Wochenrückblick I/XII: In Zeiten wie diesen…

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit hat auch die Wirtschaft eine Ethik-Kommission. Die liest alles. Ganz genau: auch die Reden von Bundespräsident Horst Köhler. In einer steht Ungeheuerliches: Kritik an der Höhe der Managergehälter. Damit wird Köhler seinen Platz im bundesdeutschen Kompetenzteam los, befindet diese Kommission den Bundespräsidenten als in Wirtschaftsfragen inkompetent.

kohli.jpgIn Zeiten hoher Arbeitslosigkeit hat auch die Wirtschaft eine Ethik-Kommission. Die liest alles. Ganz genau: auch die Reden von Bundespräsident Horst Köhler. In einer steht Ungeheuerliches: Kritik an der Höhe der Managergehälter. Damit wird Köhler seinen Platz im bundesdeutschen Kompetenzteam los, befindet diese Kommission den Bundespräsidenten als in Wirtschaftsfragen inkompetent.

Denn: Auf die Managergehälter komme es gar nicht an. Sondern darauf, dass die Leistungen der Spitzenleute überall im Betrieb spürbar werden. Für Arbeiter beispielsweise beim Erhalt von Arbeitsplätzen.

In Wolfsburg allerdings haben gewisse Manager das Wort “Erhalt” noch nie gehört, auch nicht bei Schmiergeldern. Leute, die so ihr karges Gehalt aufgebessert haben, sind doch meistens auf Lustreisen gewesen. Sollte man denen etwa hinterher fliegen, um sie zur Rede zu stellen?

In Zeiten der Landtagswahlkämpfe muss für die Parteien ein Thema her. Dieses Mal: die Bildungspolitik. Auf diesem Feld kündigen einige aus der CDU bereits eine Schlacht an. Bekämpft werden soll die Einheitsschule der SPD, die nach Finnland gehört und nicht nach Hamburg oder Niedersachsen. Weil: Hier zu Lande könne es keinem begabten Kind zugemutet werden, dass es allzu lange die Schulzeit mit weniger begabten Kindern verbringen müsse.

Besser ist doch wirklich: Unbegabten Kindern aus reichen Familien wird weiterhin der Wechsel zum Gymnasium erleichtert, damit begabte Kinder aus Arbeiterfamilien völlig ungestört die Hauptschule besuchen können.

In Zeiten des weltweiten Terrorismus muss alles, was das Volk so treibt, länger als sonst gespeichert werden. Sich darüber aufregen, ist sinnlos. Man muss einen Sinn in die Überwachung bringen, gerade in diesen vorweihnachtlichen Tagen. Falls wir uns also einfach nicht mehr daran erinnern können, ob wir Tante Hermine in Florida schon angerufen haben, um ihr einen schönen ersten Advent zu wünschen, erkundigen wir uns beim Verfassungsschutz und frischen so unser Gedächtnis wieder auf.

Dann sind wir nicht mehr Bewachte, sondern Bewachende, die immer genau wissen, wie gut die Überwachung funktioniert.

In Zeiten der Demokratie in Russland müssen ab und zu auch einmal Wahlen angesetzt werden. An diesem Sonntag: Stimmabgabe für die Duma, die zwar nichts zu sagen hat, aber dazu ist Putin schon etwas Tolles eingefallen: In manchen Wahllokalen gibt es Gratis-Wodka, denn: Wer nichts zu sagen hat, sollte wenigstens lallen können.

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