Der britische Premierminister Gordon Brown meinte am 12. November 2007 in London in einer Rede, der Iran sei die größte unmittelbare Gefahr betreffend der Nichtverbreitung von Atomwaffen (“Iran should be in no doubt about our seriousness of purpose.”) und drohte der islamischen Republik ein weiteres Mal mit schärferen Sanktionen. Er fordert weiters eine effektive Erneuerung der internationalen Institutionen. Es darf zumindest angezweifelt werden, ob sich die geistliche und politische Führung der Islamischen Republik davon in dem Maße einschüchtern lässt, als dies seitens der Speerspitze des Kampfes gegen den Terror, den USA und Großbritannien, erwünscht bzw. erhofft wird.
Es besteht kein Zweifel, dass eine derartige Massenvernichtungswaffe in Händen des Mullah-Regimes größte Gefahren mit sich bringen würde.
Sowohl dem Präsidenten Ahmadinedschad als auch seinem politischen Förderer Ayatollah Ali Khamenei ist, geht man von ihrer ausgeprägten anti-judaistischen und anti-westlichen Rhetorik aus, der Startschuss für ein “Weltuntergangsszenario” wohl durchaus zuzutrauen. Auch wenn man vermutlich nicht alles Gesagte auf die Goldwaage legen und den weltpolitischen Kontext, besonders bezüglich des Imageproblems des schiitischen Iran, sowohl im Westen als auch in der vorwiegend sunnitisch geprägten arabischen Welt, ebenfalls angemessen in die Überlegungen mit einfließen lassen sollte.
Die Frage nach der Effizienz, der von Gordon Brown geforderten schärferen Sanktionen gegen den Iran, wirft die schwer wiegende Frage nach dem politischen und religiösen Verständnis des Mullah-Regimes auf. Das große Problem mit den atomaren Absichten des Iran ist die Unberechenbarkeit eines Mahmoud Ahmadinedschad und folgend die Frage nach seinem realpolitischen Verständnis. Würde er im Notfall rational im Sinne der Selbsterhaltung seines Volkes entscheiden, oder doch unter dem Aspekt der Heilserwartung und der Rückkehr des zwölften Imams einen stark religiös beeinflussten Weg wählen?
Sollte letzterer Zugang die iranische Motivation für eine etwaige “Iranische Bombe” sein, dürfte wohl davon ausgegangen werden, ganz im Sinne der schiitischen Vorstellung vom Paradies und der diesseitig statt findenden Abrechnung des letzten verschwundenen Imams mit den Ungläubigen dieser Welt, dass er nicht zögern würde den berühmten “Roten Knopf” zu drücken. Sollte die Führung des Iran tatsächlich diesen stark religiös geprägten Zugang zur Weltpolitik haben, bedarf es vermutlich mehr als wiederholter Androhungen noch schärferer Sanktionen, obwohl diese wohl auch einen wichtigen und unerlässlichen Teilaspekt der konfrontativen Auseinandersetzung der westlichen Welt mit dem iranischen Atomprogramm, sollte es über die zivile Nutzung hinausgehen, darstellt.
Das etwaige Fehlen eines rationalen realpolitischen Zugangs der iranischen Ideologen würde diese vorrangig wirtschaftlichen und politischen Zwangmaßnahmen allerdings stark relativieren.
Die Vorgehensweise der Bush II-Administration in Bezug auf den, ohne UN-Mandat erfolgten Einmarsch der US-Truppen in den Irak im März 2003 sind in diesem Zusammenhang als wenig zielführend einzustufen. Die fragwürdige bzw. widerlegte Beweisführung der amerikanischen Regierung, wonach Saddam Hussein Nuklearwaffen besessen haben soll und diese eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstelle, stärkt die iranische Position der notwendigen Abschreckung jedenfalls insofern, als dass eine “Iranische Bombe” den neokonservativen Ambitionen der USA unter George Bush, die viel zitierte “Achse des Bösen” zu brechen und den militärisch erwirkten Demokratisierungsfeldzug in der arabischen Welt fortzusetzen, entgegenzuwirken.
Guter Artikel, wenn auch leicht tendenziös.
Meines wissens verfügte der Irak nicht über Nuklearwaffen, sondern über
B- und C-Waffen.