Ein anderer “deutscher Herbst”(IV): DDR knattert mit MZ und Trabi in den Westen

- Mit dem MZ-Gespann gen Westen… Photo: screenshot (via motoroute.de)
“Liebe MZ-Freunde, das Ergebnis der NDR Online-Abstimmung ‘Die beliebtesten Motorräder des Nordens’ wurde verkündet und ist unschlagbar gut. 1. Platz: MZ ETZ 250, 2. Platz: MZ ES 250/2 Trophy”, las man im August 2007 auf den Internet-Seiten der Motorrad- und Zweiradwerke (MZ) aus Zschopau.
Regina Herrmann aber hatte sich für ihren ersten Hannover-Besuch im Jahre 1989 nicht auf eine MZ geschwungen, sie war mit dem Zug gefahren. Auf Zug und Bus musste man schon zu SED-Zeiten nicht so lange warten wie auf einen Trabi oder eine MZ. Die Zweiräder aus Sachsen waren bei jungen DDR-Leuten so heiß begehrt wie die rollende Wellpappe bei Erwachsenen, unzählige MZs knatterten im November 1989 über Wald- und Feldwege durch den Harz, passierten die Bauwagen der Volkspolizei an der Grenze und knatterten fröhlich nach Goslar, Bad Harzburg oder Sankt Andreasberg, Zweitakt-Töffs-Töffs gehörten ebenfalls zum Straßenbild der Bundesrepublik Deutschland.
Postsozialistische Völkerwanderung
Das Bundesinnenministerium zog am 2. Dezember 1989 eine Zwischenbilanz der postsozialistischen Völkerwanderung: Mehr als zehn Millionen DDR-Bürger hatten inzwischen einen West-Ausflug gemacht, 300.000 kehrten nicht wieder zurück.
Die DDR war der SED davongefahren, wieder trat das Politbüro zurück, das Zentralkomitee schloss sich an, Egon Krenz verlor alle Parteiämter, blieb aber noch Staatsratsvorsitzender, Erich Honecker, Willi Stoph und Erich Mielke flogen aus der SED und hatten unversehens ein Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauch und Korruption am Hals.
Die Partei hatte nicht mehr immer Recht, die Volkskammer strich den seit 40 Jahren geltenden Führungsanspruch der SED aus der Verfassung. Ein Land schüttelte sich, kniff sich selbst und war nicht mehr zu bremsen, nicht mehr per Zug, Bus, Trabi oder MZ, auch nicht mehr per Angst vor Spitzeln. Tausende stürmten am 5. Dezember 1989 das Dresdner Gebäude der Staatssicherheit und verhinderten so die Vernichtung von Akten. Auch in anderen Städten kontrollierte das Volk die bisherigen Kontrolleure.
Erich Hoenecker als Häftling
Erich Honecker musste Häftlingskleidung tragen - zumindest auf einem Plakat, das ein Demonstrant im Dezember 1989 in den Abendhimmel von Leipzig hielt und hinter ihm leuchtete das “ND”, das 40 Jahre lang als Zentralorgan der SED angeblich nicht geahnt hatte, dass mehr als etwas faul war im Staate DDR und nun per Leuchtschrift behauptete “Neues Deutschland immer dabei”.
Das “Neue Deutschland” leuchtete noch in den Nachthimmel, der “Schwarze Kanal” von Karl-Eduard von Schnitzler ist jedoch am 30. Oktober 1989 zugeschüttet worden. Montagabend für Montagabend landete bis dahin ein zerrupfter Bundesadler auf der DDR-Fernsehantenne und ein Mann mit dicken Brillengläsern schnippelte sich aus Westfernseh-Ausschnitten eine neue Ost-West-Realität zusammen.
Setze Arbeit als Kommunist fort
Von seinem Publikum, das ihn mehrheitlich “Sudel-Ede” nannte, verabschiedete er sich mit den Worten: “In diesem Sinne werde ich meine Arbeit als Kommunist und Journalist für die einzige Alternative zum unmenschlichen Kapitalismus fortsetzen, als Waffe im Klassenkampf zur Förderung und Verteidigung meines sozialistischen Vaterlandes. Und in diesem Sinne, meine lieben Zuschauerinnen und Zuschauer, liebe Genossinnen und Genossen: Auf Wiederschauen.”
Dazu würde es nicht kommen, war der Leipziger Uwe Bauer sicher, als er sich seine Notizen über das Zeitgeschehen machte: “Die Menschen lassen sich nicht mehr zum Narren halten. Das Volk der DDR ist nach 40 Jahren verordneten Schlafes aufgestanden und die Gewaltlosigkeit ist es, die die zum Schlag erhobene Hand der Staatsmacht lähmt.”
Die SED ist mittlerweile rekordverdächtig, wenn es um die Zahl der Rücktritte geht. Egon Krenz nimmt nach 44 Tagen als Staatsratsvorsitzender seinen Hut.
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- Ja, er lebt noch, er lebt noch…











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