Böcker beobachtet: Das Gefühl, beobachtet zu werden.

Um 18:00 Uhr ist in Deutschland Abendbrotzeit. So auch hier, in einer Tagungsstätte irgendwo in Baden-Württemberg. Am Nachbartisch sitzen unter anderem eine evangelische Pfarrerin, ein katholischer Priester, ein Abteilungsleiter eines größeren Sicherheitsunternehmens und einige seiner Mitarbeiter. Das Tischgespräch plätschert so vor sich hin. Es wird dies und das besprochen, irgendwann

rtthrs.jpgUm 18:00 Uhr ist in Deutschland Abendbrotzeit. So auch hier, in einer Tagungsstätte irgendwo in Baden-Württemberg. Am Nachbartisch sitzen unter anderem eine evangelische Pfarrerin, ein katholischer Priester, ein Abteilungsleiter eines größeren Sicherheitsunternehmens und einige seiner Mitarbeiter. Das Tischgespräch plätschert so vor sich hin.

Es wird dies und das besprochen, irgendwann kommt das Gespräch auf “The Call“, einer recht jungen, aber sehr umstrittenen christlich-evangelikalen Glaubensrichtung. Ob die denn schon vom Verfassungsschutz beobachtet würden? Man sei sich nicht sicher, könnte aber mal auf der Internet-Seite nachschauen. Da interveniert plötzlich der Abteilungsleiter… das würde er im Moment nicht so gerne tun.

Warum? fragt einer seiner Mitarbeiter. Jetzt scheint der Abteilungsleiter sich seine Antwort gut zu überlegen. Er wüsste ja nicht, wer diesen Besuch alles so mischneide. Ein weiterer Mitarbeiter mischt sich ein und regt sich auf über diese Überwachung und echauffiert sich enorm, dass sogar ein so rechtschaffender Mensch wie sein Abteilungsleiter Gedanken über so etwas machen müsse. Dieses Unsicherheitsgefühl in Deutschland nehme den Menschen die Freiheit, und das, obwohl das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung noch gar nicht in Kraft getreten sei.

Gutes Stichwort, denn daraufhin geht die Diskussion weiter. Der Bundestrojaner werde bestimmt schon von den Geheimdiensten eingesetzt, und das Bemühen Schilys, ihn legalisieren zu lassen sei doch ein eindeutiger Hinweis darauf. Ein weiterer Kollege äußert, dass er auch gerne mal Anleitungen zum Bombenbau abfragen wolle, einfach nur aus beruflichem Interesse, immerhin arbeite man in einem Sicherheitsunternehmen. Das müsste man dann in einem Internet-Café machen, wirft noch ein anderer Kollege ein, da wäre man dann komplett anonym.

So geht das Gespräch hin und her, die Geistlichkeit hielt sich bis jetzt bescheiden in Form von “Hmm”, “Ja” und “Nein” zürück. Der Mitarbeiter, der sich anfangs ganz besonders echauffiert hatte, wagt jetzt den Vorstoß und fragt in die Runde, wie man wohl dagegen vorgehen könne. Da gäbe es wohl nichts, ist die einmütige Antwort. Verfassungsbeschwerde vielleicht? fragt er und lehnt er sich ganz weit aus dem Fenster. So etwas liefe auch schon… Die Reaktionen darauf orientieren sich an der Geistlichkeit: “Hmm, ja, nein”.

Als ob die Bedienung die gespannte Stimmung auflockern wollte, kommt sie genau jetzt und räumt den Tisch ab. Keine Fragen.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Pingback: Readers Edition » Klasse-Zukunft: Verfassungsschutzbehörden als Dienstleister nutzen