustellen. Auch die New York Times widmet dem Thema eine höchst ausführliche Seite auf der eigenen Homepage. Die Erderwärmung ist dabei eines von fünf Themen, zu denen die NYT Daten und Zitate zusammengetragen hat. Die anderen vier: Abtreibung, Gesundheitssystem, Immigration und Irak.
Bloomberg will Umweltsünder zur Kasse bitten
Vor dem Weißen Haus hört das Engagement der amerikanischen Volksrepräsentanten aber nicht auf. Auch New Yorks Oberbürgermeister Michael Bloomberg, dem ebenfalls immer wieder mal Präsidentschaftambitionen nachgesagt werden, tat sich am Wochenende mit drastischen Vorschlägen hervor. “Wenn man die CO2-Emissionen wirklich verringern will, muss man Kohlendioxid an der Quelle besteuern, also direkt in der Mine, an der Ölquelle usw.”, so Bloomberg auf einem Klimagipfel von mehr als 100 US-Bürgermeistern in Seattle.
Sein konkreter Vorschlag: Auf jede Tonne CO2, die ein Unternehmen ausstößt, muss es 15 US-Dollars zahlen. Mit den Einnahmen könne man unter anderem Steuern senken, etwa für Konzerne, die ihre Emissionswerte verbessern. Eine ähnliche Idee hatte zuvor bereits Präsidentschaftskandidat Chris Dodd, Demokrat und absolut chancenlos, angeregt. Freiwillige Selbsteinschränkungen, wie von George W. Bush favorisiert, hält Bloomberg dagegen für sinnlos: “So etwas ist zum Scheitern verdammt – wie freiwillige Tempolimits.”
(S.W.)
Photo Quelle/ Copyright: Randy Bayne, cc creative commons, Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung 2.0, (via flickr)
John Edwards über den Klimawandel (19. Juni 2007):
[youtube GPjOTYeO1nI]
Schwarzenegger und Bloomberg auf gemeinsamer Mission:
[youtube CUD9I7QVvKg]
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