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Politik

“Nicht nur auf Russland schimpfen” - Alexander Rahr (DGAP) im Interview

Donnerstag, den 13. Dezember 2007 um 14:45 Uhr von Felix Kubach
Wer ist der Neue an Putins Seite? Photo: RIA Novosti

Am Montag dieser Woche hat Wladimir Putin seinen potentiellen Nachfolger Dmitri Medwedew der Welt mitgeteilt. Umfragen haben bereits ergeben, dass die Russen bei der Wahl im März 2008 seiner Empfehlung folgen werden. Doch was ist das für ein Mann, der da in den Kreml einziehen wird und was kommt damit auf das Land zu? Hierzu Russlandexperte Alexander Rahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik im Interview:

RE: Die Bundesregierung begrüßt Medwedews Nominierung durch Putin. Was ist das für ein Mann und wie sehen Sie dessen Ernennung?

Rahr:
Von allen realen Nachfolgekandidaten ist Medwedew der liberalste. Er bekennt sich zur Marktwirtschaft und zur Integration Russlands in die internationale Staatengemeinschaft. Kürzlich hat er auch gesagt, dass er mit der Ukraine keinen neuen Gaskonflikt mehr will. Die Ernennung Medwedews ist eine Gelegenheit, die Beziehungen zu Russland nach einer Eiszeit von 3-4 Jahren wieder zu verebessern.

RE: Ist Medwedew nur eine Marionette Putins oder trauen Sie ihm eigenen Regierungswillen zu - wird er unterschätzt?

RE: Momentan sieht alles danach aus, als ob Medwedew sich bereit erklärt hat, als eine Art Putins Statthalter im Präsidialamt zu fungieren. Sicherlich wird er nicht so stark werden wie Putin. Ein ganz schwacher Präsident wird er allerdings auch nicht werden. Dafür ist er von seinem Charakter her viel zu ehrgeizig. Unterschätzen sollte man den 42jährigen auf keinen Fall.

RE: Wie wahrscheinlich ist es, dass Medwedew kurz nach seiner Wahl den Präsidenten- Sessel freiwillig für Putin wieder frei machen würde?

Rahr: Medwedew wird nicht sofort wieder den Sessel für Putin räumen. Diee Entwicklung sehe ich nicht. Vielmehr könnte die Duma, wo Putins Partei Geeintes Russland eine absolute Mehheit besitzt, nach den Präsidentschaftswahlen eine Verfassungsänderung vornehmen und dem Amt des Premierministers mehr Macht einräumen. Drei Mal dürfen Sie raten, wer dann Premierminister wird.

RE: “Spiegel online” titelt, die dringend notwendige Modernisierung des Landes sei damit auf lange Sicht aufgeschoben. Sehen Sie das auch so?

Rahr: Nein, Medwedew steht für Modernisierung. Mit ihm wird der russische Mittelstand eine völlig neue, positive Entwicklungsperspektive erhalten. Die Silowiki werden verdrängt werden. Ein erster Schritt der Präsidentschaft Medwedews wird die Integration Russlands in die WTO werden. Nur muss der Westen selbst den Prozess mitfördern und nicht nur auf Russland schimpfen. Russische Besonderheiten beim schwierigen Transformationsprozess müssen im Westen stärker berücksichtigt werden.

RE: Was für eine Rolle spielt es, dass Medwedew Aufsichtsratsvorsitzender beim staatlichen Gasgiganten Gazprom ist?

Rahr: Medwedew hat im Auftrag Putins den Konzern beaufsichtigt, selbst keine operative Rolle im Gasgeschäft gespielt. Medwedew musste dort die Korruption bekämpfen und die alte Clique der Jelzin-Familie entmachten. Der Gasmonopolist wird mit oder ohne Medwedew in der russischen Außenpolitik eine feste Größe bleiben. Russische Beobachter gehen davon aus, dass Putin den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden übernehmen wird.

RE: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Interview: Felix Kubach

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Alexander Rahr ist Programmdirektor Russland/Eurasien der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.. Bevor er zur DGAP kam, war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut von Radio Freies Europa/Radio Liberty, München, und Projektmanager am Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien in Köln. Er fungierte als Berater für die RAND Cooperartion in Santa Monica, für das Institute of East-West-Security Studies, New York und er ist Mitglied des Lenkungsauschusses des Peterburger Dialogs. Er ist Autor der Biographien von Michael Gorbatschow (1986) und Wladimir Putin (2000). Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes (2003) und Ehrenprofessor an der Moskauer Staatsuniversität für internationale Beziehungen (MGIMO). (Quelle: dgap.org)

Quelle Photo: RIA Novosti, http://de.rian.ru

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  1. Readers Edition » Ein Fall für Zwei: Putin und Medwedjew

    am 19. Dezember 2007 um 03:03 Uhr | Link | Kommentar melden

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