Polizei, Taser und ausländische Reisende

Der Vorfall von Vancouver wirft Fragen bezüglich der Nutzung von “nicht-tödlichen” Waffen auf… Am 14. Oktober starb ein 40-jähriger polnischer Immigrant auf dem Internationalen Flughafen von Vancouver nachdem er von der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) mit Tasern beschossen wurde. Der jetzige fatale Betäubungsswaffen-”Vorfall” im Flughafenterminal mag aus einer Veränderung

dzie.jpgDer Vorfall von Vancouver wirft Fragen bezüglich der Nutzung von “nicht-tödlichen” Waffen auf…

Am 14. Oktober starb ein 40-jähriger polnischer Immigrant auf dem Internationalen Flughafen von Vancouver nachdem er von der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) mit Tasern beschossen wurde. Der jetzige fatale Betäubungsswaffen-”Vorfall” im Flughafenterminal mag aus einer Veränderung der “Regeln der Einschaltung”, als Effekt auf die Ereignisse des 11. Septembers zurückzuführen sein. Polizeieinheiten dürften nun aber nicht länger das haben, was allzu oft als eine Art Persilschein angesehen wurde, um “nicht-tödliche” Waffen gegen unbewaffnete Passanten einzusetzen.

Mit “nicht-tödlich” meine ich Taser oder Betäubungsgewehre, die ein bisschen wie Mini-Harpunen funktionieren oder besser gesagt wie ein Luftgewehr. Ein menschliches “Angriffsziel” erreicht eine Ladung mit 50.000 Volt aus zwei “Pfeilen” oder Projektilen angetrieben von komprimierter Luft aus einer optimalen Distanz von ungefähr zwei bis drei Metern bis hin zu einer maximalen Entfernung von zehn Metern. Drähte verbinden die Pfeile mit der Pistole und fungieren dabei als ein elektrischer Kanal für den Hochspannungsangriff. Taser sind im Business bekannt als “Elektroschockwaffen”, da sie ihren Opfern einen intensiven, kraftvollen Elektro-Stoß verpassen.

Nicht-tödliches Hilfsmittel oder tödliche Waffe?

“Taser” ist ein Akronym für “Thomas A. Swift Electric Rifle”, ein Apparat, der von Erfinder Jack Cover 1969 entwickelt wurde. Im Fall von Robert Dziekanski, dessen letzte Minuten von einem Handybenutzer dokumentiert wurden, hatte die Benutzung dieses Apparates, der einen Verdächtigen eigentlich bewegungsunfähig machen und ihn bändigen sollte, fatale Konsequenzen.

In der Theorie ist der Taser weniger tödlich als eine traditionelle Polizeiwaffe, wie zum Beispiel ein Dienstrevolver. Doch die Forscher, die diesen Apparat entwickelt haben – und die, die ihn vermarktet haben – haben in zwei entscheidenden Punkten versäumt den Beweis dafür in der Öffentlichkeit zu erbringen: Nämlich, dass der Stromschlag mit 50.000 Volt auf einen menschlichen Körper keine permanente Schädigung der Organe zur Folge hat und dass das Anwenden einer solchen “rasanten blitzartigen” Gewalt auf den Körper nicht mit einem Herzstillstand oder Herzversagen, welches wahrscheinlich die Todesursache im Fall Dziekanski war, verursacht. (Der aktuelle Fall wird bislang zielstrebig gerichtlich untersucht.)

Willkommen in Kanada!

Was überraschend und unheilvoll ist und sogar irgendwie verderblich wirkt, ist die Art und Weise wie neu ankommende Immigranten von den Beamten und Behörden behandelt werden nachdem sie in einer achtbaren zivilisierten Gruppe von sieben Mitgliedsstaaten angekommen sind. Wir hören oft Geschichten von Übergriffen an Flughäfen und Gefängnissen in Nationen, die um die Rechte ihrer Bewohner nicht so bekümmert sind. Doch der Dziekanski-Vorfall ist für ein Land, das seine Regeln und Unantastbarkeit der Menschenrechte im Ausland predigt, ziemlich unkleidsam.

Dziekanski wurde nicht menschenwürdig behandelt. Dies bezeugt das bestürzende und betäubende Video, in dem vier Polizisten Dziekanski zweimal mit etwas, das sich als nicht eine, sondern zwei handlungsunfähig machende Ladungen herausstellte – eine bevor er zusammenbrach und eine weitere nachdem der Mann auf dem Boden festgemacht wurde – niederstreckten.

Das Bildmaterial von Paul Pritchard offenbart eine erschütternde Sequenz der Ereignisse. Dziekanski sah nicht so aus, als ob er die Beamten angreifen würde. Tatsächlich erschien Dziekanski, der zuvor einen kleinen Tisch geworfen und Mitglieder des Flughafenpersonals angeschrien hatte, zu der Zeit, in der die Beamten eintrafen so, als ob er sich beruhigen würde. Mit dem Eintreffen der Polizei jedoch schien er vor Furcht zurückzutreten und wankte wie ein eingekreistes Tier, überrascht von einem Angriff hungriger Hyänen.

Vielleicht musste Dziekanski zurückgehalten werden. Infolge seines 15-Stunden-Fluges aus Polen hierher und nachdem er zehn Stunden in einer “gesicherten Zone” auf dem Vancouver International verbracht hatte, während seine Einreise nach Kanada bearbeitet und sein Gepäck vom Zoll gecheckt wurde, hat er die Kontrolle über sich verloren. Doch musste er wirklich mit Tasern beschossen werden?

Zügelung oder übertriebene Gewalt?

Werden kanadische Flughäfen zu bewaffneten Lagern, wo die, von denen erwartet wird, dass sie “Gesetz und Ordnung” herstellen, Amoklaufen und Taser auf jeden abfeuern, der als gefährlich erachtet wird oder handelt oder sich in einer Weise verhält, die als suspekt eingeschätzt wird?

Es wird interessant zu beobachten, wie mehr und mehr Details in den kommenden Wochen ans Tageslicht kommen werden. Wie werden das Bundesministerium für Verkehr, der staatliche Polizeiapparat oder die RCMP und der Minister für öffentliche Sicherheit versuchen, diese übereifrige Vorführung und absolut unberechtigte Nutzung von Gewalt durch die Flughafenbehörden zu rechtfertigen? Es wird auch interessant sein die Leiche des Opfers zu sehen, noch in Kanada, wird sie letztendlich diplomatisch den Polen und den entsprechenden Ermittlungseinheiten ausgehändigt, damit sie ihre eigenen postmortalen Untersuchungen durchführen und sie ein eigenes unabhängiges Urteil fällen können.

Die kanadische Regierung hat als eine Art “Schadensbegrenzungsmodus” eine vollständige und unabhängige Prüfung des Falles angekündigt. Jegliche Bestrebungen zu vertuschen oder die Ermittlungen zu behindern, um die Verantwortlichen für die verpfuschte Intervention zu entlasten, würde der Glaubwürdigkeit der RCMP wahrscheinlich weiter schaden und die Beziehungen zwischen Kanada und Polen auf allen Ebenen negativ beeinflussen, und sich auf die Ebene Kanada-EU ausweiten. Die polnische Regierung hat bereits durch sein Außenministerium verkündet, dass Anklagen eingereicht werden könnten, um diejenigen, die für Dziekanskis Tod verantwortlich befunden werden, strafrechtlich zu verfolgen.
Darüber hinaus, bezugnehmend auf eine diplomatische Quelle, könnte Brüssel sich in diesen Vorfall einschalten, um die Wirkung dieses Falls auf künftige transatlantische Reisen festzustellen, eine Untersuchung wird und muss stattfinden. Ihre Ergebnisse müssen öffentlich gemacht werden.

Irgendjemand muss für diesen unverfrorenen Akt der Polizeibrutalität verantwortlich gemacht werden. Ein strikter Verhaltenskodex und rigorose Prozessregeln müssen von den Regierungen und Gremien wie der Internationalen Flug- und Transport Gesellschaft ergehen, um eine Wiederholung dieser Tragödie zu verhindern.

Dziekanski träumte davon, mit seiner Mutter ein besseres Leben in Kanada beginnen zu können. Binnen weniger Sekunden endete seine kurze Erfahrung als Einwanderer tragisch und bevor sie überhaupt begann, mit zwei Betäubungsschüssen auf seinen Körper.

Dieser Artikel erschien zuerst auf OhmyNews. Die Übersetzung und Veröffentlichung durch die Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von OhmyNews.

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