Die seouler Polizei hat in der vergangenen Nacht drei Verdächtige festgenommen, die die Oppositionspartei GNP mit einer VCD erpresst haben. Auf dem Video ist der Spitzenkandidat der Partei, Lee Myung-bak, zu sehen, wie er bei einer Vorlesung „zugibt“, dass er die Firma BBK gegründet hat – eine Tatsache, die er in bisher vehement bestritten hat. Die regierungsnahe Partei UNDP veröffentlichte den Inhalt auf einer Pressekonferenz heute morgen um 9 Uhr Ortszeit, und sieht sich in ihren Verdächtigungen bestätigt, dass ihr schärfster Konkurrent in schwarze Geldgeschäfte verwickelt ist. Drei Tage vor der Präsidentschaftswahl fordern sie erneut seinen sofortigen Rücktritt.
Ändern die Wähler ihre Meinung doch noch?
Südkorea wählt am 19. Dezember seinen neuen Präsidenten. Der umstrittene Präsidentschaftskandidat der GNP, Lee Myung-bak, hat seit Jahresanfang bis in die Gegenwart eine über 40-prozentige Unterstützung der Bevölkerung erhalten. Der Spitzenkandidat der regierungsnahen UNDP, Chung Dong-young, steht im Schatten der unbeliebten aktuellen Regierung und kommt nicht einmal auf die Hälfte des Zuspruches der Wähler.
Anschuldigungen und Verdächtigungen, Lee Myung-bak habe sich mit seinem ehemaligen Geschäftspartner, Kim Kyung-jun, der Aktienmanipulation und anderer dunkler Geldgeschäfte schuldig gemacht, änderten nichts an der Meinung der Massen. Nach einer Umfrage vom Anfang des Monats würden mehr als 60 Prozent der Bevölkerung Lee Myung-bak auch dann unterstützen, wenn er sich als schuldig herausstellen würde. Doch diese Haltung könnte sich jetzt doch noch ändern.
Lee Myung-bak, „Ich habe die Firma BBK gegründet.“
Das beschlagnahmte Video zeigt Lee Myung-bak bei einer Vorlesung an der Gwangun Universität am 17. Oktober 2000, wie er unter anderem sagt: „…im Januar dieses Jahres habe ich die Investmentberatungsfirma BBK gegründet. [...] Zwar gibt es die Firma BBK erst seit diesem Jahr, aber sie hat bereits im September 28,8% Profit gemacht.“
Zuvor waren bereits zahlreiche andere Interviews und Artikel aufgetaucht, in denen Lee Myung-bak sich teilweise selbst als Gründer der Firma BBK ausgab. Doch sein Wahlkampfcamp hatte die Medienberichte stets als Falschmeldungen abgetan.
Auch die Staatsanwaltschaft, die den Fall untersuchte, hat die zahlreichen Beweise nicht zum Gegenstand ihrer Untersuchungen gemacht. Mehrere hundert Nichtregierungsorganisationen und die konkurrierenden Wahlkampfcamps haben die Staatsanwaltschaft daraufhin bezichtigt, Politik zu machen.
Erpresser forderten erst 7,5, dann 2,5 Millionen Euro von Lee
Mit dem gestern Nacht aufgetauchten Video könnte sich das Blatt kurz vor dem Urnengang noch einmal wenden. Insbesondere die Umstände, wie die VCD schließlich in die Hände der UNDP gelang, machen die Brisanz des Inhaltes deutlich. Das könnte auch die Wähler umstimmen, die sich trotz aller Vorwürfe bisher hinter Lee Myung-bak gestellt haben. Wahrscheinlich ist es jedoch nicht. Die Financial Times befürchtet, dass „Südkorea riskiert, die politische Uhr zurückzustellen“.
Ein gewisser Herr Kim und zwei weitere Verdächtige einer Aufnahmefirma hatten bereits Anfang des Monats den Kontakt zum Wahlcamp Lee Myung-baks gesucht, und die GNP erpresst, das Video an die Öffentlichkeit zu bringen, wenn sie ihnen nicht umgerechnet rund 7,5 Millionen Euro übergeben. Als man sie abwies, wendeten sie sich an die UNDP und auch an das Wahlcamp des parteilosen Lee Hoi-chang, wo sie umgerechnet ca. 2,5 Millionen Euro forderten. Doch auch hier wurde ihnen kein Gehör geschenkt.
Versuchte Epressung in seouler Hotel
Erst als sie sich jetzt erneut an die GNP wandten, konnten sie sich auf 2,5 Millionen Euro einigen und ein Treffen in einem seouler Hotelzimmer am gestrigen Abend ausmachen. Doch dort wartete bereits die Polizei auf die Erpresser. Die GNP hatte sich schließlich an die Behörden gewendet. Um 4 Uhr 48 heute morgen berichtete die Hankyoreh Zeitung als erste auf ihrer Internetseite über den Vorfall und veröffentlichte auch die entscheidenden Stellen des beschlagnahmten Videos. Das komplette Video ist bei Ohmynews zu sehen.
Lee Myung-bak reagierte souverän auf die Neuigkeit. Seinen Wahlkampfhelfern sagte er nach Angaben von Yonhapnews, „Es gibt überhaupt kein Problem. Ihr müsst jetzt richtig reagieren.“ Des Weiteren sagte er, seine Konkurrenten sollten ihn mit einem konkreten Wahlprogramm angreifen und nicht mit verschwörerischem Negativwahlkampf.
Ein Berater Lees fügte hinzu, „Kandidat Lee hat damals solche Aussagen wahrscheinlich aus Werbezwecken gemacht. Die Aufregung über die Frage der Besitzanteile an der Firma BBK sind bereits durch das Geständnis von Kim Kyung-jun eindeutig geklärt worden.“
Kim Kyung-jun hatte entsprechende Aussagen während der Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft gemacht. Später behauptete, er sei von den Beamten unter Druck gesetzt worden.
Heisse Fernsehdiskussion erwartet
Die Untersuchungen des Falles begannen mit der Frage, ob Lee Myung-bak der eigentliche Besitzer der beidem Firmen BBK und DAS ist. DAS hat großzügig in BBK investiert, die auf Papier im Besitz eines Schwagers Lees ist. Dieser Behauptung hatte sein ehemaliger Geschäftspartner Kim Kyung-jun stets wiedersprochen.
Kim und Lee wurden im Februar 2000 Geschäftspartner, als sie gemeinsam das Investmentunternehmen LK e-Bank gründeten.
In einer Presseerklärung heute morgen forderte die UNDP, dass sich „Lügner Lee Myung-bak vor dem Volk entschuldigen“ solle und „zurücktreten müsse“.
Die für heute Abend angesetzte letzte Fernsehdiskussionsrunde der Präsidentschaftskandidaten wird mit Spannung erwartet.
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