Mit Riesenschritten nähern wir uns nun dem zweiten Advent. Die Tage werden gemütlicher – allerorts wird von einer besinnlichen Zeit gesprochen. Besinnlich? Für die Aktivitäten auf der Readers Edition trifft dies dann doch eher nicht zu. Schon vor Wochenauftakt spiegelte sich hier das wieder, was da draußen in der Welt für einiges Aufsehen gesorgt hat. Sei es die Duma-Wahl in Russland am vergangenen Sonntag, die Klimakonferenz auf Bali oder aber die neueste Nachricht von einer Frau, die im fortgeschrittenen Alter von 64 Jahren noch einmal Mutter geworden ist. Turbulent und bunt gemischt – also ganz in gewohnter RE-Manier ging auch diese Woche wieder zu Ende, weshalb auch unser kleiner Rückblick auf ein Neues einen weiten Bogen spannen wird.
Über das Bloggen in Uganda und Prima Klima auf Bali
Nach einem fast schon geruhsamen Wochenende mit einer, in weiten Kreisen als sehr vorhersehbar bezeichneten Duma-Wahl, geriet am vergangenen Montag das Augenmerk der Leser erneut auf die Blogosphäre im Ausland. Rebekah Heacock traf sich mit 27th Comrade, um ihm in zehn Fragen auf den Zahn zu fühlen. Denn der einst zu den aktivsten Bloggern Ugandas zählende Mann, hatte vor zwei Monaten Abstand zu seinem Blog genommen und ist heute nur noch gelegentlich in einem Gruppenblog aktiv. In einem kurzweiligen Gespräch erfahren wir also nicht nur, wie lange Comrade nun schon bloggt, warum er überhaupt damit angefangen hat, wofür er seinen Blog in erster Linie nutzt und wie es um seine politische Einstellung bestellt ist. Seine letzten Aussagen sorgen dabei für gehörigen Denkanstoß, denn er ist der Überzeugung, dass “die Auswirkungen des kannibalistischen Kapitalismus (…) uns noch in 1000 Jahren beschäftigen (werden)”. Ein äußerst lesenswertes Interview über die “Innenansichten” eines Bloggers aus einer fast schon anderen Welt.
Bleiben wir Deutschland auch im nächsten Beitrag fern und wenden uns der indonesischen Insel Bali zu. Bis zum 14. Dezember findet dort die UN-Klimakonferenz statt und für Joerg Frommann – ebenso wie für viele andere – Anlass genug, sich diesem Thema intensiv zu widmen. “Prima Klima auf Bali?” so sein Titel. Der Einstieg mit Hilfe schöner Palmenlandschaften und tropischem Ambiente scheint mit Bedacht gewählt. Denn: “Bali steht auch für die Bedrohung des Paradieses durch den Klimawandel, für auswuchernde Wetterextreme während des Monsuns, fortschreitende Erwärmung und gefährdete Küsten.” Die Kehrseite dieser Medaille liegt für den Autor also auf der Hand. Im Bewusstsein, dass Delegierte aus insgesamt 192 Staaten einen wirkungsvollen Nachfolger für das Kyoto-Protokoll finden müssen, äußert Frommann allerdings auch seine Skepsis, dass die ehrgeizigen Ziele, die sich die Regierungen gesteckt haben, auch umzusetzen seien. Die Industrieländer blieben bis dato hinter ihren Reduktionszielen zurück. Die Schwellenländer werden zum Riesenproblem. Wie werden sich China, Brasilien und Indien entscheiden? Frommann appelliert zu einem grundsätzlichen Umdenken im globalen Kampf gegen den Klimawandel. “Das Kyoto-Protokoll setzt ganz auf ökonomische Lösungen und lässt dabei beispielsweise die Möglichkeiten des Technologietransfers außer Acht.” Eines scheint jedoch schon jetzt gewiss: Die Konferenzteilnehmer sind schon jetzt zu einem Erfolg verdammt. Das Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus. Nicht mehr viel Zeit also, um alle Staaten ins Boot zu holen und diesen wunderschönen Planeten zu retten.
Bush, der Iran und Präsidentschaftswahlen in Südkorea
Für den Einen kam es überraschend, für den Anderen bestätigten sich die Vermutungen im stillen Kämmerlein. “Wie das National Intelligence Estimate am 3. Dezember veröffentlichen ließ, wird davon ausgegangen, dass der Iran seine Aktivitäten betreffend der nuklearen Bewaffnung des Landes seit Mitte 2003 eingestellt hat.” Grund genug für Robert Heis sich diesem Thema am vergangenen Dienstag anzunehmen. Denn George W. Bush zeigt sich nach diesen neuen Erkenntnissen eher uneinsichtig – sieht sich gar in seiner Politik bestätigt. Zwar besteht laut Heise kein Grund, die islamische Republik zu verharmlosen, doch die weiterhin selbstbewusste politische Haltung der US-Regierung scheint einer neuen Bewertung unterzogen werden zu müssen. Was passiert jedoch, wenn die USA die Situation im Iran weiterhin falsch einschätzen, aktuelle Vorgänge missinterpretieren und zu völlig falschen Schlüssen kommen? “Eine derartige Fehl- bzw. Unterschätzung der Lage im Falle einer konfrontativen Auseinandersetzung mit dem iranischen Regime wäre fatal und könnte unter Umständen weitreichende Folgen in der internationalen Sicherheitspolitik nach sich ziehen.” Die von Bush gemalte “Achse des Bösen”, wie sie dann auch Heinz-Peter Tjaden in seinem Artikel zum Thema erwähnt, scheint also gerade zu verblassen. Außenminister Steinmeier sieht in diesen neuen Erkenntnissen sogar eine Chance, “in die Atomgespräche mit dem Iran neue Bewegung zu bringen”. Kluges Handeln ist also nun das Gebot der Stunde.
Der Blick über den eigenen Gartenzaun setzte sich auch am vergangenen Mittwoch fort. Hannes Mosler ermöglicht uns einen Schwenk nach Südkorea. In zwei Wochen stehen dort nämlich die Präsidentschaftswahlen an. Nachdem der amtliche Wahlkampf am 27. November begonnen hat, stellt Mosler uns nun die Kandidaten und die Hintergründe ausfführlich dar. Doch schon Eingangs wird deutlich, dass das Ergebnis – ganz ähnlich wie in Russland – mehr als nur vorhersehbar zu sein scheint. Denn, der mutmaßlich in einen Geldgeschäfteskandal verwickelte Favorit, Lee Myung-bak, hat mindestens 40 Prozent der Bevölkerung schon seit Anfang des Jahres hinter sich. Zwar wurden, laut Staatsanwaltschaft, bis dato keine Beweise für eine Verwicklung gefunden, doch selbst falls sich eine Mittäterschaft am Ende doch noch herausstellen sollte: Das Volk will einen starken Präsidenten mit Durchsetzungsvermögen. Und das scheint Myung-bak in ihren Augen zu sein. Der Negativwahlkampf der Konkurrenz hat sich also von einem Tag auf den anderen in nichts aufgelöst – die offizielle Mitteilung lässt das Strategie-Kartenhaus zusammenfallen. Ist nun das “Theater der falschen Schuldzuweisungen” zu Ende? Bei Weitem nicht: Die Gegner fordern erneute Untersuchungen und Mosler ist sich sicher: “Auch diese Präsidentenwahlen scheinen nicht ohne eine größere Schlammschlacht über die Bühne gehen zu können.”
Kinderverarmung in Deutschland und handfestes Engagement
Am Ende der Woche gelangen wir mit Volly Tanner nun doch zurück nach Deutschland und zu einem wahrhaften Dauerbrenner in den deutschen Medien. “Unbändige Wut und hilfloses Mitgefühl” stimmt ein auf die persönlichen Erlebnisse von Melanie Trommer, die sich von “Hilflosigkeit befreit hat und hilft”. Ihr Herz hat sie dem Leipziger Projekt “Restaurant des Herzens” verschrieben. Und so erzählt die junge Frau von ihren ersten Erfahrungen als Spendensammlerin, den Vorteilen, die sie in diesem Projekt sieht und den Dingen, die dort am nötigsten sind. Gefragt nach ihren persönlichen Ideen, wie das Problem der immer fortschreitenden Kinderverarmung in Deutschland zu lösen sei, hat Melanie auch prompt ein ganzes Bündel an Vorschlägen parat: Ob neue sozialpolitische Wege, soziales Engagement oder sozialverträgliche Familienpolitik, eine isolierte Betrachtung liegt ihr fern. Eine endgültige Lösung ist aber auch für sie nicht in Sicht. Eines scheint in ihren Augen jedoch am wichtigsten: Jeder kann etwas tun und zwar direkt bei Einrichtungen, die schnell und konkret Hilfe bieten.Mit diesen Eindrücken verabschiedet sich die Readers Edition an dieser Stelle auch schon ins wohlverdiente Wochenende. Wir bedanken uns bei unseren fleißigen Autoren unseren Lesern und Kommentatoren für eine spannende und diskussionsreiche Woche und wünschen Ihnen nun geruhsame Tage. Bis nächsten Freitag!
Ihre Redaktion Readers Edition
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