Die Hoffnung auf wirtschaftliche Stabilität und Ernährungssicherung oder sogar widerwillige politische Regelungen erlöschen in Simbabwe derzeit schnell. Die fürchterlichen Ereignisse in den vergangenen Jahren haben nicht nur bekräftigt, was jeder bereits weiß: Das UN-Flüchtlingsbüro stellt fest, dass über drei Millionen Menschen daran denken, Simbabwe zu verlassen.Es hat auch offengelegt, dass das, was jeder gehofft hatte, nicht länger wahr ist: Das Welternährungsprogramm hat errechnet, dass vier Millionen Menschen in Simbabwe (das ist gut ein Drittel) der verbliebenen Einwohnerzahl im Jahr 2008 Lebensmittelhilfe benötigen werden.
Außerdem wurde von der Welternährungsorganisation geschätzt, dass die Anzahl an chronisch unterernährten Menschen in Simbabwe steigt, und dass in einer alarmierenden Geschwindigkeit. Ein kürzlich erstellter Bericht der Organisation hält fest, dass der Hunger Simbabwes sich verschlechtern wird. Simbabwes Not wird sich verschlimmern und aufgrund des schon weitverbreiteten Hungers und wegen aufsteigender Arbeitslosigkeit und Inflation, wird die Auswanderungsrate in den kommenden Monaten sicherlich ansteigen.
Die Chancen, dass dies eintrifft, sind groß angesichts einer Arbeitslosenquote von über 80 Prozent, einer weltrekordähnlichen Inflation und heftigem Mangel an den grundlegendsten Gütern.
Simbabwes Situation ist derzeit mehr als nur miserabel.
Experten des Internationalen Währungsfonds zufolge, gibt es bis zum Jahresende eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Inflation 100.000 Prozent erreichen wird. Das Problem liegt jedoch nicht nur in der Inflation. Andere Statistiken entwerfen noch grimmigere Bilder von Simbabwe. Dem Internationalen Flüchtlingswerk zufolge strömen jeden Tag Tausende Simbabwer über die Grenzen in benachbarte Länder und versuchen so dem Chaos zu entrinnen. Viele Menschen sind schon geflohen und noch mehr warten darauf auf die andere Seite zu kommen. Sie sitzen mit wenig Essen und Wasser wartend in der Sonne und hoffen, in den Nachbarnationen Asyl zu erhalten. Die Tragödie um Hunger, Missregierung, Arbeitslosigkeit und Inflation hat sich überall in Simbabwe verbreitet und sich in den letzten Jahren auch auf Südafrika, Mosambik und Sambia ausgeweitet.
Allein in Südafrika gibt es schätzungsweise drei Millionen Simbabwer (legale und illegale). Nach Angaben der UN verschlechtert sich die Lage in Simbabwe weiter und es könnte gar zu einem Massenexodus kommen, in eines der Nachbarländer wie Südafrika, Mosambik und Sambia. In diesem Zusammenhang hat die UN bereits davor gewarnt, dass die Simbabwer dazu gezwungen werden könnten, verzweifelte Aktionen durchzuführen, um am Leben zu bleiben.
Wachsende Verletzlichkeit armer Menschen
Ungleichheiten im Einkommen und Konsum haben in Simbabwe zugenommen. Es muss nicht extra erwähnt werden, dass unter Gelegenheitsarbeitern das höchste Vorkommen an Armut und Risiko bezüglich der Ernährungssicherheit vorzufinden ist. Das ist eine Indikation für die wachsende Verletzlichkeit armer Menschen bezogen auf ihre Möglichkeit, sich ihr Einkommen zu verdienen und folglich ebenso bezogen auf das Vermögen sich Nahrungsmittel zu beschaffen. Auf der anderen Seite war die diesjährige Maisernte, das dortige Grundnahrungsmittel, mager. Die Regenschauer waren dürftig und das desaströse Landreform-Programm der Regierung hat die einst so florierende kommerzielle Landwirtschaft zu einem substitenziellen Ackerbau gemacht.
Simbabwe steht einem Mangel an grundlegendem Nachschub inklusive seines Grundnahrungsmittels Mais gegenüber. Und das Problem in Simbabwe verschlechtert sich, da Simbabwe einen fatalen Mangel an ausländischer Währung aufweist, um Güter zu importieren. Für eine Nation, deren Wirtschaft auf der Landwirtschaft basiert und die es gewohnt ist genügend Nahrung zu produzieren, um die Menschen zu versorgen, ist das beunruhigend. Die Zimbabwe African National Union – Patriotic Front (ZANU-PF), angeführt von Robert Mugabe, besteht seit 1980. Im Jahr 1991 begann in Simbabwe ein ökonomischer Reformprozess, der nicht erfolgreich durchgeführt wurde. Seit den späten 90ern schlägt sich das Land mit einer wirtschaftlichen Verschlechterung herum und die Regierung führt seit 1999/2000 ein Landreform-Programm durch.
Auf die Landwirtschaft gab es jedoch keine positiven Auswirkungen wie durch das geringe Wachstum und die damit einhergehende Pro-Kopf-Versorgung mit Lebensmitteln bewiesen wird. Die Teilung der Landwirtschaft in Ressourcen-Kontingente durch die Regierung ist über die Jahre zurückgegangen. Analysten sind der Meinung, dass diese Landreform die Wirtschaft Simbabwes verschlechtert hat. Diese hat die landwirtschaftliche Produktion verringert und das führte zu einem Kollaps der Ökonomie Simbabwes, da sich die Wirtschaft des Landes sowohl stark auf die Felderzeugnisse, wie Tabak, Baumwolle und Zuckerrohr, aber auch auf die damit verbundene Fertigungsindustrie, wie Textil- und Zuckerproduktion, verlässt. Zudem ist weniger als die Hälfte des Ackerlandes kultiviert.
Bezug nehmend auf die statistischen Berichte verschlechterte sich das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2005 um 6,5 Prozent, welches nun das siebte Jahr in Folge mit einem negativen Bruttoinlandsproduktwachstum seit 1997 war. In gleicher Weise verschlechterte sich zwischen 1997 und 2005 das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 30 Prozent.
Dies zeigt auf, wie sehr Simbabwe leidet und wie zerbrechlich die Wirtschaft, die einst die dominierende in dieser Region war, geworden ist. Doch alle diese bedrückenden Statistiken haben Mugabe und seine Führungseliten nicht erschüttert. Das alles bereitet den einfachen Bürgern in Simbabwe den Weg für mehr Unruhen und Not. Robert Mugabe muss sich dafür eine Antwort zurechtlegen. Je eher, desto besser für Simbabwe.
Dieser Artikel erschien zuerst bei OhmyNews. Die Übersetzung und Veröffentlichung durch die Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von OhmyNews.
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