The Next President of the USA – Teil 5: Die republikanischen Verfolger

Am 4. November 2008 finden in den USA Präsidentschaftswahlen statt. George W. Bush darf nach zwei Amtszeiten im Oval Office verfassungsgemäß nicht wieder antreten. In seine Amtzeit fielen nicht nur der 11. September, sondern auch die Kriege in Afghanistan und dem Irak. Geleitet von einer Gruppierung neokonservativer Kräfte, die es

logosAm 4. November 2008 finden in den USA Präsidentschaftswahlen statt. George W. Bush darf nach zwei Amtszeiten im Oval Office verfassungsgemäß nicht wieder antreten. In seine Amtzeit fielen nicht nur der 11. September, sondern auch die Kriege in Afghanistan und dem Irak. Geleitet von einer Gruppierung neokonservativer Kräfte, die es sich zur Aufgabe machten, ein New American Century ins Leben zu rufen, hinterlässt der Sohn des ehemaligen Präsidenten George Bush Senior dem nächsten Präsidenten eine Reihe von schwierigen Aufgaben. Zudem führten beide Wahlen, in denen sich Bush als Sieger durchsetzte, aufgrund ihrer Umstände und Knappheit zu einer inneren Spaltung der USA.

Zwar sind die Präsidentschaftswahlen zwar noch ein Jahr weit entfernt, doch die nicht minder wichtigen Vorwahlen (Primaries) finden bereits Anfang nächsten Jahres statt. Grund genug, einen Blick auf die aussichtsreichsten Kandidaten beider Parteien, also der oppositionellen Demokraten und der regierenden Republikaner zu werfen. Dies möchte ich in loser Reihenfolge in der nächsten Zeit tun. Wer sind diese Kandidaten, wofür stehen sie, welche Chancen haben sie?

Während bei den Demokraten sowohl die Favoriten Rolle als auch die der engsten Verfolger recht klar verteilt zu sein scheint, sieht das bei der Republikanischen Partei alles deutlich unklarer aus. Über Rudy Giuliani berichtete ich ja schon – wenn es bei den Republikanern einen Favoriten gibt, so ist er das. Die letzte Umfrage sieht ihn bei 25 Prozent Zustimmung unter den republikanischen Wählern (Im Vergleich dazu – Hillary Clinton erreicht 34 Prozent bei den demokratischen Wählern). Hinter Giuliani allerdings gibt es ein enges Feld von vier Verfolgern, die alle ihre Chancen zu haben scheinen, das Rennen noch einmal offen zu gestalten.

Der Veteran – John McCain

Da wäre zunächst John McCain. Der Senator aus Arizona trat bereits im Jahr 2000 bei den republikanischen Vorwahlen an und verlor seinerzeit gegen den jetzigen Präsidenten George W. Bush. Im Gegensatz zu Bush jedoch, der mit seiner Meldung bei der Nationalgarde einen Einsatz im Vietnamkrieg verhinderte, ist McCain wohl das, was man einen Kriegsheld nennt. 1967 wurde der Marineflieger McCain abgeschossen und geriet in Kriegsgefangenschaft. Fünfeinhalb Jahre blieb er dort und wurde währenddessen aufs Übelste gefoltert, noch heute kann er deswegen seine Arme nicht über Schulternhöhe heben. Endgültig zum Helden wurde er, als ihm die Vietnamesen anboten, in aus Propagandagründen freizulassen, da sein Vater zum Kommandeur der US-Pazifikflotte ernannt wurde – und er ablehnte. Er blieb in Gefangenschaft und wurde weiter gefoltert.

Diese Erfahrungen waren es, die ihn in strenge Ablehnung der US-amerikanischen Folterpraxis während des Irakkriegs und weiterführender Pläne zur Aufweichung des Folterverbots brachten.
McCain wäre der älteste Präsident der Geschichte der USA. Dies mag einer der Gründe sein, warum es ihm bislang nicht gelang, seine hervorragende Ausgangssituation nicht zu verbessern. In den Zeiten der Spekulation, bevor überhaupt irgendein Kandidat offiziell ins Rennen einstieg, galt er als der aussichtsreichste aller potentiellen Kandidaten. Diese Rolle hat er inzwischen längst an Rudy Giuliani abgeben müssen. Als Hauptgrund für den verlorenen Boden im Rennen gilt seine im Vergleich spärliche Wahlkampfkasse. Auf insgesamt 32 Millionen US-Dollar brachte es McCain bislang, Clinton, die auch hier vorne liegt, auf knappe 91 Millionen. Der Grund für das Einbrechen der finanziellen Unterstützung zahlungskräftiger Republikaner liegt wohl in McCains Politik begründet: Zu liberal und zu wankelmütig ist er in den wichtigen innenpolitischen Fragen, in fast allen Punkten hat er sich schon mindestens einmal widersprochen, in der Immigrantendiskussion kämpft er für eine geregelte Einwanderung – eine Position, die so manchem Konservativem die Haare zu Berge stehen lassen. Es dürfte schwer werden für John McCain.

Der Shooting Star – Mike Huckabee

Der Mann, der momentan am ehesten vom Fehlen eines klaren Favoriten zu profitieren scheint, ist der in Europa recht unbekannte Mike Huckabee. Der zweimalige Gouverneur von Arkansas startete vor einem Jahr mit zwei Prozent Zustimmung unter den republikanischen Wählern und liegt mittlerweile mit 16 Prozent auf Platz 2. Vor allem in Iowa, dem Staat, in dem die ersten Vorwahlen stattfinden und der deswegen besondere Bedeutung hat, sieht es so aus, als könne Huckabee einen klaren Sieg einfahren, laut des Rasmussen Reports liegt er dort bei 39 Prozent und hat damit innerhalb des letzten Monats seine Prozentzahlen verdoppeln können.

Punkte gut machen konnte er in den Debatten der republikanischen Kandidaten, in denen er als Einziger durch klare und pointierte Statements auffiel. Sein größter Triumph jedoch dürfte seine Religiösität sein. Der Baptist, der schon als Pastor und Präsident eines religiösen Fernsehsenders gearbeitet hat, erfüllt am ehesten das Profil des gottesfürchtigen Dieners religiöser Moral, das für weite Teile der Bevölkerung der USA ein wichtiges Kriterium in ihrer Entscheidung ist. Dementsprechend hart sind auch seine Ansichten in den innenpolitischen Fragen: Gegen Abtreibung, gegen gleiche Recht für Schwule und Lesben, gegen stärkere Waffenkontrolle – der Kandidat steht fest zu den für viele Republikaner unveräußerlichen Werten.

Für europäische Beobachter ist sicherlich irritierend, dass Huckabee den religiösen Gegenentwurf zum Darwinismus, den Kreationismus und die Idee des Intelligent Designs, unterstützt und auch Anhänger der Vorstellung ist, dieser Gegenentwurf müsse an Schulen unterrichtet werden. Außenpolitisch steht er voll auf Linie des amtierenden Präsidenten.

Der Mormone – Mitt Romney

Der andere Kandidat, der durch seine Religiösität auffällt ist der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. Für ihn bedeutet seine Religion allerdings ein Problem: Er ist Mormone und wäre als solcher der erste im Weißen Haus, sollte ihm denn der Sieg gelingen. Der christlichen Glaubensgemeinschaft, die in Salt Lake City ihren Hauptsitz hat, stehen viele US-Amerikaner skeptisch gegenüber, sie sehen die Mormonen als obskure Sekte, die unter anderem die Vielehe unterstützt (die allerdings seit 1890 nicht mehr erlaubt ist).

So sah sich Romney kürzlich gezwungen, in einer Grundsatzrede seinen Glauben zu erklären, was ihm zwar leidlich gelang, allerdings nicht so überzeugend wie der andere US-Präsident, der sich zu diesem Schritt gezwungen sah – Katholik John F. Kennedy. Lange Zeit sah es so aus, als könne Romney als Anwärter Nummer 2 gelten, der Rudy Giuliani angreifen kann. Tatsächlich führt er auch in New Hampshire, dem zweiten Staat in dem Vorwahlen stattfinden, mit zehn Prozentpunkten Vorsprung – was nicht zuletzt mit der Tatsache begründet wird, dass Romney von allen republikanischen Kandidaten die höchste Wahlkampfspendensumme sammeln konnte und sich vor allem auf die ersten beiden Staaten konzentriert, in der Hoffnung auf diese Weise von Sieg zu Sieg getragen zu werden.

Politisch konnte er nationsweit zum ersten Mal durch die Rettung der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City 2002 auf sich aufmerksam machen. Als er 1999 zum Präsident des Organisationskomitee gewählt wurde, war das Sportevent mit über 300 Millionen US-Dollar im Minus, am Ende stand ein Plus von 100 Millionen. Wo Romney politisch steht ist schwer zu sagen. Galt er am Anfang seiner Karriere als eher liberaler Republikaner, ist er im Verlauf seiner Kandidatur immer weiter nach Rechts gewandert. Dies trägt ihm von allen Seiten immer wieder Kritik ein, ein demokratischer Gegenspieler nannte ihn im Sommer dieses Jahres den “intellektuell unehrlichsten Menschen” in der Politik, ohne “ein erkennbares politisches Prinzip”. So hat er unklare Positionen zu wichtigen Themen wie Abtreibung und den Umgang mit illegaler Immigration.

Dafür ist er in anderen Punkten um so klarer: Guantanamo würde er gerne vergrößern und somit sicherstellen, dass die dort Gefangengehaltenen keinen Anwalt zu Gesicht bekommen können. Und er versuchte während seiner Amtszeit als Gouverneur von Massachusetts die Todesstrafe wieder einzuführen.

Der konservative Schauspieler – Fred Thompson

Der Schauspieler Fred Thompson, der schon in einer langen Liste von Filmen und Serien mitwirkte, ist Vierter im Bunde des republikanischen Verfolgerfeldes. Doch die Tatsache, dass Thompson Schauspieler ist, sollte nicht glauben machen, man hätte es nicht mit einem ernsthaften Politiker zu tun und das nicht nur weil mit Ronald Reagan schon einmal ein Schauspieler ins Weiße Haus einziehen konnte. Das erste Mal machte er von sich reden, als er im Untersuchungsausschuss zum Watergate-Skandal um Präsident Nixon eine für alle Seiten akzeptable Figur abgab und neun Jahre, von 1993 bis 2004, saß er für den Bundesstaat Tennessee im US-amerikanischen Senat. Vor allem aber kann Thompson unter allen republikanischen Kandidaten als einziger Konservativer alter Prägung gelten. In einem seiner Kernthemen, der Frage des Umgangs mit illegalen Einwanderern, fährt er die härteste Linie aller Kandidaten, in den anderen zentralen Punkten konservativer Ideologie ist er ganz auf Linie, außenpolitisch befürwortet er eine starke USA, die ihre militärische Macht stets als Unterstützung diplomatischer Bemühungen einsetzen müsse. Und schließlich hat er als weiteres zentrales Thema für sich den Förderalismus entdeckt – in den großen Teilen der USA, die der Zentralregierung in Washington kritisch gegenüber stehen, immer ein gutes Argument. Dass Thompson trotz seiner geringen Wahlkampfkasse (knapp 13 Millionen US-Dollar) immer auf Platz 2 in der Gunst der republikanischen Wähler lag – bis ihn vor wenigen Tagen Mike Huckabee diesen Rang abnahm – dürfte mit eben diesen grundkonservativen Haltungen zu tun haben. Ob das aber am Ende reicht, wird sich zeigen müssen.

Und am Ende – Hillary?

Es sieht gut aus für die Demokraten. Keinem der republikanischen Kandidaten ist es bislang gelungen, sich überzeugend als Spitzenkandidat darzustellen. Am ehesten trifft dies noch auf Rudy Giuliani zu, die Frage ist, wie lange es noch dauert, bis die Wähler herausfinden, dass dieser in vielen wichtigen Punkten eher Demokrat ist. Und so bleibt möglicherweise die stärkste Waffe der Republikaner die Person, die sie am meisten fürchten – Hillary Clinton. Sollte die Frau, die in vielen der republikanischen Red States gehasst wird, Kandidatin der Demokraten werden, bekäme ein republikanischer Kandidat viele Hillary-Verhinderungs-Stimmen. Wer immer das dann auch sei.

Mehr zum Thema:

- The next President of the USA – Teil 1: Die Primaries
- The next President of the USA – Teil 2: Hillary Rodham Clinton
- The next President of the USA – Teil 3: Rudy Giuliani
- The next President of the USA – Teil 4: Barack Obama und John Edwards

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