The next President of the USA – Teil 4: Barack Obama und John Edwards

Am 4. November 2008 finden in den USA Präsidentschaftswahlen statt. George W. Bush darf nach zwei Amtszeiten im Oval Office verfassungsgemäß nicht wieder antreten. In seine Amtzeit fielen nicht nur der 11. September, sondern auch die Kriege in Afghanistan und dem Irak. Geleitet von einer Gruppierung neokonservativer Kräfte, die es

obamaAm 4. November 2008 finden in den USA Präsidentschaftswahlen statt. George W. Bush darf nach zwei Amtszeiten im Oval Office verfassungsgemäß nicht wieder antreten. In seine Amtzeit fielen nicht nur der 11. September, sondern auch die Kriege in Afghanistan und dem Irak. Geleitet von einer Gruppierung neokonservativer Kräfte, die es sich zur Aufgabe machten, ein New American Century ins Leben zu rufen, hinterlässt der Sohn des ehemaligen Präsidenten George Bush Senior dem nächsten Präsidenten eine Reihe von schwierigen Aufgaben. Zudem führten beide Wahlen, in denen sich Bush als Sieger durchsetzte, aufgrund ihrer Umstände und Knappheit zu einer inneren Spaltung der USA.

Zwar sind die Präsidentschaftswahlen zwar noch ein Jahr weit entfernt, doch die nicht minder wichtigen Vorwahlen (Primaries) finden bereits Anfang nächsten Jahres statt. Grund genug, einen Blick auf die aussichtsreichsten Kandidaten beider Parteien, also der oppositionellen Demokraten und der regierenden Republikaner zu werfen. Dies möchte ich in loser Reihenfolge in der nächsten Zeit tun. Wer sind diese Kandidaten, wofür stehen sie, welche Chancen haben sie?

Die linken Kandidaten

Zwar scheint Hillary Clinton bislang alles in allem der Frontrunner unter den Kandidaten der eher liberalen Demokraten zu sein, wenn man sich allerdings fragt, welche Kandidaten mit einer tatsächlich linken politischen Agenda die besten Chancen haben, fällt sicher nicht der Name der ehemaligen First Lady, sondern zwei andere: Barack Obama und John Edwards.

Der Shooting Star: Barack Obama

Vor allem der junge Obama scheint gute Chancen zu haben, Clinton das fast schon sicher geglaubte Ticket noch aus den Händen zu reißen. Dabei ist genau dies – sein Alter – sein größter Trumpf und sein größtes Problem zugleich. Erst 2004 tauchte er auf der landesweiten politischen Bühne auf. Im November 2007 gewann er den Senatssitz Illinois – und das mit einem erdrutschartigen Ergebnis von 70 Prozent. Grund dafür waren zwei Faktoren: Zum einen schoben sich die republikanischen Gegenkandidaten (der erste trat noch während des Wahlkampfs wegen einer schmutzigen Scheidungsgeschichte zurück) mit Fehltritten und politisch absurden Theorien selbst ins Aus. Zum anderen ist da Barack Obamas Geburtsstunde als Shooting Star der Demokraten: Die Partei Convention im Jahr 2004, als John Kerry zum Präsidentschaftskandidat gekürt wird und Obama ihm fast mit der diesmal von ihm gehaltenen Grundsatzrede die Show stiehlt. Jung, frisch, idealistisch, nicht zum Politzirkus in Washington gehörend, schon allein aufgrund seiner Hautfarbe nicht Teil des Establishments – der Sohn eines schwarzen Kenianers und einer weißen Amerikanerin ist anders.

Präsident für alle Amerikaner?…

Und er vergisst trotz aller linksliberaler Positionen nicht, dass nicht alle diese Positionen teilen – er beschwört, schon in der Rede auf der Partei Convention und immer wieder seitdem er sich in Rennen gebracht hat, die Einigkeit der Nation – “Ich glaube, dass ich das Land zusammen bringen kann und die Politik der Interessensgruppen überwinden kann” – so sein Credo. Er spricht gegen den Irakkrieg, aber rückt die Situation des einzelnen Rekruten in den Blickpunkt, als er im Stile John F. Kennedys fragt, ob das Land dem Unteroffizier Seamus Ahern aus East Moline genau so gut diene, wie er ihm. Dabei ist dies einer seiner größten Pluspunkte: Im Gegensatz zu Clinton hat sich Obama tatsächlich stets gegen den Krieg im Irak ausgesprochen, auch schon zu Zeiten als diese Position noch unpopulär war – geholfen haben mag dabei, dass er seinerzeit noch ein Landespolitiker ohne bundesweite Bedeutung war. Neben einer baldigen Beendigung des Irak-Abenteuers stehen nachhaltige Energien (allerdings inklusive Atomenergie), wie bei Clinton die Healthcare und eine Verbesserung der Bildung besonders weit oben auf seiner Prioritätenliste – in den klassischen linken Themen wie Abtreibung, Guncontrol und Lesben- und Schwulengleichstellung ist er eh Vorzeigedemokrat.

… oder doch nur der Schwarzen?

Zwei Dinge dürften für seine Chancen demokratischer Präsidentschaftskandidat zu werden, entscheidend werden. Da ist zum einen seine Hautfarbe – sind die USA bereit für einen nicht-weißen Präsidenten? Zwar ist zu vermuten, dass ihn der afroamerikanische Teil der US-Bevölkerung tendenziell eher unterstützt, doch wiegt dies den Teil derer auf, die ihn deswegen nicht wählen – und sei es nur deswegen, weil sie nicht glauben, dass er sich aus diesem Grund nicht gegen den republikanischen Kandidaten durchsetzen kann?

Der zweite Punkt ist die schon erwähnte Frische – so sehr auch eine spürbare Freude bei potentiellen Wählern über sein Außenseiterdasein im Bezug auf das Polit-Establishment zu vermerken ist, so sehr ist exakt dies auch Munition für seine Gegner: Ein 46-jähriger Präsident, dessen politische Erfahrungen sich auf einige Jahre im Senat von Illinois und drei Jahre im Senat der USA beschränken? Klar und spürbar ist jetzt schon, dass jeder kleine Fehler, der ihm widerfährt Obama als Unerfahrenheit und Unreife ausgelegt wird.

Neueste Umfragen zeigen ihn vorne in Iowa

Und auch wenn er in allen bundesweiten Umfragen noch deutlich hinter Clinton liegt, so hat er jüngst das fast schon entschieden geglaubte Rennen wieder öffnen können. Wie unter anderem die Washington Post berichtet, liegt er in Iowa derzeit vor Clinton. Das ist insofern von Bedeutung, als dass der Caucus von Iowa (Zum allgemeinen Procedere der Vorwahlen hier mehr) die erste der Vorwahlen ist und die Erfahrung lehrt, dass der Ausgang des Rennens hier noch einmal auf den Kopf gestellt werden kann. Sollte es Obama also tatsächlich gelingen, Iowa für sich zu gewinnen, würde das seine Chancen noch einmal um ein Vielfaches steigern.

John Edwards – der zweite Anlauf

edwardsDer Kandidat, der nach europäischen Maßstäben wohl am ehesten das Prädikat “Links” verdienen würde, ist Dennis Kucinich. Dieser sorgte zwar für einen der Höhepunkte während der Debatten der Demokraten, als er, befragt warum er als einziger von den Kandidaten, die dazu in der Lage waren, gegen den PATRIOT ACT stimmte, mit einem trockenen “Because I read it” (‘Weil ich ihn gelesen hab’) antwortete, doch im Gesamtrennen ist er chancenlos. Konzentrieren wir uns also auf den chancenreichen Kandidaten, auf den das Prädikat noch am ehesten zutrifft, John Edwards.

Edwards ist auch hierzulande kein völlig unbeschriebenes Blatt, schließlich war er John Kerrys Mann für den Posten des Vizepräsident, nachdem er selbigem in den Vorwahlen unterlag. Bis zum Jahr, in dem Kerry dann schließlich dem Amtsinhaber Bush unterlag, war er Senator von North Carolina. “America belongs to us” (Amerika gehört uns) verkündet seine Homepage in großen Lettern und darunter “We have to be willing to take on this corrupt system and change it” (Wir müssen bereit sein, es mit diesem korrupten System aufzunehmen und es zu ändern). Deutliche Worte, die ein europäischer Beobachter kaum einem US-amerikanischen Präsidenten zutraut. Und ähnlich wie Obama, der durch seine kurze politische Karriere außerhalb des Establishments steht, wird Edwards nicht müde, zu betonen, dass die Hauptkontrahentin Clinton Teil de ‘Corporative Politicians’ sei, also jener Teil der Politik, der mit Konzernen und Lobbyisten soweit unter einer Decke stecke, dass eine eigenständige Politik kaum mehr möglich sei. Und so wundert auch nicht, dass auf seiner Agenda im Falle eines Wahlsieges das Thema Armutsbekämpfung ganz weit oben steht. Auch dürfte von ihm, von den Kandidaten, denen noch eine Chance eingeräumt werden kann, am ehesten eine grüne Politik erwartet werden, jedenfalls steht auf der to-do List auf seiner Homepage das Thema “Global Warming” ganz oben, sogar noch vor dem Irakkrieg – den Edwards baldmöglichst zu beenden verspricht – und dem Klassiker “Healthcare”.

Doch noch liegt Edwards in den meisten Umfragen hinter Clinton und Obama. Schwierig für ihn auch seine Erscheinung. Der smarte und redegewandte Anwalt hat nicht selten mit dem Eindruck zu glatt und überheblich zu sein, zu kämpfen. Im Land des oberflächlichen Eindrucks kommt das nicht gut an bei den Menschen.

Mehr zum Thema:

- The next President of the USA – Teil 1: Die Primaries
- The next President of the USA – Teil 2: Hillary Rodham Clinton
- The next President of the USA – Teil 3: Rudy Giuliani

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