Fröhlich spielen die Kleinen im Garten, unbeschwertes Lachen dringt zu ihren Eltern herüber. Trautes Familienidyll, ganz wie in einem etwas zu kitschig geratenen Film. Unbestritten sei, dass Kinder nach wie vor für viele Frauen und Paare das größte Geschenk auf Erden sind. Die meisten verwirklichen sich diesen Wunsch auf natürliche Weise. Einige greifen auf die Möglichkeit der Adoption zurück, wiederum andere schöpfen sämtliche medizinischen Optionen aus – bis es entweder funktioniert oder aber die Bemühungen aufgrund zu heftiger emotionaler oder finanzieller Belastungen eingestellt werden.
Doch wie hartnäckig manchmal an der Erfüllung eines Lebenstraumes gehangen wird, das zeigt der Fall einer 64-jährigen Frau, die am vergangenen Donnerstag in einer Aschaffenburger Frauenklinik ihr erstes Baby in der 38. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt zur Welt gebracht hat. Die Mutter des neugeborenen Mädchens, die mit ihrem Mann bereits zwei Kinder adoptierte, hatte in der Vergangenheit mehrere Fehlgeburten erlitten und sich schließlich für die in Deutschland verbotene Eizellenspende im Ausland entschieden.
Doch was bleibt übrig nach den ersten Tagen des Glücks? Wie wird das Leben des Ehepaares im besten Rentenalter mit einem Kleinkind aussehen? Und welche Auswirkungen hat diese Entscheidung auf das kleine Mädchen, dass sich wahrscheinlich nicht nur künftig von Mitschülern hänseln lassen muss, weil sie vermeintlich von Oma und Opa zur Schule begleitet wird, sondern sich auch mit Eltern konfrontiert sieht, die wahrscheinlich weder geistig noch körperlich lange mit ihrer Entwicklung mithalten können? Kaum wurde das Ereignis publik, sorgt man sich auch schon um das künftige Leben des Säuglings, der gerade erst auf dieser Welt angekommen ist.
Egoistische Wünsche oder Mutterglück in jedem Alter?
Denn schon kurze Zeit später melden sich die ersten Stimmen zu Wort. Patrick Illinger von der Süddeutschen Zeitung fragt etwa Folgendes: “Steht hier der egoistische Kinderwunsch über dem Wohl des Kindes?” Zwar verweist der Autor in seinen Ausführungen ganz klar darauf, dass sich die Frage, welche Menschen Eltern werden dürfen schließlich nicht gesetzlich regeln lasse. Doch medizinisch betrachtet ergeben sich im obigen Fall durchaus so einige Bedenken. Immerhin verhalf nur ein “medizinischer Kunstgriff” der Frau zu ihrem Kind.
Andere werden da um einiges deutlicher. Professor Klaus Diedrich, Direktor der Uni-Frauenklinik Lübeck, betont: “Wenn eine Frau aus Altersgründen keine Eizellen mehr produziert, sollte Schluss sein mit Eizellspende und künstlicher Befruchtung”. In seinen Augen werde die Zukunft des Kindes nicht beachtet – die Entscheidung des Paares hält er für egoistisch.
Auch andernorts melden sich Experten. Wie die Frankfurter Allgemeine berichtet, hält Dr. Ulrich Hilland, Vorsitzender des Bundesverbandes der Reproduktionsmedizinischen Zentren in Deutschland, die Schwangerschaft der 64-Jährigen sogar für einen Missbrauch des medizinischen Fortschritts. “Eine Schwangerschaft in diesem Alter sei nicht im Sinne des Kindeswohls. Eltern hätten die Pflicht, sich um ihre Kinder zu kümmern.” Gleichzeitig plädierte er jedoch dafür, eine Eizellenspende in Ausnahmefällen auch in Deutschland zuzulassen. Die Altersgrenze läge hier jedoch seiner Meinung nach bei etwa 45 Jahren. Jenseits der 50 halte er das nicht mehr für vertretbar.
Einen völlig anderen Aspekt betrachtet dagegen Volker von Loewenich vom Forum Ethik in der Medizin, der Eizellenspenden an älteren Frauen nicht grundsätzlich für verwerflich hält, doch Probleme anderer Natur auf mehreren Ebenen sieht. “Verwerflich wird es, wenn man zum Beispiel die finanzielle Not von Eizellen-Spenderinnen in ärmeren Ländern ausnutzt,” so von Loewenich. “Eine Eizelle zu gewinnen, ist ein massiver Eingriff in den Körper der Frau.” Zwar sei dieser nicht unbedingt gefährlich, aber dennoch mit Risiken behaftet. Auch auf den Alltag der Familie und den “Oma- und-Opa-Status” der Eltern weist er hin: “Man muss sich fragen: Ist das ein natürlicher Ablauf?”
“Kinder sind doch keine Ware!”
In die Diskussion eingeschaltet haben sich mittlerweile auch die Kirchen. In einem Gespräch mit der Regionalzeitung Mainpost zum Beispiel verurteilt Bischof Friedhelm Hofmann jede Form der künstlichen Befruchtung. “Hier werden Türen aufgestoßen, deren Folgen wir nicht absehen können”, warnt der Gottesmann. “Kinder sind doch keine Ware, man kann sie doch nicht wie eine Sache behandeln!” Und auch die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann betont: “Es gibt ethische Grenzen für das, was technisch machbar ist.” Das Kinderkriegen unterliege immer mehr einem Machbarkeitswahn.
Vergleichbare Fälle im Ausland
Dass dieser von der Landesbischöfin so bezeichnete “Wahn” allerdings nicht erst jetzt beginnt, das haben vergleichbare Fälle im Ausland in den vergangenen Jahren gezeigt. Ende Dezember 2006 meldeten die Medien, dass eine 67 Jahre alte Spanierin Zwillinge bekommen habe. Seither gilt die Andalusierin als die älteste Erstgebärende weltweit. Anfang 2005 bekam zum Beispiel auch eine pensionierte Professorin aus Rumänien mit 66 Jahren Zwillinge, von denen aber nur ein Mädchen die Geburt überlebte. In der Vergangenheit sind ähnliche Fälle auch aus Italien, Indien oder Israel bekannt geworden.
Eines scheint indes auch diesmal gewiss: Der Fall der wahrscheinlich ältesten Mutter Deutschlands gilt in Fachkreisen als medizinische Sensation. Und der Trend hält an. Immer mehr Frauen erfüllen sich auch hierzulande ihren Kinderwunsch aus den unterschiedlichsten Gründen erst im “fortgeschrittenen” Alter. Müssen wir uns also künftig daran gewöhnen immer mehr Mütter jenseits der 50 mit Kinderwagen zu begegnen? Wird die späte Mutterschaft bald ebenso akzeptiert, wie eine Vaterschaft jenseits der 70? Wiegen Argumente wie Lebenserfahrung, mehr Gelassenheit oder sicherer sozialer Status die Bedenken der Kritiker auf?
Die Frage nach dem Preis, den das Kind, seine Eltern und auch die Gesellschaft für das eingangs erwähnte Familienidyll in einem solchen Fall zahlen muss, gilt es allerdings intensiv abzuwägen…
Eigentlich sollte man nicht über andere Menschen urteilen, aber ein Kind mit über 60 zu bekommen, finde ich, gelinde gesagt, unverantwortlich.
Wenn das Kind 10 Jahre alt ist, ist die Mutter bereits 74. Die Mutter weiß noch nicht einmal, ob sie es überhaupt erleben wird, wenn ihr Tochter heiratet oder aus der Schule kommt.
Dort wird meiner Meinung nach der Wunsch nach einem Kind, über das Kind selbst gestellt.