“User Generated Content” im Wandel – Beobachtungen zu einem Konflikt

Derzeit kann bei tausendreporter, einer social bookmarking-Seite des Magazins “Stern”, eine Auseinandersetzung zwischen ehemaligen, weil vor kurzem ausgesperrten Mitgliedern der News-Plattform www.shortnews.de und deren “Verteidigern” beobachtet werden, die Seinesgleichen sucht. Detail am Rande: Der Stern hatte bis März dieses Jahres mit Shortnews eine jahrelange Kooperation unterhalten. In den Beiträgen unter

Newsa.jpgDerzeit kann bei tausendreporter, einer social bookmarking-Seite des Magazins “Stern”, eine Auseinandersetzung zwischen ehemaligen, weil vor kurzem ausgesperrten Mitgliedern der News-Plattform www.shortnews.de und deren “Verteidigern” beobachtet werden, die Seinesgleichen sucht. Detail am Rande: Der Stern hatte bis März dieses Jahres mit Shortnews eine jahrelange Kooperation unterhalten.
In den Beiträgen unter einer Tausendreporter-Notiz eines ehemaligen Shortnews-Mitglieds wird zum Beispiel über die ehemaligen, und wie dort zu erfahren ist langjährig aktiven Mitglieder geschrieben:
“Ihr habt bei Shortnews vergeigt, aus welchen Gründen oder Verknüpfungen auch immer und das hier bringt euch nicht zurück, was ihr ja aber angeblich auch nicht mehr wollt…”

Wenn auch in den Kommentaren die Wogen in der virtuellen Auseinandersetzung hoch schlagen, es steckt noch etwas anderes hinter der Geschichte:

Die Glaubwürdigkeit eines News-Portals im Internet.

So hat sich Shortnews wie im Impressum der Seite zu lesen ist, die Mission…

“… Informationen sind Macht. In der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts wird diese Aussage mehr als je zuvor in der Geschichte der Menschheit gelten. Informationsvorsprünge werden die Quelle für den Erfolg von Menschen und Unternehmen sein. In einer sich immer schneller wandelnden Welt entscheidet der Zugang zu Informationen über Sein oder Nichtsein – Informationsdefizite werden gnadenlos bestraft. ShortNews.de hat es sich daher zum Ziel gesetzt, Menschen den Informationsvorsprung zu verschaffen, der für Ihren beruflichen und privaten Erfolg unerlässlich ist.” (1999) auf die Fahnen geschrieben. Dies ist eine anerkennbare Handlungsorientierung, jeder modern eingestellte Mensch wird sie billigen.

“User generated content”: Mitwirkung und Traffic im Internet

Heute gehört Shortnews (übrigens unbestritten als Vorreiter) wie auch der Tausendreporter zu den Web 2.0-Communities, die sich mit “User generated content” und CSM (Content Management Systems) im Internet positionieren. Laut einem Interview von der damaligen und heutigen Managerin von Shortnews mit der Readers Edition, sieht sich die Webseite (damals “Stern”Shortnews, heute Shortnews) in weitestem Sinne auch als “bürgerjournalistisch”.

Die Seite füllt sich dadurch mit Leben, dass “User für User schreiben”, das heißt, Nutzerinnen und Nutzer der Seite schreiben innerhalb eines Prämiensystems Kurzfassungen von Nachrichten, die sie im Internet finden und die der Leserschaft präsentiert werden. Diese wiederum kann die entsprechenden Beiträge im Forum zur Diskussionen nutzen – eine Form des Wissensmanagements.
Eigentlich sollte daraus kein Konflikt entstehen, der kam jedoch dadurch ins rollen, dass während der letzten Monate von Seiten der Leserschaft Kritik an der Qualität der eingelieferten Beiträge und den Umgangsformen in den Foren laut wurde. Das Management fühlte sich angegriffen, es kam für viele überraschend zum Ausschluss einer beträchtlichen Anzahl von Mitgliedern.

Der in den Beiträgen beim Tausendreporter zutage tretende Protest gegen diese Ausschlüsse und auch gegen die stattgefundenen Veränderungen ist im Grunde Ausdruck der Enttäuschung über eine Plattform, auf der sich manche Mitglieder einmal als Seele verstanden wussten, und auch dazu eingeladen waren, die Newsplattform aktiv mitzugestalten. Scheinbar geht es heute bei Shortnews in erster Linie um Internet-Traffic, das heißt, die Community wäre in erster Linie dazu da, der Webseite eine möglichst hohe Trefferrate zu generieren. Werte wie Mitwirkung, Partizipation oder der Austausch unter den manchmal auch streitbaren Akteuren dieses Internetauftritts können dadurch allzu leicht in den Hintergrund treten.

Dies wirft die Frage auf, inwieweit eine Technologie (CMS) und ein Konzept (user generated content) dem Anspruch eines partizipativen Journalismus entgegen stehen, wenn sie in erster Linie kommerziell eingesetzt werden.

Kommentare

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  1. Der Autor ist Berater für Demokratieförderung und lokale Entwicklung – daneben beschäftigt er sich unter anderem mit Journalismus, lateinamerikanischer Literatur, Poesie, user generated [participatory] content im Internet, Dilettanten [von dilettare = ergötzen, amüsieren] und mit menschlichen Orten.

    Und ist als involvierter (der Deutungshoheit beraupter Ex User) in den herbeizitierten konflikt, der so garnicht existiert wie er dargelegt wird, ein sehr befangener Berichterstatter.

    Mit einem für meine Begriffe etwas eigenartigen Demokratieverständnis.