Wird Filmlegende Konrad Wolf “abgewickelt”?

Nach dem Ende der DDR geriet verständlicherweise manches mit ihr in Verbindung stehende auf den Prüfstand. So einiges wurde dann auch auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt. Denkmäler stürzten, Straßen nannte man um. – Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne. Manches fiel zu Unrecht. Schließlich war ja nicht alles schlecht,

fsfsf.jpgNach dem Ende der DDR geriet verständlicherweise manches mit ihr in Verbindung stehende auf den Prüfstand. So einiges wurde dann auch auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt. Denkmäler stürzten, Straßen nannte man um. – Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne. Manches fiel zu Unrecht. Schließlich war ja nicht alles schlecht, oder? Dieser Satz steigert bei manch selbst ernanntem Über-die-DDR-Bescheidwisser gewiß regelmäßig den Blutdruck. Denn musste man nicht – frei nach Klaus Kinkel (FDP) – die DDR samt und sonders “delegitimieren”, wo man nur konnte?

Geblieben aus “DDR-Beständen”: Konrad Wolf

Dennoch gibt es neben dem berühmten “Grünen Rechtsabbiegepfeil” noch anderes aus “DDR-Beständen”, das die Zeiten bis heute überdauert hat. Beispielsweise trägt die Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) noch immer den Namen “Konrad Wolf”. Konrad Wolf ist wie sein Bruder Markus Wolf, der einstige Auslandsgeheimdienstchef der DDR, ein Sohn des Theaterautors, Erzählers und Armenarztes Friedrich Wolf (“Die Matrosen von Cattaro”, “Cyankali”). Der Filmregisseur Konrad Wolf schuf Filme wie “Professor Mamlock”, “Der geteilte Himmel”, “Der kleine Prinz”, “Ich war neunzehn” und “Solo Sunny”. Der Filmemacher war auch Präsident der Akademie der Künste der DDR. Nach Konrad Wolfs Tod (1982) erhielt die Babelsberger Filmhochschule 1984 ihm zu Ehren seinen Namen.

Konrad Wolf ein zweites Mal sterben lassen?

Grabstein von Konrad Wolf auf dem Zentralfriedhof Bln-Friedrichsfelde Brandenburgs ehemaligem Kulturminister Wolfgang Hackel (CDU) behagte offenbar der Name “Konrad Wolf” für die HFF schon vor drei Jahren nicht. Am liebsten wäre es ihm sicherlich gewesen, den Filmregisseur rasch ein zweites Mal sterben zu lassen. Diesmal als Namenspatron der HFF. Doch dagegen begehrten 2004 einige auf. So etwa der heutige Bundeschef der LINKEN, Lothar Bisky, der zu DDR-Zeiten Rektor der HFF war. Bisky: “Wer Konrad Wolf und alle kulturellen Traditionen aus DDR-Tagen mit Füßen treten will, der hat mich zum Gegner.” Schnell versicherte der damalige und jetzige HFF-Präsident Dieter Wiedemann 2004, der Senat der Hochschule habe sich für die Beibehaltung des Namens ausgesprochen. Wer vielleicht geglaubt hatte, dass die Geschichte nun ein für alle Mal “gegessen” war, muss dieser Tage befürchten, sich damals getäuscht zu haben.

Störfaktor Namenspatron?

Hochschul-Präsident Wiedemann ist nämlich auf den Trichter gekommen, die HFF “Konrad Wolf” zur ersten Filmuniversität Deutschlands zu machen. Da stört, hat es den Anschein, der Namenspatron im Titel der Filmuni. Die könnte dann den Namen “Babelsberg Filmuniversität” erhalten. Das verheiße Prestige- und Profilierungscharakter. Und es sei auch besser für die Beziehungen ins Ausland. Brandenburgs Wissenschaftsministerium würde einen Umbennungsantrag, so er vorläge, “wohlwollend” prüfen. Als Gründe für eine Umbennung führt Dieter Wiedemann an, der momentane Name der Einrichtung sei zu lang und führe zu Missverständnissen. Außerdem sei “sowohl im Selbstverständnis der Studenten als auch in der Außenwirkung” sein Name (Konrad Wolf, d.Verf.) “in der Bezeichung der HFF immer weiter in den Hintergrund gerückt”. Darüberhinaus wüchsen heutige Studenten mit anderen Regisseuren auf. Allerdings, so Wiedemann, richte sich der ins Auge gefasste Antrag nicht gegen die Person von Konrad Wolf. – Aha. Soso…

Protest, Sorge und Unverständnis werden laut

Inzwischen formiert sich gegen das Vorhaben vermehrt Protest. Die Absolventen der Filmhochschule Hans Sparschuh und Rainer Burmeister sprechen von “Ignoranz und arrogantem Gehabe der dafür Verantwortlichen”. Sie befürchten die Beschädigung des Rufs einer der bekanntesten Filmhochschulen der Welt und der Tradition und Geschichte des ostdeutschen Films als Teil des nationalen Kulturerbes. Wolfs Filme stünden für die Brüche in der DDR-Kulturpolitik. Wolf sei geradlinig gewesen, habe Widersprüche sichtbar gemacht und andere ermutigt, die eigne kritische Sicht auf die Realität der Filme einzubringen. Deshalb sei es sicher kein Zufall gewesen, dass es Studenten und Absolventen der Filmhochschule “Konrad Wolf” waren, die als Erste die Proteste des Herbstes 1989 dokumentierten. Auch der Regisseur Egon Günther (“Lotte in Weimar”) ist ungehalten und bezeichnete die geplante Namensauslöschung als ein “absolut absurdes, geschichtsvergessenes Verhalten.” Lothar Bisky sagte der Berliner Zeitung: “Jeder versteckt seine Geschichte so gut er kann.” Der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, hält eine mögliche Namensänderung der HFF “Konrad Wolf” laut dpa für “abenteuerlich”. Die Akademie vergibt alljährlich den Konrad-Wolf-Preis zur Erinnerung an den Regisseur. Vergangenen Sonntag ging der Preis an Edgar Reitz (“Heimat”). Die Äußerung der HFF-Leitung, die Studenten könnten mit dem Namen Konrad Wolf nichts mehr anfangen, bezeichnete Staeck als unfassbar. Wenn dies tatsächlich so sei, “(…) wäre es doch Aufgabe der Hochschule, den Studenten die Bedeutung des Filmemachers Konrad Wolf zu vermitteln (…) Auf eine solche Idee wie die Namensänderung zu verfallen, das findet der Akademie-Präsident “schon erstaunlich” und bat, sich gleiches einmal “im Falle der vielen Heinrich-Böll-Schulen” vorzustellen.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, außer vielleicht das: Auf den Müllhaufen gesamt-deutscher Geschichte gehört so einiges. Bestimmt auch die so besonders “einleuchtend” sollend dahergekommene Idee des HFF-Präsidenten Wiedemann. Ganz sicher jedoch nicht der Name Konrad Wolf.

Kommentare

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  1. Sehr geehrter HFF Präsident Wiedemann,

    Ihre Idee, Konrad Wolf, ein 2 Mal sterben zu lassen, nur weil er der Bruder des berüchtigten Bruders Markus Wolf war, empfinde ich als Unverschämtheit. Der Sohn des berühmten Vaters, Arzt und Schriftstellers, Dr. Friedrich Wolf. lebte zwar im sowjetischen Exil; deshalb ist er aber als DDR – Künstler unumstritten. Dass er in “Stasi – Kreisen” verkehrt haben muss, ist ja bei der Verwandtschaft keuin besonderes Wunder. Dass er bei selbst der Stasi gewsen wäre, ist mir unbekannt und auch nahezu 20 Jahre nach der Wende völlig uninteressant.
    Werfen Sie doch die noch etwa 16 Millionen EX – DDR – Einwohner endlich auf den Müllhaufen .
    Geschwister können sich völlig unterschiedlich entwickeln. Ich war weder in der Partei oder bei der Stasi (auch nicht aus Karrieregründen). Vielleicht wäre ich dann nicht erst 1999 Professor geworden.
    Ich kann und will Sie nicht verstehenb. Hoffentlich sind wir nicht auch noch verwandt, aber der Name “Wiedemann” istz ja in Deutschland so häufig, dass das eher unwahrscheuinlich ist.
    Ich habe kein Verständnis für Ihre Idee.

    Prof. Dr. med. habil Gudrun Wiedemann
    Erfurt