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Politik + Nachhaltigkeit

Die Botschaft von Bali: Grün gewinnt

Montag, den 3. Dezember 2007 um 13:11 Uhr von Franz Alt
Tuvalu droht der Untergang - das Wasser reicht teilweise schon gefährlich nah an die Häuser. Photo: screenshot (via tagesanzeiger.ch)

Als bei der Klimaschutzkonferenz 1995 in Berlin der Präsident des kleinen Inselstaates Tuvalu von den Industriestaaten mehr Klimaschutz forderte, “weil wir sonst ertrinken“, konterte ein Delegierter der USA mit der Frage: “Brauchen wir diese Inseln überhaupt?” Bis zur Bali-Konferenz in dieser Woche hat sich am Grunddilemma des Klimaschutzes nicht viel geändert: Die großen Länder haben Angst um ihr Wachstum und um ihre Arbeitsplätze und die kleinen Inselstaaten wie Tuvalu oder die Malediven müssen wegen des Anstiegs des Meeresspiegels um ihre Existenz fürchten. Die ersten Bewohner von Tuvalu mussten bereits ins Exil, weil ihre Inseln im Meer versunken sind.

Für die USA geht es in Bali primär darum, ob sie ihr Wachstum sichern können oder ob die Chinesen sie ökonomisch bald eingeholt haben.

Und dagegen wollen sie sich wehren. Klimaschutz spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. George W. Bush zu Angela Merkel bei ihrem letzten Treffen: “Ich kann keinen Klimaschutz machen, wenn die Wirtschaft vor die Hunde geht.”Für die meisten kleinen Inselstaaten – neben Tuvalu und den Malediven zum Beispiel auch die Seychellen, Taiwan oder die Fijis - , die sich zu einer politischen Gruppe von 43 kleinen Inselstaaten zusammengeschlossen haben – geht es in Bali um etwas ganz anderes, nämlich um ihre nackte Existenz. Ihre Vertreter werden bei der Konferenz auf der Götterinsel Bali den Rest der Welt hauptsächlich wieder mit dieser Botschaft nerven: “Tut etwas, denn wir gehen unter. Im Gegensatz zu Euch Industriestaaten haben wir keine Zeit zu verlieren. Schuld an unserem Untergang seid Ihr, die Reichen dieser Welt.”

Zwischen den schwachen kleinen Inselstaaten und den Klima-Ignoranten der US-Regierung gibt es jedoch seit der Berliner Konferenz vor zwölf Jahren das immer stärker werdende Gewicht der EU-Staaten, Japans und neuerdings Australiens sowie Indiens, die alle Klimaschutz als wichtiges politisches Ziel erkannt haben. Die Physikerin Angela Merkel spricht für diese Staaten, wenn sie sagt: “Klimaschutz und Energiepolitik- das sind die Überlebensfragen der Menschheit geworden.”

Die Hoffnung in Bali heißt Europa und Angela Merkel.

Die Klimaschutz-Freunde um Merkel haben nämlich inzwischen im Gegensatz zu Präsident Bush ganz pragmatisch erkannt, dass die Zerstörung des Weltklimas durch die alte Energiepolitik weit mehr kostet als der Schutz des Weltklimas. Klimaschutz-Technologien werden Exportschlager.

Praktizierter Klimaschutz erfordert das Wachstum von arbeitsplatzfreundlichen Technologien wie es zum Beispiel die Windradtechnik in Deutschland seit langem beweist. Durch erneuerbare Energien sind hierzulande in 15 Jahren eine Viertelmillion neue Arbeitsplätze entstanden. Die Botschaft von Bali könnte heißen: Die Ökologie wird die intelligentere Ökonomie. Und: Grün gewinnt.

So könnte Bali der Beginn einer neuen ökologischeren Weltwirtschaft werden – der Start in ein globales ökologisches Wirtschaftswunder. Zugegeben: Das ist bis heute nur eine leise Hoffnung. Aber auf der Insel der Götter sind vielleicht auch Wunder möglich.

Quelle: Franz Alt 2007

Mehr zum Thema:

- Indiens Premier Singh: “Wollen an Lösung mitarbeiten”
- Greenpeace Klima-Experte: “Chancen für Durchbruch in Bali sind gut!”
- Kurz vor Bali: Wie weit muss Klimaschutz gehen? - Teil 1
- Kurz vor Bali: Wie weit muss Klimaschutz gehen? - Teil 2

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3 Reaktionen zu “Die Botschaft von Bali: Grün gewinnt”

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  1. Readers Edition » Auf nach Bali! Stimmen zur Klimakonferenz

    am 4. Dezember 2007 um 03:25 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Die Botschaft von Bali: Grün gewinnt […]

  2. Heinz-Peter Tjaden

    am 6. Dezember 2007 um 23:50 Uhr | Link | Kommentar melden

    Sehr kluger Artikel mit positivem Drive. Wer hätte noch vor 30 Jahren gedacht, dass dieses Thema überhaupt jemanden interessieren könnte? Doch dann hat sich die Natur scheinbar böse verhalten. Klar, man kann die Umweltsünden nicht von gleich auf sofort abstellen. Aber man muss den Kindern auch nicht erzählen wollen, dass deren Kinder keine Chance haben. Haben sie.

  3. Jan Swierczynski

    am 16. Dezember 2007 um 02:26 Uhr | Link | Kommentar melden

    Es ist auch nun endlich Zeit, dass einmal Grün gewinnt. Ein Weiter so… kann und darf es auch nicht geben. Die Menschen betreiben seit der Steinzeit Raubbau an der Natur.

    Leider haben wir uns evolutionstechnisch nicht weiter entwickelt, jedoch erleben wir seit etwa 100 Jahren ein dramtisches Bevölkerungswachstum, das scheinbar nicht mehr zu soppen ist. Konsequenz - keine Verhaltensveränderung des Menschen (Raubbau) = Umweltkatastrophen, Hungersnot, Seuchen, Artenverlust und Kriege um Ressourcen.

    Wir erleben gerade einen Quantensprung menschlichen Leidens und Versagens. Und was tun wir?
    Wir streiten uns darüber wie wir trotz der unvermeidlichen Katastrophe unsere Besitzstände wahren können ohne einen annähernd angemessenen Beitrag zur Schonung unserer Umwelt zu leisten , damit unsere Nachkommen und die Fauna und Flora fortbestehen können. Nennt sich soetwas Verantwortung?

    Ich nenne es bei dem Namen: Egoismus in vollendeter Form. Wie dumm kann der Mensch noch werden, frage ich mich!

    Wann wachen wir denn endlich auf? Worauf warten wir?
    Oder sind wir schon so betäubt und sattgefressen, dass wir nicht mehr in der Lage sind zu erkennen, dass wir den Ast auf dem wir sitzen schon längst abgesägt haben!
    Wir sind schon tot, jedoch ignorieren wir das.

    Doch wie man so schön sagt: “Die Hoffnung strbt zuletzt”!
    Und Grün ist bekanntlich die Hoffnung und wird asoziiert mit dem Leben.
    Also lasst uns alle grün werden und das Leben bejahen in der Sekunde die uns noch bleibt, vielleicht retten wir dann doch noch den Planeten und können uns dann endlich weiterentwickeln.

    Die Zukunft beginnt jetzt, die Steinzeit war einmal.

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