Was kann es Schöneres geben, als in tristen Wintertagen schon an farbenfrohe Ereignisse im kommenden Jahr zu denken. Bei der heutigen Pressekonferenz von Afro Project in Würzburg, flatterte jedenfalls nicht nur einmal eine Art kindliche Vorfreude über das Gesicht von Pressesprecher Christian Raith. Zu verdenken war es ihm nicht, schließlich hatte er auch Großes zu verkünden. 20 Jahre wird das Africa Festival der unterfränkischen Universitätsstadt im nächsten Frühjahr alt. Für die Veranstalter ist daher völlig klar: Ein solcher Geburtstag muss standesgemäß begangen werden.
Mehr als 1,4 Millionen Besucher hat das größte Festival für afrikanische Kultur und Musik in den vergangenen 19 Jahren in die Weinmetropole gelockt. Über 200 Gruppen aus 42 Ländern Afrikas und der Karibik erfreuten die Besucher mit ihren Klängen. Vom 22. bis 25. Mai – also genau eine Woche früher, als bisher gewohnt – soll es deshalb ganz besonders hochkarätig zur Sache gehen. “Wir feiern mit Freunden”, so das Motto des Mega-Ereignisses, das 2008 neben dem Themenschwerpunkt Südafrika auch Mali mit ins Boot holt und damit zwei Länder in den Vordergrund rückt, denen sich das Festival in den letzten zwei Jahrzehnten ganz besonders verbunden gefühlt hat.
Das Publikum bestimmt das Line-Up
Doch zurück zu Herrn Raiths kindlicher Vorfreude… Gleich einem Geburtstagskind, hatte es diesmal das Publikum in der Hand, was sich im nächsten Jahr auf den Bühnen der Mainwiesen tummeln wird. Und schon vorweg, sie haben sich reich beschenkt. Via Online-Voting, das erst vor wenigen Wochen abgeschlossen wurde, ward das bunte Völkchen danach befragt, welche Künstler sie in den letzten 19 Jahren am nachhaltigsten beeindruckt habe. Zwar startete “Mama Afrika”, Miriam Makeba außer Konkurrenz, da sie ihre Karriere mittlerweile beendet hat, und auch Lucky Dube, der vor wenigen Wochen erschossen wurde, fiel somit bedauerlicherweise aus dem Rennen, doch die Wünsche der Voting-Teilnehmer scheinen sich dennoch zu erfüllen, wie heute morgen freudig verkündet werden konnte.

Unter der Schirmherrschaft von “Altmeister” Manu Dibango aus Kamerun, der dieses Amt bereits zum 10-jährigen Jubiläum bekleidet hat und auch selbst auf der Bühne stehen wird, steht diesmal ein wahrhaft außergewöhnliches Staraufgebot in den Startlöchern, um gemeinsam mit allen Besuchern eine rauschende Party zu feiern.
So wird unter anderem Youssou N’Dour, der in der Abstimmung Platz eins belegte, zu Gast in Würzburg sein und am zweiten Abend mit seiner “goldenen Stimme” bezaubern. Der afrikanische Superstar aus dem Senegal, der einer breiten Masse aus seinem Duett “7 Seconds” mit Neneh Cherry bekannt sein dürfte, genießt nicht nur in seiner Heimat allergrößte Verehrung. Als engagierter Kämpfer für die Rechte Afrikas und im Kampf um Frieden, Freiheit und Demokratie schuf er sich auch hierzulande einen Namen. Mit seinem aktuellen Album “Rokku Mi Rokka” (in etwa “Geben und nehmen”) zieht es ihn derzeit zurück zu seinen Wurzeln, die er gemeinsam mit “Special Guest” Julia Sarr im Mai nun auch auf dem Africa Festival zum Leben erwecken wird.
Platz zwei ging an den Reggae Star Nummer eins, Alpha Blondy, der mit seinen fulminanten Bühnenshows schon mehrmals in Würzburg begeistern konnte. “Von ihm war schon immer Besonderes zu erwarten”, betont Christian Raith. Denn der charismatische Sänger von der Elfenbeinküste ist neben Tiken Jah Fakoly der politisch engagierteste Prophet des Reggae und bekannt für seine “finale Deutlichkeit”, wenn es zum Beispiel um bestehende Militärdiktaturen in Afrika geht. Mit seiner soeben erschienen Platte “Jah Victory” wird er also ebenfalls ins Unterfränkische kommen und am Sonntagabend sicherlich keinen unberührt nach Hause gehen lassen.
Doch wer ist nun der Dritte im Bunde? Für Kenner lag es eigentlich auf der Hand, Angélique Kidjos unstillbare Lebendigkeit hat überzeugt. Die vielfach sozial engagierte Künstlerin aus Benin tritt am dritten Festivalabend auf. Und auch sie hat eine neue Scheibe im Gepäck. “Djin Djin” ist eine musikalische Reise entlang der Sklavenroute von Afrika nach Brasilien und in die Karibik. Namhafte Sänger wie Alicia Keys, Youssou N’Dour, Ziggy Marley, Carlos Santana oder auch Joss Stone stehen ihr dabei zur Seite – Würzburg wird ihr da sicherlich bedingungslos folgen.
Das Konzept der Ausnahmeveranstaltung scheint für einen runden Geburtstag durchaus angemessen.
Doch was wäre das Africa Festival, wenn es nicht auch im nächsten Jahr mit allerhand “Beiwerk” locken würde. So wird das Fest außerdem von einer großen Ausstellung mit Fotografien von Jürgen Schadeberg, die in den 50er Jahren in Südafrika entstanden sind begleitet, darunter auch zahlreiche Musikerporträts.

Neben den Konzerten wird es wieder einen bunten Basar mit Kunst- und Gebrauchsgegenständen, afrikanischen Speisen und Getränken, einen Handwerkermarkt, ein großes Kinderprogramm inklusive der Weltpremiere eines Stückes über die Verbindung von Afrika, Würzburg und der Welt, ein Late Night Programm mit verschiedenen DJs, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und ein interessantes Filmprogramm geben. Der Havana Club wird für alle Freunde der karibischen Musik wieder seine Türen öffnen. Und die offene Bühne wird auch am vierten Tag für Groß und Klein vielfältige Klänge bereithalten.
Ein Paket, das überzeugt – so überzeugt, dass sich neben einem Korps afrikanischer Botschafter auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier angekündigt hat, der ebenfalls seinen Beitrag in Form eines Vortrages über die Afrikapolitik leisten will. Die Veranstalter Afro Project e.V., die musikalische Entwicklungshilfe für Deutschland, und die Stadt Würzburg in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt, die Bundeszentrale für politische Bildung, die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, nebst Unterstützung des Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und Bureau und Export sowie einige andere mehr, können mit der bisherigen Planung durchaus zufrieden sein. 2008 kann ab dem 1. Dezember kommen und die Readers Edition geht – wie schon im vergangenen Mai – sicher mit!
Doch nun stimmen wir uns erst einmal ein. Mit Youssou N’Dour und Neneh Cherry…
- Back to the “Rainbow World”!
- “Different colours – one people!”
- Steppin’ forward – es geht nach vorne!
- Grand Opening – Africa Festival 2007
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