Freitag, 23. November 2007, Black Friday ist angesagt – na, zumindest bei unseren amerikanischen Freunden. Einen Tag nach Thanksgiving haben sich viele US-Bürger freigenommen und stürzen sich, wahrscheinlich noch etwas träge vom vielen Truthahngenuss, in den vorweihnachtlichen Shoppingstress. Dichtes Gewusel auf den Straßen, in den Geschäften, kein Durchkommen auf den Gehwegen. Ein Bild, das sich auch hierzulande langsam breit macht. Mit Riesenschritten jagen wir nun Richtung Weihnachten – der eine mehr, der andere weniger.
Ohne in Eigenlob zu versinken, können wir an dieser Stelle getrost behaupten: Stress und Drängeleien kommen beim Lesen unseres kleinen Wochenrückblicks sicher nicht auf. Auch wenn in dieser Woche außergewöhnlich viele hervorragende Artikel ihre Berechtigung in dieser Stunde des Resümees gehabt hätten… Wenn man es also so will, so hatte zumindest die Redaktion an diesem Freitag eine gehörige Last bei der wahrscheinlich recht subjektiven Auswahl der Beiträge zu tragen. Ein bisschen Stress für die Seele also… Doch der Abbau soll nun auf dem Fuße folgen.
In Traditionen gefangen und die Geiseln der Musikindustrie
Was eine Zeile weiter oben gerade noch so schön proklamiert wurde, könnte sich just beim Lesen des nächsten Artikels in Luft auflösen. Zwar handelt es sich bei Yemti Harry Ndienlas Artikel “Afrikanischer Film verurteilt ‘barbarische’ traditionelle Praktiken” eben doch “nur” um eine kleine Berichterstattung über den Zusammenschluss von Schauspielern aus Kamerun und Nigeria unter der Regie von Zack Orji, doch die Intention hinter diesem Werk ist eine so grausame Tatsache, dass der Atem unweigerlich ins Stocken gerät. “The Blues Kingdom” beschreibt die Geschichte von Familie Ayum, die einen unerbittlichen Kampf gegen die Beschneidung ihrer Tochter Anna führt. Diese wurde vom Führer Toncorons als zukünftige Königin ausgewählt. Doch eine Hochzeit kann nur erfolgen, wenn sich das Mädchen vorher diesem grausamen Ritual unterzieht. Der Autor mahnt an, dass sowohl in Kamerun als auch in der Republik Nigeria “einige traditionelle Prinzipien wie unter anderem die weibliche Beschneidung, das Brustbügeln und der Kinderhandel so in der Gesellschaft verankert, dass sie immer noch mit aller Bestimmtheit hochgehalten werden”. Produzent Gilbert Agbor Ebot und seine Crew wollen sensibilisieren, eine Beitrag zur “Umerziehung” leisten. Bleibt zu hoffen, dass es ihnen ein Stück weit gelingen wird.
Schwenk zurück in unsere Lebenswelt. Nicht nur die Readers Edition war in letzter Zeit viel unterwegs, auch unser neuer Autor Simon Herker hat sich aufgemacht, um gleich der Readers Edition am vorletzten Wochenende ins schöne Magdeburg zu fahren. Er besuchte am Vorabend des “local heroes”-Bundesfinales die dazugehörige Podiumsdiskussion, die sich mit Fragen wie sich Musik in Zukunft verbreiten wird und wie gerade junge Bands das Internet nutzen können beschäftigte. Sein Titel spricht Bände “Musik 2.0 – Ohne Internet geht es nicht” und nimmt seine Schlussfolgerung bereits voraus. Mit Blick auf diverse Download- und Promotionportale diskutierten fünf Experten gemeinsam mit dem Publikum und den teilnehmenden Bands über Vor- und Nachteile der nahezu unbegrenzten Möglichkeiten im Web 2.0. Von intensiver Künstler-Fan-Beziehung bis zum einfachen Erreichen einer möglichst hohen Aufmerksamkeit reichten die Argumente der Befürworter, die nicht ohne eine ordentliche Portion Skepsis von der Gegenseite begleitet wurden. Segen oder Fluch? Beides scheint in den Weiten des WWW möglich. Felix Eyser von justaloud.com brachte es letztlich für alle Beteiligten auf den Punkt: “Die Fans müssen sich klar darüber werden, dass Musik etwas wert ist.” Ein schöner Appell an alle Musikbegeisterten.
Vom einfallsreichen PR-Gag bis hin zu hitzigen Debatten
“Florian Havemann schreibt Buch und enthüllt Margot Honecker in Wohnung von Wolf Biermann” – ein wahrhafter Knalleffekt zum Wochenstart, den uns Heinz-Peter Tjaden da vorgelegt hat. Ungläubig rieb sich da so manch Zeitgenosse die Augen. Der Hamburger Liedermacher und Lyriker im Bett mit Erichs Angetrauter? Doch was steckt dahinter? Florian Havemanns neuestes Werk, so die einfache Erklärung, in dem der 55-jährige behauptet, Wolf Biermann habe kurz vor seiner Abreise zu einer Tournee in Westdeutschland mit Frau Honecker geschlafen. Hat sie ihm etwa so manch Geheimnis aus den obersten Reihen geflüstert? Immerhin sang Biermann am 13. April 1976 “Ich möchte am liebsten weg sein – und bleibe am liebsten hier”. In wenigen Tagen ist nun das Machwerk zu lesen. Am 26. November erscheint “Havemann von Florian Havemann” und Tjaden, der die ganze Geschichte als “gelungenen PR-Gag” beschreibt, spekuliert mit leichtem Augenzwinkern: “Klagen will Biermann nicht, vielleicht aber schreibt er wieder einmal ein Lied über ‘Flori Have’?”
Aufregend, spannend, mitunter sogar recht hitzig setzt sich die vergangene Woche fort. Ein “Reizthema” tritt erneut auf den Plan. Die Suche nacht dem Recht- oder eben Nicht-Recht-Haben ging in eine neue Runde. Aulöser von zahlreichen Kommentaren war aristos Artikel mit dem provokanten Titel “Klimawandel oder Klimaschwindel!? – Eine offene Email an den Bundesumweltminister“. Die seit kurzer Zeit wieder frei zugängliche Kommentarfunktion wurde rege genutzt, um erneut eine interessante Debatte über das Für und Wieder dieser These zu führen, die vom Autor diesmal auf Molekularebene heruntergebrochen wurde. Er rechnet vor und stellt in Frage. In einer Art “Sendung-mit-der-Maus-Stil”, wie er es selbst bezeichnet, versucht dieser nun Gegenbeweise für das zu liefern, was IPCC und Co. prognostizieren. Wir sind gespannt, wie sich Gegner und Befürworter weiter einen gehörigen Schlagabtausch liefern, Argumente einbringen und Gegenthesen einführen und vor allem freuen wir uns auf vielleicht einige neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet. Das letzte Wort ist also auf gar keinen Fall schon gesprochen.
Über den Umgang mit Waffen und Einwanderern in Kanada
Für nicht wenig Gesprächsstoff in den Medien sorgte auch der nächste Fall. Stellen Sie sich vor, Sie kommen aus Polen und wollen im fernen Kanada ein neues Leben beginnen. Nach vielen ermüdenden Stunden Flug und noch einmal einer fast so langen Wartezeit in der Sicherheitszone am Flughafen verlieren Sie die Nerven. Werden aggressiv, werfen mit Stühlen um sich. Gerade als Sie sich wieder beruhigen tritt die Polizei auf den Plan. Sie heben die Hände, doch es nützt nichts. Die Staatsgewalt greift mit unverhältnismäßiger Härte durch. Sie werden von Stromschlägen, abgefeuert aus Elektroschockwaffen, getroffen. Sie stürzen zu Boden und sterben. Eine ganz und gar grauenhafte Vorstellung? Nun, genau dieses Ereignis hat sich am 14. Oktober auf dem Internationalen Flughafen von Vancouver zugetragen. Michael Werbowski greift in seinem Beitrag “Polizei, Taser und ausländische Reisende” genau diesen Fall um den Polen Robert Dziekanski auf und schildert die grauenhaften Szenen dieses Tages. Dabei gerät nicht nur der so genannte Taser erneut in seine Kritik, sondern auch das Vorgehen der Beamten. Er stellt fest, dass Erfinder und Betreiber dieses Gerätes den endgültigen Beweis für dessen Ungefährlichkeit schuldig bleiben und dass “(…) der Dziekanski-Vorfall (…) für ein Land, das seine Regeln und Unantastbarkeit der Menschenrechte im Ausland predigt, ziemlich unkleidsam [ist].” Die Menschenwürde des Opfers wurde nicht gewahrt. Das barsche Eingreifen der Polizisten in keinster Weise gerechtfertigt. Zwar wird der Vorfall nun intensiv untersucht, doch für Dziekanski kommt das zu spät. Er “träumte davon, mit seiner Mutter ein besseres Leben in Kanada beginnen zu können. Binnen weniger Sekunden endete seine kurze Erfahrung als Einwanderer tragisch und bevor sie überhaupt begann, mit zwei Betäubungsschüssen auf seinen Körper.”
Mit diesen Eindrücken verabschiedet sich die Readers Edition ins wohlverdiente Wochenende. Nicht ohne jedoch noch auf einige weitere spannende Geschichten zu verweisen. Denn nicht nur Georg Erbers Ausführungen zum Thema US-Dollar, Finanzen und die sich daraus entwickelnde Krise sind äußerst lesenswert, sondern auch Holger Finns Beiträge zu Oswald Metzgers jüngsten Äußerungen über Sozialhilfeempfänger in Deutschland nebst dazugehöriger Dokumentation.
Und so wünschen wir Ihnen auch heute erholsame Tage und machen Sie’s gut. Wir “lesen” uns nächste Woche!
Ihre Redaktion Readers Edition
Von Flori Have lernen, heißt Bücher verkaufen lernen. Ich jedenfalls habe mir fest vorgenommen, dass ich in meinem nächsten Buch diese Behauptung aufstellen werde: Angela Merkel hat eine Großtante ururgroßmütterlicherseits, die mit Karl Marx eine Liebesaffäre hatte, die zu einem unehelichen Kind führte. Dieses Kind wuchs bei Pfegeeltern in der Nähe von Berlin auf und schloss über ihr Ururenkel den Familienkreis zu Angela Merkel wieder, als dieser die Mutter von Angela Merkel heiratete. So ist auch die Abneigung unserer Bundeskanzlerin gegen den Marxismus eineuchtend erklärt und mein Buch wird ein Renner
)))