Der US-Dollar ist heute auf den tiefsten Stand gegenüber dem Euro seit Einführung des Euro gefallen. Die Vertrauenskrise in die US-Wirtschaft erreicht damit einen erneuten Höhepunkt. Trotzdem wird dies nur eine Zwischenetappe der sich fortsetzenden Wechselkurskrise des US-Dollar sein.
Sorgen bereitet insbesondere die Geschwindigkeit mit der diese Anpassung erfolgt. Damit bestätigt sich die von Paul Krugman kürzlich geäußerte Vermutung, dass die Hoffnung auf eine moderate Anpassung der Wechselkurse sich nicht erfüllen wird.
Wechselkursturbulenzen gefährden die Weltwirtschaft
Der Ausbruch der Subprime-Krise in den USA und der damit einhergehenden Kreditklemme führt aufgrund wachsenden Misstrauens in das amerikanische Geschäftsbankensystem zu einem sich rasch beschleunigenden Vertrauensverlust der Anleger weltweit. Ein starker Kursverfall, der in US-Dollar und an ihn gekoppelten Währungen, wirkt sich als gravierender Schock auf die Weltkapitalmärkte aus. Jede noch so ertragreiche Anlage in der US-Währung verliert dramatisch an Attraktivität, wenn durch Kursverluste gegenüber anderen Währungen oder auch Gold, diese Kursverluste die ansonsten positiven Erträge in kursbedingte Verluste umwandeln.
Insbesondere institutionelle Anleger, die nicht in US-Dollar bilanzieren, müssen aufgrund der jährlichen Bilanzierungspflicht hohe Wertberichtigungen aufgrund der Dollarabwertung soweit wie möglich begrenzen. Versicherung oder Pensionskassen sowie Private-Equity-Gesellschaften insbesondere Hedge-Fonds, die schnelle Gewinne am Markt erzielen wollen, in dem sie Wertpapiere und Derivate kaufen und verkaufen, haben keine Möglichkeit eine dauerhaftere Krise des US-Dollar einfach auszusitzen. Nur Anleger, die langjährige Verlustposition aufgrund von ausreichender zwischenzeitlicher Liquidität und Anleger, die ihr Vermögen dort langfristig deponieren wollen, haben eine realistische Chance sich einem Anpassungsprozess im Sinne einer Kapitalflucht aus dem Dollar zu entziehen. Alle anderen Anleger werden leicht zu Getriebenen der zunehmenden Vermögensverluste.
Buchverluste sind, was häufig in der Diskussion übersehen wird, wenn sie in die Vermögensbilanzen einfließen, durchaus für die Anlageentscheidungen der Vermögensbesitzer wirksam. Mithin sind die Zentralbanken insbesondere auch der IWF aufgefordert einer Dollarkrise in angemessener Form zu begegnen.
USA entledigen sich ihrer Verbindlichkeiten
Der Kursverlust der US-Währung führt für alle diejenigen, die Forderungen in US-Dollar halten, zu einem Wertverlust ihrer Vermögenswerte. Mit knapp 14,5 Prozentpunkten Kursverlusten gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn 2007 müssten Vermögensanlagen im US-Währungsraum diese übersteigen, um für europäische Anleger interessant zu sein. Hinzu kommt die Beschleunigung der Inflationsrate sowie die Zinssenkungen durch die Fed in den USA seit Beginn der Subprime-Krise, die es immer schwieriger machen, auch nur eine einfache Wertsicherung der bisherigen Vermögensanlagen zu gewährleisten.
Damit wiederholt sich ein Prozess, wie er nach dem Vietnam-Krieg zu Beginn der 1970er Jahre stattfand. Auch damals wurde durch eine Dollarkrise ein großer Teil der US-Auslandsschulden, die zuvor entstanden waren, faktisch zu einem erheblichen Teil dauerhaft entwertet. Insbesondere Länder mit hohen US-Dollarreserven wie es die ostasiatischen Länder sowie die Ölförderländer einschließlich Russlands sind, verlieren die durch vergangene Exportüberschüsse gewonnen Vermögenswerte in Form von Dollaranlagen.
Mithin haben diese Gläubiger ihre Rechnung ohne den US-Wirt gemacht. Sie haben in gutem Glauben Waren einschließlich Öl geliefert, aber sie werden nur einen Bruchteil der dadurch erzielten Erlöse am Ende auch dauerhaft realisieren können.
Rette sich wer kann
Das Problem für sie bleibt jedoch, dass es kaum möglich ist, ohne die Krise noch weiter anzuheizen, aus dem Dollar zu flüchten. Je mehr sich trotzdem dazu entschließen, desto tiefer wird der Dollar abstürzen. Nur wer zuerst den Ausgang erreicht und nicht zu hohe Forderungen in US-Dollar hält, kann seine Verluste begrenzen.
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