Sie kamen nicht auf edlen Rappen, ob sie Jungfrauen in ihrer Gefolgschaft hatten, das ist auch nicht einwandfrei überliefert. Und falls sie das im Volksmund als eher “dunkel” bezeichnete Mittelalter mit all seinen vermeintlichen Schrecken und Grauen nach Magdeburg trugen, ist das nun auch nicht mehr wirklich festzustellen…
Der Autorin wurde in Anbetracht dieses Ensembles nur Folgendes überliefert: “Sie waren gekommen, um Eure Kreuze zu erspielen!” Wohl wahr, das taten sie auch. Sprechchöre formierten sich in der Szene-Location Factory, die “bezaubernde Kapelle” wurde sehnlichst herbeigeschrien. Historische Kostüme, mittelalterliche Musik und ein Hauch Exotik auf einem Bandcontest, der zwar einiges an guter Rockmusik zu bieten hatte, aber sonst eher Gewohntes zu Tage förderte, war die gelungene Kombination für alle diejenigen Zuschauer, die sich neben satten Sounds auch etwas fürs Auge wünschten.
Vogelfrey, so der erlesene Name der vier Jungs und zwei Mädels aus Hamburg, die im ohnehin schon bunten Trubel noch einmal eins obendrauf zu setzen vermochten. Waren sie Geächtete? standen sie, wie ihre Vorfahren im besagten Mittelalter, außerhalb des Rechtsraumes? Nein, verstoßen wurden sie bei Weitem nicht. Eine Verfolgung blieb ihnen auch erspart, doch als Gaukler und Spielleute – gemäß der Definition – machte die Truppe sich außergewöhnlich gut. Eva Glomski an der Geige, Jannik Schmidt, der Mann an der Spitze, Christopher Plünnecke am Bass und an der Flöte, Dominik Schmidt an den Drums, Johanna Heesch am Cello und letztlich Dennis Walkusch an der Gitarre überzeugten beim diesjährigen local heroes Bundesfinale nicht nur ihre prächtige Schar an mitgereisten Fans auf’s Allerbeste, sondern haben sicherlich den ein oder anderen neuen “Getreuen” gewinnen können.
Die Mischung macht’s – Ein “Kreuzzug” nach Magdeburg
Mittelalter, gepaart mit Folklore, Rock und Metal. Dazu noch lyrische Texte, ob melancholisch, heiter oder nachdenklich. Das gibt der ohnehin schon eindrucksvollen Bühnenpräsenz noch zusätzliche Würze.

“Den Landesentscheid haben wir haushoch gewonnen”, erzählt mir Sänger Jannik vor dem großen Auftritt im Backstagebereich, während eine der Damen hingebungsvoll das Fell für ihr Bühnenoutfit bürstet. “Dabei hatten wir vorher echt Schiss und haben es deshalb auch diesmal bewusst vermieden, uns vorher die Konkurrenz anzuhören.” Ihren “Kreuzzug nach Magdeburg” hatten sie vielleicht gerade deshalb besonders gut präpariert. 50 Mannen stark war die illustre Runde, die sich da in kurzfristig und eigens für dieses Ereignis angefertigten Fan-Shirts in der Halle tummelte, sogar historische Kostüme wurden gesichtet. Keine Kosten und Mühen wurden gescheut und für wenig Geld die Fahrt, ein T-Shirt und eine Demo-CD gereicht, um für ordentlich Stimmung in den eigenen Reihen zu sorgen. “Wir haben alles in unserer Macht stehende getan”, erklärt der langhaarige Frontmann mit tiefer Stimme weiter. “Die Show ist nun das I-Tüpfelchen.”
Abwechslungsreich war dann auch ihr vorgetragenes Liedgut.
Von wild bis gediegen, oder was der Rockfan auch immer darunter verstehen mag, war alles dabei, was das Herz der Zuschauer begehren könnte. Fest steht jedenfalls nicht nur für die Redaktion: Die im Frühjahr 2004 in Bergedorf gegründete Formation, die sich selbst als “Pakt der Geächteten” bezeichnet, sorgte für gehöriges Aufsehen vor und hinter den Kulissen, was am Ende des Bundesfinales sowohl mit dem Roland als auch mit dem Gibson Sonderpreis ausgezeichnet wurde. Rang vier also für ihren Mediaeval Metal, der sich wohltuend aus dem Kreis der durchwegs hochkarätigen Künstler abgehoben hat.
Für die Autorin ist deshalb klar: Den Ritterschlag hätten sie auf jeden Fall verdient! Mit einem Songzitat des Sextetts soll nun aber auch schon beschlossen werden: “(…) an dieser, uns’rer Tafel, ist für jeden ein Platz frei! Mit Geigenklängen und Geschwafel ist die Zeit des Wartens schnell vorbei! Es gibt Feenfleisch!!!” Höret nun gespannt, was sie live zu bieten haben, lauschet den Klängen und lasst Euch faszinieren. Denn sie selbst behaupten standhaft, “selbst die Inquisition singt uns’re Lieder schon”…
Viva Vogelfrey.
Es hätte auch mehr als Platz 4 herausspringen dürfen. Aber wenn böswillige Hexen es so wollen… dann machen sie halt anders ihren Weg!