Prima Klima auf Bali?

Bei der UN Klimakonferenz auf Bali vom 3. bis 14 Dezember könnte es zwischen Industrieländern und Schwellenländern heiß hergehen. Die Kulisse für das große Treffen könnte nicht besser gewählt sein: Die indonesische Insel Bali, tropischer Himmel auf Erden inmitten des Indischen Ozeans, üppig wuchernder Hibiskus und Pandanuspalmen, nicht zu Unrecht

unbali1.jpgBei der UN Klimakonferenz auf Bali vom 3. bis 14 Dezember könnte es zwischen Industrieländern und Schwellenländern heiß hergehen.

Die Kulisse für das große Treffen könnte nicht besser gewählt sein: Die indonesische Insel Bali, tropischer Himmel auf Erden inmitten des Indischen Ozeans, üppig wuchernder Hibiskus und Pandanuspalmen, nicht zu Unrecht wird dieser Ort auch Insel der Götter genannt. Allerdings ist Bali nicht nur Beispiel für die schützenswerte Schönheit unseres Planeten: Bali steht auch für die Bedrohung des Paradieses durch den Klimawandel, für auswuchernde Wetterextreme während des Monsuns, fortschreitende Erwärmung und gefährdete Küsten.

Kyoto-Nachfolger gesucht

Dieser Doppelbedeutung sind sich die Teilnehmer der UN Klimakonferenz natürlich bewusst. Um solche Paradiese im Besonderen und das Weltklima im Allgemeinen zu retten, sind sie aus insgesamt 192 Staaten nach Bali gejettet. Um die Bedeutung von Kerosin für den Treibhauseffekt wird es dabei allerdings nur am Rande gehen. Über Erfolg und Misserfolg des Gipfels entscheidet einzig die Frage, ob ein wirkungsvoller Nachfolger für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll gefunden wird.

Ob ein mögliches Abkommen nun als effektiv oder unzureichend gelten wird, bemisst sich im Grunde an der magischen Zahl Zwei. Zwei Grad Celsius globale Erwärmung über dem vorindustriellen Level, das ist nach allgemeiner Expertenmeinung das Maximum dessen, was wir unseren Planeten noch zumuten dürfen. Wie der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) betont, müssten die Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2050 auf wenigstens 50 % unter den Stand von 1990 zurückgefahren werden, um dieses Ziel zu erreichen.

Ehrgeizige Ziele

Diese Zielsetzung ist ambitioniert, zu ambitioniert befürchten schon jetzt einige Klimaforscher. Zwar gibt es durchaus positive Tendenzen: Nach dem Regierungswechsel in Australien ist damit zu rechnen, dass die neue Labor-Regierung unter Premier Kevin Rudd schon bald das Kyoto-Protokoll ratifizieren wird. Und auch der Widerstand der USA gegen eine effektive globale Klimapolitik scheint seit dem G8-Gipfel im Juni in Heiligendamm nicht mehr in Stein gemeißelt.

Trotzdem: Viele europäische Industrieländer bleiben hinter den ehrgeizigen, selbst auferlegten Reduktionszielen zurück. Das eigentliche Problem aber sind die Schwellenländer. Ein Abkommen ohne Staaten wie Indien, China oder auch Indonesien, in denen sich ein unbändiger Durst nach Wachstum und damit auch nach billiger Energie entwickelt hat, ist nicht viel mehr wert als – im wahren Wortsinn – heiße Luft. Doch gerade diese Staaten mit in das Boot zu holen, in dem eigentlich ohnehin alle zusammen sitzen, dürfte sich als schwierig erweisen: Die chinesische Regierung ließ schon im Vorfeld der Konferenz durchblicken, dass sie sich verbindliche Obergrenzen für Emissionen lediglich gegen ein Schmerzensgeld der reichen Industrieländern vorstellen kann. Das erinnert an Wladimir Putins Taktik, der das Kyoto-Protokoll im Jahr 2004 absegnete, um sich die Zustimmung der EU zum Beitritt Russlands in die Welthandelsorganisation (WTO) zu sichern. Doch das Verhalten Chinas erklärt sich auch aus einer gewissen Notlage: Für den Wirtschaftsaufschwung im Reich der Mitte braucht man Beton und Stahl in rauen Mengen – Materialen, die nur unter beträchtlichen Energieaufwand hergestellt werden können. Daher verdeutlichte Vize-Außenminister Zhang Yesui vor wenigen Wochen, dass der chinesische Energiebedarf noch „über einen langen Zeitraum steigen“ werde. Den Schwellenländern müsse der wirtschaftliche Aufstieg gestatten werden.

Emmissionshandel und Technologietransfer

Ganz unverständlich ist diese Haltung nicht. Der Reichtum der westlichen Industriestaaten beruht zu einem beträchtlichen Teil auf jahrzehntelangem Raubbau an der Natur. Andere nun für die Fehler zur Rechenschaft zu ziehen, die man sich selbst gestattet hat, unterminiert die Glaubwürdigkeit als Vorbild, als das sich der Westen bekanntlich ganz gerne wahrnimmt. Doch werden die prosperierenden Schwellenländer China, Indien oder auch Brasilien wie bei der Kyoto-Vereinbarung ausgeklammert, muss der Gipfel in Bali als gescheitert gelten. Wie also könnte eine Lösung aussehen?

Zunächst einmal ist ein grundsätzliches Umdenken im globalen Kampf gegen den Klimawandel vonnöten: Das Kyoto-Protokoll setzt ganz auf ökonomische Lösungen und lässt dabei beispielsweise die Möglichkeiten des Technologietransfers außer Acht. Schadstoffarme Kohlekraftwerke und die massive Unterstützung von regenerativen Energien in den Schwellenländern würden nicht nur deren Emissionsausstoß bremsen, sondern auch für einen Innovationsschub in den Industrieländern sorgen. Dies allein wird die Chinesen allerdings kaum von ihrem Glauben an die fossilen Energieträger abbringen: Hier entstehen im Schnitt zwei neue 500 Megawatt-Kohlekraftwerke wöchentlich.

Große Hoffnungen ruhen auf dem Handel mit Emissionsrechten: Jedes Land erhält Luftverschmutzungszertifikate, die sich nach der Einwohnerzahl bemessen. Reichere Länder haben die Möglichkeit, den Schwellenländern Zertifikate abzukaufen und subventionieren damit quasi den Einsatz umweltfreundlicher Technologien in diesen Ländern. Gleichzeitig würde sich Energie in den Industrieländern weiter verteuern, wodurch diese gezwungen wären, über effizientere Technologien nachzudenken. Der Haken jedoch: Insbesondere Indien und China würden aufgrund der hohen Einwohnerzahl zwar über viele Zertifikate verfügen – doch der CO2-Ausstoß ist hier mittlerweile so hoch, dass davon kaum noch etwas für den Handel übrig bliebe.

Ob der Klimagipfel also tatsächlich die großen Erwartungen erfüllt, bleibt abzuwarten. Allerdings dürfte allen Teilnehmern bewusst sein, dass man fast schon zum Erfolg verdammt ist: Yvo de Boer, Chef des UN-Klimasekretariats, wird nicht müde zu betonen, dass ein Nachfolger für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll unbedingt jetzt auf den Weg gebracht werden muss, da der Ratifizierungsprozess in den einzelnen Staaten viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Bis zum 14. Dezember können die Konferenzteilnehmer über ihre Verantwortung nachdenken – an einem Ort, der ihnen tagtäglich eine wunderschöne Seite des Planeten vor Augen führt, den es zu retten gilt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf: Club of Pioneers.

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