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Kultur

Spannen erwünscht…

Mittwoch, den 7. November 2007 um 12:48 Uhr von Corwin
Faszination Fotografie vereint in einem historischen Gebäude. Photo: Andreas Preuß (pixelquelle.de)

… So zumindest könnte der Leitspruch des Leipziger Kamera- & Fotomuseums heißen, das gerade seine 78. Ausstellung “Die Ästhetik der Lüste V” präsentiert. Zum fünften Mal seit 1996 zeigt das kleine urige Museum in Mölkau in dieser Ausstellungsreihe verschiedene Positionen der zeitgenössischen erotischen Fotografie auf.

Am 19. August 1989, zum 150-jährigen Jubiläum der Fotografie, wurde das Museum eröffnet. Damaliger Inhaber, Fotograf und Kamerahistoriker Peter Langner trug in 20-jähriger Sammlertätigkeit etwa 600 historische Kameras, Zubehör und historische Fotografien zusammen. Gemeinsam mit seiner Frau haben beide ein baufälliges 160 Jahre altes Fachwerkhaus durch Eigenleistung zum Museum ausgebaut und eingerichtet. Das war ein ungeheures Ereignis in der damals noch real existierenden DDR, denn die Museumsgründung war eine private Initiative und brach mit dem staatlichen Monopol über derartige Einrichtungen. Seither hat das Museum schon viele Arbeiten bekannter Fotografen ausgestellt, dazu zählen unter anderem Jan Saudek, Horst P. Horst und selbst Aufnahmen des legendären Helmut Newton waren hier zu sehen.

Außerdem gibt es die technischen Neuheiten aus den Zeiten von Sherlock Holmes zu bestaunen; zum Beispiel über 100 Jahre alte Geheimkameras für Detektive, mit denen man aus der Taschenuhr, dem Spazierstock oder dem Knopfloch heraus fotografieren konnte.

Schon bevor man einen Fuß in das kleine weiße Fachwerkhaus in der Gottschalkstraße 9 setzt, fühlt man sich wie in eine andere Zeit versetzt.

Das Umfeld des Leipziger Vorortes Mölkau wirkt wie ein kleines gemütliches Städtchen, in das der Wahn der Moderne noch keinen Einzug gehalten hat. Tritt man über die Schwelle der kleinen engen Haustür, erwartet einen eine ältere Frau mit herzlichem Lächeln an einem kleinen Tisch, auf dem eine Kasse und ein paar Eintrittskarten liegen. Schon hier befindet man sich mitten in der Ausstellung und kann sofort damit beginnen, alte historische Kameras aus Opas und Uropas Zeiten zu bewundern. Die Räume sind klein und niedrig, eine neuzeitliche Raumausstattung sucht man hier vergebens.

Bewegt man sich weiter auf dem knarrenden Holzfußboden, gelangt man vorbei an einer Holztreppe zu einer kleinen Kammer, in der man sich einen Überblick verschaffen kann, wie die Meister des Lichts damals ihre Fotos entwickelt haben. Im den Zimmern nebenan kann man dann historische Fotos verschiedener Zeiten bewundern.

Geht man die kleine enge Holztreppe in der Hausmitte nach oben, so gelangt man zu weiteren Räumen, in denen es ständig wechselnde Ausstellungen gibt. Derzeit sind hier die erotischen Visionen von 14 herausragenden Künstlern aus Deutschland, Frankreich, Tschechien, Japan und der Schweiz zu sehen. Neuentdeckungen in der internationalen Fotoszene sind der Tscheche Antonin Tesar und Lionel Bayol – Thémines aus Frankreich. Die Ausstellung thematisiert die Spannungsfelder zwischen Schein und Wirklichkeit, zwischen Illusion und Banalität. Verblüffend ist die brillante erotische Serie “Flora Magica” des Malers und Meisters der Heliogravüre Hermann Försterling, im Kontrast daneben die Lochkamerafotografie des Leipziger Malers Sighard Gille. Außerdem kann man Arbeiten von Größen wie Günter Rössler, Jeanloup Sieff, Lionel Bayol und weiteren namhaften Fotografen bewundern und bestaunen.

“Die Ästhetik der Lüste” vermittelt Bilderlebnisse von praller Provokanz und expressiver Sinnlichkeit, die vieldeutig genug sind, um die Fantasie des Bildbetrachters in Gang zu setzen und ist gleichzeitig Standortbestimmung ästhetischer und künstlerischer Maßstäbe auf der Suche nach dem Menschenbild der Gegenwart.”

Noch bis 06.01.2008 findet die aktuelle Ausstellung statt bevor sie von den Kunstwerken des Fotografen Matthias Leupold abgelöst werden. Das Museum hat Mittwoch, Samstag und Sonntag von 13 - 17 Uhr geöffnet.

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  1. Bloglinks am 07. November « Flymano Wordpress

    am 7. November 2007 um 19:36 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Spannen erwünscht… bei Readers Edition […]

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