Die Globalisierung der Weltwirtschaft wäre ohne die Globalisierung der Finanzmärkte undenkbar. Nun zeigt sich – der jüngste Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) nennt hierzu aktuelle Zahlen- welches Ausmaß der Derivatehandel in den letzten Jahren weltweit angenommen hat. 516 Billionen bzw. 516.000 Milliarden US-Dollar sind das Finanzvolumen der weltweiten Derivatemärkte. Unter Derivaten versteht man dabei aus Basiswerten wie Aktien-, festverzinslichen Wertpapieren, Immobilien, Rohstoffen oder Devisen abgeleitete Finanzprodukte, die diese als Bündel mit bestimmten Terminen, Preisen oder Risiken handelbar macht. Letztendlich kann auf alles eine Wette zwischen Finanzmarktteilnehmern abgeschlossen werden.
Nützliches Instrument der Risikoabsicherung oder schwarzes Loch der Finanzmärkte?
Derivate sind ursprünglich in einfacher Form zur Absicherung von unterschiedlichsten Risiken entwickelt und erfolgreich eingesetzt worden. Durch die Absicherung von Risiken konnten durch Risikostreuung und Bündelung unterschiedlicher Risiken wirtschaftliche Prozesse erst ermöglicht werden, die zuvor aufgrund von unzureichender Kapitalkraft oder zu hoher Klumpenrisiken zuvor nicht aus wirtschaftlichen Überlegungen insbesondere wegen Risikoaversion eingegangen worden wären. Allerdings setzt dies gut informierte Akteure voraus, die im Sinne effizienter Finanzmärkte schlechte von guten Finanzprodukten bzw. -risiken einschätzen können.
Geht diese Bodenhaftung aufgrund immer intransparenterer Derivate verloren, dann droht ein Kontrollverlust durch die Märkte. Wer soll am Ende in der Lage sein ein immer komplexeres Gewebe von miteinander verbundenen Derivaten auf globalen Kapitalmärkten hinsichtlich seiner potentiellen Risiken realistisch einzuschätzen. Es bedürfte göttlicher Allmächtigkeit und Allwissen hier die zukünftige Entwicklung vorhersehen zu können und rechtzeitig Korrekturen vorzunehmen. Die derzeit sich von den USA ausgehende globale Finanzmarktkrise zeigt nachdrücklich, dass es nicht gelungen ist, ein wirkungsvolles Risikomanagement globaler Finanzmärkte insbesondere im Bereich des gewaltigen globalen Derivatehandels herzustellen.
Im Prinzip weiß niemand mehr was, wo mit welchen Finanzrisiken behaftet ist.
Indirekt sind sogar diejenigen betroffen, die gar nicht unmittelbar auf diesen Märkten spekuliert haben. Die durch Kreditderivatehandel maßgeblich herbeigeführte unverantwortliche Finanzierung von Hypotheken insbesondere bei Immobilienkäufen in den USA liefert eindrucksvolle Beispiele für Geschäftsgebahren von Hypothekenfinanzierern, die vorsätzlich bei klarer Kenntnis der auf Dauer Unfinanzierbarkeit von Hauskäufen die einfältigen Käufer und die übrigen Finanzmarktteilnehmer getäuscht haben. Sie werden nicht die einzigen von krimineller Energie getriebenen in den Derivatemärkten geblieben sein. Die derzeitige Ölpreisblase mit Preisen von 100 US-Dollar je Barrel ist ein weiteres Beispiel für den hemmungslosen Gebrauch von Insidern in den Derivatemärkten, die sich jeder staatlichen Aufsicht und Regulierung durch Finanzaufsichtsbehörden weitestgehend entzogen haben.
Credit-default-swaps (CDS) sind allein im ersten halben Jahr 2007 um 49 Billionen US-Dollar gewachsen. Ob diejenigen, die diese Kontrakte miteinander abgeschlossen haben, noch wissen, wer dabei am Ende welches Risiko trägt? Wird hier nicht auf höchstem Niveau ein Schwarzer-Peter von Hand-zu-Hand gereicht in der Hoffnung jedes einzelnen der Kelch des Ausfallrisikos möge an ihm persönlich vorbeigehen? Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich … heiß!
Vergegenwärtigt man sich die derzeit weltweit zirkulierenden Risiken im weltweiten Derivatehandel, dann wundert man sich, dass zwar alle vom Klimawandel, aber nicht von einer drohenden Finanzmarktkatastrophe sprechen.
Nur zur Einordnung der oben genannten Summe des Gesamtvolumens des Derivatehandels in die reale Welt. Das Weltbruttoinlandsprodukt wird auf derzeit rund 48 Billionen US-Dollar geschätzt. Mithin übersteigt das Marktvolumen der Derivatemärkte um das Zehnfache die jährliche Produktion der Weltwirtschaft. Wenn sich nur ein Bruchteil davon in Luft auflösen sollte, d.h. aufgrund von eintretenden Risiken wertlos wird, dann kann man ermessen, welche Weltwirtschaftskrise uns droht.
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