Mit seinem Blog basicthinking.de steht Robert Basic seit einiger Zeit auf Platz eins der deutschen Blogcharts (www.deutscheblogcharts.de). Er hat damit Bildblogger Stefan Niggemeier vom Spitzenplatz verdrängt. Die Seite von Robert Basic besuchen täglich rund 10 000 Menschen. In seinem Blog beschäftigt sich der 40-Jährige vor allem mit neuen Webstartups, Suchtechnologien und Social Networks. Neben dem Bloggen verdient Basic sein Geld als IT-Berater und mit der Entwicklung von Blogs für Firmen und Verbände.
Was kann ein Blog, was andere Medien nicht können?
Ein Blog ist viel näher am Menschen dran. Mit einer Zeitung kann man zum Beispiel nicht reden. Auch ein Leserbrief ist ja kein wirklicher Dialog. Im Blog kann man widersprechen, man kann persönlich und dauerhaft miteinander in Verbindung treten. Das ist eine ganz andere Ebene als bei den normalen Medien. Ich will wissen, was die Leute denken. Das Spannende ist ja nicht, dass eins plus eins zwei ist, sondern warum derjenige es geil findet, dass es so ist! In den konventionellen Medien bekommt man mehr die Sachebene vermittelt. Auf Blogs ist die persönliche Ebene mit der Sachebene verbunden.
In den USA oder Frankreich ist die Bloggerszene viel weiter entwickelt und wird auch in der politischen Medienlandschaft ernst genommen. Warum hinken wir hinterher?
Es gibt mehrere Gründe. Einmal ist es diese in Deutschland anscheinend noch immer bestehende Technikfeindlichkeit und eine geringe Experimentierbereitschaft, mit neuen Möglichkeiten zu publizieren. Den Deutschen ist ja eigen, alles was neu oder fremd ist, erst einmal kritisch zu begutachten und so tief zu durchdenken wie ein Philosoph, dass sie erst nach zehn Jahren darauf kommen: Vielleicht kann ich es mir ja doch mal anschauen und nutzen.
Es liegt also vor allem an der deutschen Mentalität?
Nicht nur. Man darf zum Beispiel auch nicht vergessen, dass die deutsche Medienlandschaft wirklich sehr gut ausgeprägt ist und dass es unglaublich viele unterschiedliche Medienorgane bis in den kleinsten lokalen Bereich gibt. Blogs spielen in der Medienlandschaft deshalb noch keine eigenständige Rolle oder werden zumindest nicht so wahrgenommen.
Was sind die Trends im Internet?
Einerseits bewegt es sich sehr stark in Richtung Social Networks, solche Sachen wie StudiVZ. Das ist das absolute Hype-Thema. Andererseits kann man derzeit viele Bemühungen sehen, innerhalb dieser 3D-Welten wie Second Life Standards aufzusetzen, mit dem Ziel, zwischen den Welten wandern zu können. Da ist momentan wahnsinnig viel los.
Können Sie vom Bloggen leben?
Ja. Zuerst hat es mir bei meinem Job als IT-Berater geholfen, jetzt ist der Blog ziemlich bekannt, und es kommen darüber auch immer wieder Aufträge. Außerdem verdiene ich durch Werbung auf dem Blog.
Ihr nächstes Projekt heißt das-war-nicht.net. Was ist das?
Ein Blog ist ein Dialogmedium und wird als solches auch von Firmen mittlerweile stärker wahrgenommen. Deshalb hoffe ich, dass man da Konsumenten und Firmen zusammenbringen kann. Kunden sollen sich über Firmen beschweren, aber auch die Firmen über die Kunden. Nicht immer ist nur der Kunde König, manchmal hat auch die Firma recht. Die Hoffnung dahinter ist natürlich, dass die Firmen mit der Zeit lernen, mit den Blogs auch mal auf einer konstruktiven Basis umzugehen. Und später, je nachdem wie erfolgreich es sich entwickelt, soll der Blog als Verbraucherschutz funktionieren.
Interview: Felix Kubach
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Erstveröffentlichung: Berliner Zeitung, 07.12.2007
Hoffentlich werden dann die Unternehmen und potentiellen Partner noch aufmerksamer auf uns Blogger und wir werden nicht mehr nur von den Grossen Medien belächelt. Ich selber sehe einige Blogprojekte wie zum Beispiel die ReadersEdition u.ä. als neue Präsentationsmöglichkeit, die ernstzunehmen sich anbietet, der vierten Macht im Staat