Brasilien feiert schwarzen Stolz

Die Sklaverei wurde 1888 abgeschafft, doch Sklavenarbeiten sind immer noch üblich… Der 20. November ist in Brasilien ein Tag, an dem das schwarze Bewusstsein gefeiert wird. Das ist ein Moment, an dem die Gesellschaft dazu aufgefordert wird darüber nachzudenken, wie schwarze Menschen in vielen Situationen behandelt werden – im Beruf,

tribal.jpgDie Sklaverei wurde 1888 abgeschafft, doch Sklavenarbeiten sind immer noch üblich…

Der 20. November ist in Brasilien ein Tag, an dem das schwarze Bewusstsein gefeiert wird. Das ist ein Moment, an dem die Gesellschaft dazu aufgefordert wird darüber nachzudenken, wie schwarze Menschen in vielen Situationen behandelt werden – im Beruf, in der Schule, von der Regierung, von öffentlichen Ämtern, privaten Institutionen, von was auch immer. Dem Brasilianischen Intstitut für Geographie und Statistik zufolge, sind 53 Prozent der Brasilianer afrikanischer Abstammung.

Der Feiertag wurde gekrönt von Protestmärschen im ganzen Land.

In Sao Paulo versammelte sich von neun Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags eine Legion von ungefähr 3000 Menschen am Avenida Paulista, in der Nähe des Kunstmuseums von Sao Paulo, als jeder zum städtischen Theater in der Innenstadt lief.

Große laute Trucks verliehen den Gemeindesprechern ihre Stimmen, die Reden über die Verteidigung der Position schwarzer Menschen in der Gesellschaft hielten. Ganz in der Nähe veranstaltete eine andere Gruppe ein Straßentheater, sie zeigten ein Stück über die ersten schwarzen Menschen, die vor 1888, als die Sklaverei in Brasilien abgeschafft wurde, als Sklaven von Afrika nach Brasilien kamen.

Dennoch weiß jeder, dass Sklavenarbeiten in Brasilien immer noch Realität sind.

Vor allem bei ländlichen Aktivitäten, wie in der Steinkohle- und Keramikproduktion wird tausenden von Menschen angeboten dort zu arbeiten und das fast ohne Lohn. Im Jahr 2004 erklärte die Brasilianische Bundesregierung, dass es um die 25.000 Sklaven im Land geben würde. Viele unter ihnen sind Schwarze. Letzten Juli wurde 1.100 Arbeitern ihre Freiheit gegeben, nachdem sie jahrelang auf einer Farm in Para (Nordbrasilien) gearbeitet hatten.

Mehr noch als Para sind die Staaten Maranhao, Bahia, Toncantins, Mato Grosso und Piaui wahre Champions in Sachen inhumane Bedingungen. Einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganistaion, der im Jahre 2005 veröffentlicht wurde, zufolge, werden die Arbeiter von Farmbesitzern rekrutiert, die ihnen Essen, ein Gehalt und Unterkunft versprechen. Wenn sie dann jedoch auf der Farm ankommen, ist die Situation eine ganz andere. Sie müssen für ihren Transport zum Arbeitsort selbst bezahlen, wo sie dann inmitten des Dschungels in Palmhütten, die Sonne und Regen ausgesetzt sind, “leben” müssen.

In dieser Region sind tropische Krankheiten wie Malaria und Gelbfieber weit verbreitet. Falls nun jemand medizinische Hilfe benötigt, dann ist muss er kilometerweit bis zur nächsten Gesundheitsstation zu laufen. Falls ein Arbeiter nicht laufen kann, dann kann er, verlassen von den Farmbesitzern, sterben. Oft gibt es dort auch kein Trinkwasser oder ein Badezimmer. Die Arbeiter nehmen das gleiche Wasser, um sich zu duschen, zu kochen und sogar zum Trinken. Falls sie etwas essen möchten, dann müssen sie sich mit Bohnen und Reis zufriedengeben.

Im Mai 2003 wurde ein nationaler Plan, der Sklavenarbeit von der Wurzel auf beseitigen sollte, ausgearbeitet, mit 76 Aktionen, die noch komplettiert werden müssen, um diese Praxis zu bekämpfen. Den Berichten der Internationalen Arbeitsorganisation zufolge, sind 77 Prozent des Plans schon vollständig. Von 1995 bis ins Jahr 2005 wurden nahezu 18.000 Sklavenarbeiter befreit.

Die Existenz von solchen Sklavenjobs ist nicht der einzige Grund für die inhumane Situation schwarzer brasilianischer Menschen.

Die soziale Diskriminierung ist ein weiteres Problem. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2005 zeigt, dass die Arbeitslosigkeit unter schwarzen Frauen 58 Prozent beträgt, unter schwarzen Männer lag sie bei 33,9 Prozent. Selbst wenn sie angestellt waren, erhalten schwarze Arbeiter weniger Lohn für die gleichen Jobs, sogar wenn sie einen höheren Bildungsgrad besitzen.

Am 5. Januar 1989 wurde in Brasilien ein Gesetz verabschiedet, dass rassistische Diskriminierung an Orten wie Geschäften, Schulen, Hotels, Bars und Restaurants, im Stadion, Clubs, in öffentlichen Transportmitteln oder die Verhinderung einer Hochzeit aufgrund der Hautfarbe, zum Vergehen machte. Bestraft wird das mit bis zu fünf Jahren Gefängnis.

Diesen und anderen Tatsachen wird an diesem Tag gedacht. Nachdem die vierte Parade des Schwarzen Gewissens die Innenstadt erreichte, nahmen 15.000 Menschen an einem Ereignis, dass vom Bürgermeister Sao Paulos organisiert wurde, teil und verfolgten eine Show mit Gesandten der schwarzen brasilianischen Kultur, inklusive der Sänger Sandra de Sa und M.V. Bill.

Dieser Artikel erschien zuerst auf OhmyNews. Die Übersetzung und Veröffentlichung durch die Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von OhmyNews.

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