Haben Sie vielleicht auch einen im Schuh heute? Sehen Sie doch einmal nach. Jedenfalls ist heute Vorsicht am Platze, bevor man in seine Schuhe oder Stiefel schlüpft. Es könnte eine kleine Aufmerksamkeit darin sein. Womöglich hat es sich auch ein Nikolaus – ein Hohlkörper aus Schokolade – über Nacht darin bequem gemacht haben. Wer ist das überhaupt, dieser Nikolaus?
Den Nikolaus gab es tatsächlich
Das Wort Nikólaos kommt aus dem Griechischen und setzt sich aus nikáo (Siegen) und laos (Volk) zusammen. Einen wahren Nikolaus hat es tatsächlich gegeben. Allerdings hat diese historische Person mit der Erscheinungsform des Nikolauses, wie ihn die Coco-Cola-Reklame im Jahre 1931 mit rotem Rock und Zipfelmütze erschuf – und wie er uns bis heute immer weiter verkitscht, immer früher im Jahr entgegenzustapfen pflegt – so gut wie überhaupt nichts gemein. Der spätere Bischof Nikolaus von Myra soll zwischen 270 – 286 unserer Zeit in Patara geboren und am 6.12.326, 345 oder 351 unserer Zeit in Myra am Mittelmeer gestorben sein. Neueste archäologische Untersuchungen sagen jedoch aus, dass der marmorne Sarkophag, an dem alljährlich tausende Touristen beten, nicht die wirkliche Grabstätte des einstigen Bischofs ist. Das hält aber niemanden ab. Viele Griechen oder Russen kommen als Pilger in die Sankt-Nikolaus-Gedächtniskirche nach Myra und legen dort nach orthodoxer Sitte auch mitgebrachte Dinge von zu Hause gebliebenen Familienmitgliedern ab, auf das des Nikolaus’ Geist auf sie ausstrahle, um Böses fernzuhalten und Gutes anzuziehen.
Myra heißt heute Demre und liegt in der Türkei
Manche Quellen sprechen davon, dass Nikolaus bis 320 unserer Zeit – in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts also – in Myra (Kleinasien) als Bischof gewirkt haben soll. Heute heißt Myra Demre und liegt in der Türkischen Republik. Demre befindet sich ungefähr auf der Mitte des insgesamt 400 Kilometer langen lykischen Küstenweges von Antalya im Nordosten und Patara im Westen der Türkei. Die Gegend ist überreich an Geschichte. Hier hinterließen nicht nur die Lykier ihre Spuren, sondern auch die Perser, der Makedonier Alexander der Große, die Griechen, Ptolemäer, Römer, Byzantiner, die Osmanen und schließlich die Türken…
Bischof Nikolaus stand Kindern und Unterdrückten bei
Bischof Nikolaus ist vor der Kirche in Demre in Stein verewigt. Die türkische Gemeinde hat aber auch an die jedes Jahr aufs Neue heranströmende Touristenschar gedacht. Und deren Geschmack. In den Stadtpark hat man einen der Coca-Cola-Reklame von 1931 ähnelnder Nikolaus gestellt. Um ihn herum sind Kinder gruppiert. Der historisch verbürgte Bischof Nikolaus hat nämlich Überlieferungen nach vielen Kinder, aber auch Schwachen, Unterdrückten und Kranken aus mißlichen Situationen herausgeholfen und auf diese Weise gerettet. So soll er heimlich Lösegeld für Kinder gezahlt oder die Schulden Armer beglichen haben. Die guten Taten des Bischofs führten später zu dessen Heiligsprechung.
Das Bild vom Nikolaus hat sich verändert
Wenn Sie heute im wahrsten Sinne des Wortes einen im Schuh haben – in Nikolaus’ Namen beschenkt worden sind, oder selbst schenkten – so ist das sicher ganz schön, und macht Freude – so oder so – mit dem historischen Nikolaus hat das eigentlich nichts zutun. Vielmehr damit, dass in 1500 Jahren bis heute ein eher kitischiges, immer weniger stimmiges, Bild des Nikolaus entstanden ist. Wir hatten bzw. haben es mit einem Nikolaus zu tun, der früher und mit Rute ausgestattet, auch dazu diente, Kindern Angst zu machen, um sie zu Gehorsamkeit zu erziehen. Und heutzutage verkörpert der Nikolaus eher eine Art von Symbol, welches vermehrt für eine immer ungenierterer voran getriebene Vermarktung von allem und jedem steht.
Nikolaus sollte uns zu denken geben. Heute
Heute ist der 6. Dezember. Und Nikolaus-Tag des Jahres 2007. Not und Armut nehmen wieder zu. Auch hier in Deutschland. Millionen Kinder gelten als arm. Dubiose Unternehmen zahlen Hungerlöhne. Rot-Grün schoss letzte soziale Bastionen im Lande sturmreif. Schwarz-rot ruht sich auf derlei Politik aus und schanzt die dabei erzielten Einsparungen denen als Gewinne oder in Form von Steuererleichterungen zu, welche schon mehr als genug haben, der Gesellschaft aber zu wenig oder gar nichts zurückzugeben bereit sind. Suppenküchen haben seit Jahren wieder zunehmend Hochkonjunktur. Die Bettler werden mehr. Kinder kommen am Morgen hungrig in den Unterricht. Leute wie ein Bischof Nikolaus von Myra sind 2007 gefragter denn je. Es sollte uns zu denken geben. Heute.
Sehr schöne Beitrag!
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