Der US-Dollar hat in dieser Woche neue historische Tiefstände gegenüber dem Euro erreicht. Gleichzeitig nähert sich der Ölpreis der 100 US-Dollar Grenze. Ein Grund für diese Entwicklung ist die Ankündigung der VR Chinas seine Devisenreserven von der 1,43 Billionen US-Dollar umschichten zu wollen, der Dollarverfall führt bei entsprechend sinkendem Wechselkurs gegenüber anderen Weltreservewährungen zu hohen Buchverlusten auf entsprechende Devisenreserven. Ein weiterer, dass die Ölstaaten der OPEC wie auch Russland gleichfalls immer weniger bereit sind die Kursverluste ihrer US-Dollar-Währungsreserven hinzunehmen. Hinzu kommen die Krise in Pakistan, die zusätzliche die Lage im Mittleren Osten einschließlich dem Irak und Afghanistan verschärft.
Dollarkrise gewinnt an Fahrt
Mit dem Ausbruch der Immobilienkrise in den USA wurde die bereits angeschlagene Konjunktur um ein weiteres Krisenelement reicher. Die dramatischen Einbrüche bei den Hypothekenfinanzierungen zunächst nur im Subprime-Sektor, dann aber nun auch zunehmend im Premiumsegment, belasten die US-Wirtschaft weitaus nachhaltiger als dies zahlreiche Optimisten auf den Börsenparkett der Wallstreet wahrhaben wollten. Zwar hat die erste deutliche Zinssenkung um 50 Basispunkte und die erneute um weitere 25 die Finanzierungskosten des Bankensektors deutlich gemindert, aber diese Effekte reichen offenbar nicht aus, um ein weiteres Abgleiten des US-Immobilienmarktes aufgrund von Insolvenzen und Zwangsversteigerungen einzudämmen. Die Zinspolitik der Fed begünstigt eher eine Spekulation im Bereich der Aktienmärkte oder bei Rohstoffen wie Erdöl, da die Finanzierungskosten gesunken sind. Aufgrund der fortdauernden Schwäche des Bankensystems wird zudem mit weiteren Zinssenkungen in den kommenden Monaten gerechnet. Auch die Kreditklemme ist weniger rasch im Geschäftsbankensystem angebaut worden.
Immobilienkrise gewinnt weiterhin an Momentum
Fallende Immobilienpreise insbesondere im Bereich der Eigenheime führen jedoch zu einer Zangenbewegung aus steigenden Hypothekenzinsen aufgrund gestiegener Kreditrisiken sowie einem Anstieg der Beleihungsgrenzen bei Zugrundelegung der aktuellen Immobilienmarktpreise. Damit geraten auch bisher zunächst scheinbar solide Finanzierungspläne bei Eigenheimen in Gefahr. Da die Kreditzinsen in den USA in der Regel durch keine langen Zinsbindungen wie in Deutschland bei Hypothekendarlehen den Hypothekenbestand vor Zinsschocks schützen, wirkt sich das aktuelle Geschehen weitgehend unmittelbar auf die Bestände aus. Durch diesen Hebel entstehen nun umgekehrt wie nach dem Platzen der Internetblase im Jahr 2001 entsprechende kontraktive Wirkungen auf den privaten Verbrauch bzw. die Finanzierungssituation der privaten Haushalte. Waren diese damals die großen Gewinner der Notenbankpolitik, die die US-Zinsen auf einen Tiefststand von 1% bei der Federal Funds Rate reduzierte, so sind sie jetzt die großen Verlierer, da die Risikoprämie rascher als die Zinssenkungen steigen und die Immobilienpreise weiterhin auf Talfahrt sind.
Ölpreisblase nimmt ungeahnte Dimensionen an
Der Anstieg der Rohölpreise seit rund zwei Jahren von ehemals unter 30 US-Dollar auf das mehr als Dreifache seither hat nichts mit angebotsseitigen Knappheitsrelationen zu tun. Selbst die gute weltweite Konjunktur insbesondere auch der Energiehunger Asiens reicht zu einer Erklärung dieser Entwicklung nicht aus. Hier sind spekulative Kräfte am Werk, die aufgrund immer noch günstiger weltweiter Liquidität – man denke nur an den Carry Trade mit Japan – und gesunkener alternativer Märkte – wie Immobilien oder Aktien – im Bereich der Rohstoffe erneut ein Spekulationsfeuer angefacht haben. Die Gefahr, die davon ausgeht liegt in den hierdurch entstehenden weltweiten Inflationstendenzen. Nicht zuletzt die drastischen Anhebungen der Energiekosten führten in Entwicklungsländern wie Burma oder nun auch in Pakistan zu politischen Unruhen. Die Masse der Bevölkerung hat dort keine Reserven, um ihren Verbrauch entsprechend den steigenden Lebensmittel- und Rohstoffpreisen einzuschränken. Die politischen Krisen in den Entwicklungsländern dürften sich rasch weiter ausbreiten, da Lebensmittelspreise und Energiekosten besonders wichtig für die Masse der Bevölkerung sind. Dort geht es für viele um die nackte Existenz.
Europa profitiert derzeit, der Rest der Welt nimmt Schaden
Während man in den USA wegen der Fakturierung der Öllieferungen in US-Dollar keine Chance besitzt durch Aufwertung der heimischen Währung dem Preisdruck beim Öl zu entgehen, hat Europa durch die Euroaufwertung einen Schockabsorber, der hier diese Entwicklung der letzten Monate um rund die Hälfte dämpft. Hinzu kommt, dass die Länder mit riesigen Dollarreserven diese nicht durch Wechselkursverluste geschmälert sehen wollen, sondern stattdessen Waren einkaufen. Es gibt derzeit einen Auftragsschub insbesondere auch bei Infrastrukturprojekten. Hier ist aber insbesondere Deutschland gut aufgestellt. Ob China, Russland oder die Öl-Staaten am Golf alle sind derzeit bereit ihre Infrastrukturinvestitionen aufgrund voller Kassen deutlich heraufzusetzen. Selbst Airbus scheint dem Wechselkursrisiko besser als Boeing zu trotzen.
Da ein Ölpreisschock, wenn er eine kritische Grenze überschritten hat – und dies ist wohl derzeit der Fall –, dann wird die Weltkonjunktur wie bereits 1973/74 und 1979 schweren Schaden nehmen. Selbst die Ölförderländer beginnen bereits jetzt an der so genannten holländischen Krankheit zu leiden, d.h. die hohen Einnahmen aus der Ölförderung heizen die inländische Inflation dramatisch an. Denn US-Dollar machen – wie Midas beim Gold – am Ende nicht glücklich. Man muss dafür etwas kaufen können.
What goes up, must come down
Dann wirken eben wieder die Marktkräfte in die umgekehrte Richtung und der Ölpreis wird bei drastischem Nachfragerückgang wieder auf ein normales Niveau, d.h. unter 30 US Dollar fallen. So utopisch diese Grenze derzeit klingt, so sehr liegt sie im langjährigen Trend. Trotz aller apokalyptischen Warnungen zur Klimaerwärmung, die höhere Energiekosten zur Begrenzung der CO2 –Emissionen für sinnvoll hält, sind Ölpreise wie andere Preise auf Märkten nicht nach übergeordneten Zielen administrierbar.
Derzeit dürften die Förderkosten kaum erheblich über 15 US-Dollar liegen. Dies zeigt welch satte Gewinne die Ölförderländer und teilweise auch die großen Ölgesellschaften, die über Förderlizenzen verfügen, derzeit einfahren. Von gewaltigen Investitionen zur Erschließung neuer Erdölreserven ist derzeit ja auch kaum die Rede. Es fehlt einfach an attraktiven Angeboten. Eine Ausnahme bilden die Ölsände in Kanada, die aufgrund der hohen Preise derzeit einen Boom erleben. Hinzu kommt, dass solche Entwicklungen langfristig angelegt sein müssen.
Fazit
Wir befinden uns in einer äußerst turbulenten Lage, bei der strukturelle Krisen, wie sie sich im Wechselkurssystem seit Jahren aufgebaut haben, spekulative Kapitalbewegungen von Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften, die rücksichtslos den kurzfristigen Profit anstreben, ein normales funktionieren des freien Spiels der Märkte konterkarieren, um ein nachhaltiges stabiles Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Für diese Entwicklung ist das Versagen der führenden Wirtschaftsmächte und der durch sie kontrollierten Institutionen verantwortlich, da sie von ihren politischen Gestaltungsmöglichkeiten keinen Gebrauch gemacht haben. Die Kosten einer Anpassung im Zuge eines Crashs der Weltwirtschaft werden danach alle zu tragen haben
Sehr geehrter Herr Erber,
Sie irren sich gewaltig, wenn Sie glauben, der Ölpreis würde jemals wieder auf ein “normales” Preisniveau von 30 Dollar/Barrel fallen. Das wird nie der Fall sein,
vielleicht geht der Preis demnächst wieder leicht zurück, aber in den nächsten Jahren wird er noch stark ansteigen, ich rechne mit über 200 US-Dollar je Barrel im Jahr 2010, und danach wird der Preis weiter in die Höhe schiessen.
Ich habe einige Buchempfehlungen für Sie, Herr Erber: “Wenn der Wüste das Öl ausgeht” (englisch: “Twilight in the desert”) von Mathew Simmons sowie “The party´s over” von Richard Heinberg und “Ölwechsel” von global challenges network (dtv ISBN 3-432-24321-X).
viele Grüße
emperor